27 Februar 2020, 12:00
Das katholische Milieu 2020
 
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Synodaler Weg – „Ganz normale Katholiken können mitten in der Kirche des Herrn vereinsamen.“ Gastkommentar von Thorsten Paprotny

Hannover (kath.net) Ganz normale Katholiken können mitten in der Kirche des Herrn vereinsamen. Die medial breit diskutierten Themen wirken bedrängend – und der „Synodale Weg“ findet in weiter Ferne statt, auch wenn die Lokalpresse darüber erregt berichtet. Es gibt mancherorts Priester, die sich den neuen Protestbewegungen anschließen. Sie sind so frei, so scheint es. Einige finden dieses Selbstbewusstsein gut, andere verstehen Welt und Kirche schon lange nicht mehr. Noch immer ist die Konversion andersgläubiger Christen zur römisch-katholischen Kirche möglich, auch wenn manche ihrer Bischöfe und Gelehrten mit der Wahrheit des Glaubens zu fremdeln scheinen. Sogar Atheisten suchen heute noch den Weg zu Gott – und lassen sich taufen im Namen des dreifaltigen Gottes.

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Soziologische Studien zeigen: Das katholische Milieu löst sich auf oder ist vielerorts längst entschwunden. Zentrifugale Kräfte erfassen kirchliche Verbände und Gemeinschaften. Einige von ihnen wirken wie erschöpfte, müde Parteien und Gewerkschaften, finanziell noch gut ausgestattet, aber in Richtungskämpfen sich verlierend. Die einen wollen geschmeidige Anpassungen an den Zeitgeist, die anderen möchten einfach nur römisch-katholisch bleiben. Viele sind, wie fast immer, ohne Stimme. Sie möchten auch gar nicht „stimmberechtigt“ sein. Auch wollen sie weder über die Lehre der Kirche noch über die neuesten Pastoralvisionen Beschlüsse fassen. Sie sind nicht lokal-synodal unterwegs, sondern auf dem Weg zu Gott. Sie wollen einfach nur an Gott glauben, auf die Barmherzigkeit Gottes hoffen und die Kirche lieben.

Die Verhöhnung Christi reicht heute bis weit hinein in die Kirche. Auch das ist skandalös. Neu ist es nicht. Schon der junge Joseph Ratzinger sprach vom „Neuheidentum in der Kirche“ – in den 1950er-Jahren, kath.net hat berichtet. Auch damals war es um das „katholische Milieu“ nicht gut bestellt. Wir können heute vielleicht auch sagen: Nicht nur die Familie – Mann, Frau und Kinder, Sie erinnern sich noch? – ist angefochten von anderen Lebensbildern und Lebensentwürfen, auch die Familie Gottes, die Schwestern und Brüder im Glauben, erleben bunte Zeiten.

Am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei. Der Karneval geht weiter. Aber die Kirche Gottes hat schon vieles ausgehalten. Der Herr bleibt in ihr gegenwärtig. Das Schifflein Petri segelt weiter auf den Wogen dieser Zeit.

Die ganz normalen Katholiken sind treu und für postmoderne Experimente ungeeignet. Im katholischen Milieu verliebten sich übrigens früher Katholiken und Katholikinnen ineinander und gründeten eine Familie, eine „Hauskirche“ in der Kirche des Herrn. An Gottes Segen ist alles gelegen. Die Eltern unseres emeritierten Papstes Benedikt lernten sich über eine Zeitungsannonce im „Altöttinger Liebfrauenboten“ kennen und lieben. Wie schön. Und heute?

Wir müssen keine großen Pläne machen, aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott einen Plan mit und für uns hat. Wir müssen uns weder neu erfinden noch selbst verwirklichen. Aber wir dürfen gläubig die Knie vor dem Sakrament des Altares beugen und uns wunderbar geborgen im Credo der Kirche verbinden. In diesem „Wir der Kirche“ können und dürfen wir zu Hause sein und verschwinden, als betende Menschen. Wie der Apostel Johannes schreibt: Wir haben der Liebe geglaubt – und zugleich mit Paulus‘ Worten gesagt: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi. Ein Katholik möchte nicht selbst im Licht stehen, sondern durchlässig sein für das einzige Licht, auf das es ankommt und das die Welt erleuchtet: Wir geben Zeugnis für das Licht des Herrn, der für uns Weg, Wahrheit und Leben ist, in Zeit und Ewigkeit. Von einfach gläubigen, den ganz normalen Katholiken lebt die Kirche auch in unserer Zeit. Wir sind gekommen, um zu dienen und um zu bleiben. Das letzte Amen sprechen wir nicht selbst, der Herr spricht es uns zu, am Ende unseres Lebens. Möchten Sie auch nur verborgen vor der Welt beten und einfach beim Herrn sein und Seiner Kirche treu bleiben? Willkommen im katholischen Milieu 2020. Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause.

Dr. Thorsten Paprotny lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Er publizierte 2018 den Band „Theologisch denken mit Benedikt XVI.“ im Verlag Traugott Bautz und arbeitet an einer Studie zum Verhältnis von Systematischer Theologie und Exegese im Werk von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.

kath.net-Buchtipp
Theologisch denken mit Benedikt XVI.
Von Thorsten Paprotny
Taschenbuch, 112 Seiten
2018 Bautz
ISBN 978-3-95948-336-0
Preis 15.50 EUR

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