11 Februar 2020, 09:59
Asia Bibi – Eine Frau glaubt um ihr Leben
 
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Brunnen Verlag veröffentlicht Biografie der pakistanischen Christin. Ein neues Buch von Joseph Scheppach

Linz (kath.net)
Das Martyrium beginnt am 19. Juni 2009. An diesem Freitag öffnet sich für Asia Noreen Bibi der Vorhof zur Hölle – wegen eines Schlucks Wasser. Am Ende ihres Leidenswegs wird sie zu einer Ikone unter den Massen an Opfern der weltweit zunehmenden Christenverfolgung.

Zwei pakistanische Muslima beschuldigen die Christin Brunnenwasser „verunreinigt“ zu haben. Die „Choori“ – wie „unreine“ Christen genannt werden – hat aus einem ins Wasser getauchten Becher getrunken. In dem von den Frauen provozierten Streit verliert sie angeblich gotteslästerliche Worte. Sie bringen ihre Widersacherinnen in Rage – und Asia Bibi in Lebensgefahr.

Die damals 38jährige Christin wird angeklagt, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben und wegen Blasphemie zum Tode durch den Strang verurteilt. Dazu kommt eine immens hohe Geldstrafe.
Menschenrechtsorganisationen sind empört.

Neun quälend lange Jahre muss die bitterarme Mutter von fünf Kindern bei jedem Klick des Eisenschlosses ihrer Zelle den Henker fürchten. Lebendig begraben vegetiert sie in einem dunklen Kerker, die Wände schwarz vor Dreck. Der Boden durchtränkt von Schlamm, Kot und Urin.

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Die herzzerreißende Tortur der Landarbeiterin interessiert zunächst niemand. Erstmals in der Geschichte Pakistans wird eine Christin wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt. Doch der pakistanischen Presse ist das keinen Bericht wert.

Ausländische christliche Organisationen rufen zu Gebeten für die Todgeweihte auf. Die Katholische Liga, eine US-Organisation, fordert die Vereinten Nationen auf, gegen Blasphemiegesetze in aller Welt vorzugehen. Gläubige auf der ganzen Welt beten für Asia Bibi und ihre Familie. Die UNO und auch Papst Benedikt XVI., später Papst Franziskus rufen dazu auf, die Vorwürfe fallenzulassen.
Hunderttausende Unterstützer unterschreiben Appelle für ihre Freilassung. Die internationale Presse berichtet. „Es ist ein obszönes Gesetz, das in Wahrheit mit Religion nichts zu tun hat“, wettert Ali Hasan Dayan von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in der britischen Zeitung The Telegraph.

Sie macht als eine der ersten Medien den Fall publik.
Gerichtliche Anhörungen werden immer wieder von islamischen Fanatikern sabotiert. Der Prozess wird verschleppt. Vergeblich richtet Asia Bibis Ehemann Gnadengesuche an den pakistanischen Präsidenten. Erst ein mutiger Anwalt boxt das Verfahren bis zum Obersten Gericht Pakistans durch. Am 31.10. 2018 dann das erlösende Urteil: „Asia Bibi wird vom Vorwurf der Blasphemie wegen nicht ausreichender Beweise freigesprochen“, verkündet der Präsident des Obersten Gerichts, Saqib Nisar. „Sie ist sofort freizulassen.“

Aber daraus wird nichts. Unmittelbar nach dem mutigen Richterspruch flammen Unruhen auf. Fanatische Kleriker wollen eine Wiederaufnahme des Verfahrens erreichen.
Nach einem schier endlos scheinenden juristischen Hick-Hack – begleitet von erneuten Protesten islamischer Fanatiker – kann Asia Bibi am 8. Mai 2019 Pakistan verlassen. Den Tag verbringt sie, wie sie später berichtet, mit ständigen Danksagungen an Gott, der ihre Gebete erhört hat.

Heute lebt Asia Bibi im Exil – an einem geheimen Ort in Kanada. Dorthin konnten auch ihr Mann und ihre Töchter ausreisen.
Kaum in Freiheit macht Asia Bibi einen schier unglaublichen Schritt. Trotz des unsagbaren Leids, das sie ertragen musste, vergibt sie ihren Peinigern. Und sie weist auf Leidensgenossen hin: „Es gibt viele andere Beschuldigte, die Jahre im Gefängnis verbringen“, sagt sie in ihrem ersten Interview und fordert: „Auch hier sollten die Gerichte zu deren Gunsten entscheiden“, wie der Wissenschaftsjournalist Joseph Scheppach in der gerade erschienenen Biografie Asia Bibi. Eine Frau glaubt um ihr Leben, Brunnen Verlag, schreibt.


Frei und doch nicht frei

In dem Video hört man nur ihre Stimme, sie selbst aber sieht man nicht. Asia Bibi, die knapp der Todesstrafe entgangene Christin, spricht aus ihrem Exil in Kanada. In ihrem Asylland dürfte sie künftig zwar sicherer leben als in ihrer alten Heimat, doch unbeschwert wird das neue Leben auch in Kanada nicht werden. Denn auch dort müssen die Behörden sie bewachen, mit einer neuen Identität ausstatten und an einem unbekannten Ort verstecken, um sie vor Vertretern des religiösen Hasses zu schützen.

Aneeqa Maria Anthony, pakistanische Anwältin, weiß warum. „Asia Bibis Leben ist immer noch in Gefahr. In der islamischen Welt gibt es die Ansicht, dass jeder, der sich einmal blasphemisch geäußert hat, immer ein Blasphemist bleibt. Und damit nach Überzeugung fundamentaler islamischer Gläubigen auch jederzeit – gegebenenfalls mit dem Tod – bestraft werden muss“, erzählt die Menschenrechtlerin am 13. November 2019 in Schwäbisch Gmünd. Und erklärt damit auch, warum Asia in einem Video, das am 8. September auf YouTube veröffentlicht wurde, ihr Gesicht nicht zu zeigen wagt.

Doch ihre Stimme ist eine Stimme, die sie für all jene Christen erhebt, die in Pakistan und anderswo wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
„Ich, Asia Bibi, Tochter von Salamat Masih, glaube an Jesus. Und heute möchte ich der Welt eine Sache erklären: Ich habe nichts Böses getan, um das zu verdienen, was ich zehn Jahre lang erlitten habe“, so Asia in dem Video. „Ich war eine Gefangene, zum Tode verurteilt. Man hat mich der Gotteslästerung angeklagt, aber in Jesus habe ich die Freiheit erhalten und ich habe nicht zugelassen, dass mein Glaube schwach wurde“, fügt sie hinzu.

„Mein Glaube ist stark genug, um euch zu bitten: Entfernt euch nicht von dem, was ihr glaubt! An alle Welt: Bitte bleibt dem treu, was ihr glaubt! Meine Botschaft ist für die ganze Welt die gleiche: Bleibt dem treu, was ihr glaubt, auch wenn ihr euch dem Schwert stellen müsst; bleibt eurem Glauben treu, auch wenn ihr alles opfern müsst!“
Als Asia Bibi fast sieben Monate nach ihrem offiziellen Freispruch Pakistan verlassen konnte, ging alles ganz schnell. Die 54-jährige hatte in einer Nacht- und Nebelaktion keine Möglichkeit, von irgendwem Abschied zu nehmen. Für sie ist das immer noch hart: „Mein Herz brach, als ich ausreisen musste, ohne meine Familie zu verabschieden. Pakistan ist mein Land, Pakistan ist meine Heimat, ich liebe mein Land, ich liebe den Boden, auf dem ich gelebt habe.“
Doch noch mehr liebt sie ihren Gott, dem sie auch unter Todesdrohungen nicht abschwören wollte.
Joseph Scheppach

kath.net Buchtipp
Asia Bibi – Eine Frau glaubt um ihr Leben
Von Joseph Scheppach
ISBN 978-3-7655-0738-0
Erscheint am 29.02.2020
160 Seiten
Brunnen Verlag 2020
Preis: Euro 15,-

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