10 Januar 2020, 11:20
„Irgendwo muss das ja beginnen, das mit dem Dialog“
 
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Theologe Hartl: Bei der MEHR gab es eine Veranstaltung im geschützten Rahmen, eingeladen: „Professoren der akademischen Theologie“ und „alle uns bekannten Universitätsheologen, die bisher etwas Kritisches über die MEHR geschrieben haben“.

Augsburg (kath.net/pl) „Etwa 40 katholische und evangelische Professoren und Universitätsdozenten“ kamen auf Einladung zur „Disputatio“ nach Augsburg. Darüber informierte der Gebetshausleiter Johannes Hartl auf seiner Facebookseite. Diese Veranstaltung fand „fernab der Augen der 12.000 Teilnehmer“ der MEHR-Glaubenskonferenz (3.-6. Januar) des Gebetshauses Augsburg auf dem Augsburger Messegelände statt. „Das Ziel war, in einem geschützten Rahmen Raum für kritische Rückfragen zu geben“, erläuterte der Theologe und berichtete, wie es dazu gekommen war: „Als 2018 auf der MEHR MissionManifest veröffentlicht und das Buch sogar zum Spiegel-Bestseller wurde, gab es von theologischer Seite her auch viel Kritik. Unter dem Titel ‚Einfach nur Jesus?‘ erschien bei Herder ein Sammelband kritischer Aufsätze von Theologen, ebenso in Fachzeitschriften. In seinem Aufsatz formulierte einer der Herausgeber, es glaube erst wieder an Wunder, wenn die Thesen dieses Buchs auch auf der MEHR diskutiert würden. Mit einem Augenzwinkern nahmen wir diese Gelegenheit zur Wiedergewinnung des Wunderglaubens an und luden ihn selbst auf die MEHR ein. Denn leider verbindet die größte Zahl der Kritiker die Tatsache, dass sie noch nie auf der Konferenz oder im Gebetshaus waren.“

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„SE Kurt Kardinal Koch als Vertreter des Vatikans und Prof. Roland Werner sprachen abschließende Grußworte“, berichtete Hartl. Kritiker hatten „die Möglichkeit, ihre Anfragen und Beobachtungen zu formulieren. Andere Theologen und auch Vertreter verschiedener Bewegungen (so wie ich) konnten dann darauf antworten. Das Klima dieser Disputatio war sehr respektvoll, die Beiträge hatten ein hohes Niveau, auch wenn die Meinungen natürlich auseinandergingen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass es ein guter und wichtiger Auftakt eines lohnenden Diskurses war: eben miteinander, statt nur übereinander zu reden.“ Einerseits bräuchten Aufbrüche Theologie, aber andererseits brauche auch die Theologie Aufbruch. „Manche Anfragen blieben, manche kritische Stimme musste aber auch zugeben, positiv überrascht worden zu sein. Ich selbst fand diese lange, intensive Diskussion am vorletzten Tag einer doch recht großen Konferenz, die ich zu leiten hatte, durchaus etwas anstrengend, aber auch wichtig.“ Als „einziger Wermutstropfen“ sei die Tatsache geblieben, „dass die meisten der prominenteren Stimmen, die negativ über MEHR und Gebetshaus geschrieben hatten, der Einladung nicht gefolgt sind. Es war trotzdem sehr gut. Jesus sagt, dass man seine Feinde lieben soll. Theologisch Andersdenkende sind natürlich keine Feinde, sondern wichtige Gesprächspartner. Aber irgendwo muss das ja beginnen, das mit dem Dialog.“

Roland Werner, Honorarprofessor für Theologie im globalen Kontext an der evangelikalen „Evangelischen Hochschule Tabor“ in Marburg, erinnerte daran, dass eine Entmythologisierung des Neuen Testaments in Sinne von Rudolf Bultmann nur „sehr magere Resultate“ gezeitigt habe. „Der Jesus, der so entstand, war Raum und Zeit so sehr enthoben, als sei er ein Alien, der von einem Raumschiff gelandet war, und keinerlei Berührungen mit den Fragen, Themen und Redeweisen seiner Zeit gehabt habe. Dieser Jesus ist eine kaum noch greifbare Schattengestalt.“ Doch werde „dieser sich immer weiter ins Ungewisse verflüchtigende Jesus“ „wiederum – paradoxerweise und doch folgerichtig – jetzt zur geschmeidigen Projektionsfläche für zahllose neue Jesusbilder. Diese wiederum sind bei näherer Betrachtung häufig nicht viel mehr als Spiegelbilder der Ideale der jeweiligen Zeit, in der sie entworfen wurden. So führt der Weg der Reduktion des historischen, des biblischen Jesus in eine Aporie. Und zugleich ermöglicht er so, dass man sich je einen neuen Jesus, und damit einen neuen Glauben bzw. einen dogmatischen Entwurf schaffen kann, und dann auch eine neue Ethik, die, unter Berufung auf dieses Jesusbild, das der Bibel in Frage stellt.“ Ein solcher „Weg theologischer Reduktion ist also ein Holzweg, er führt langfristig zur Auflösung nicht nur der Glaubensinhalte und der ethischen Regulierung, sondern auch der Kirche selbst, weil am Ende nur noch Subjektivität und Individualismus übrig bleiben. Auf dem Weg der Reduktion zerrinnt uns nicht nur die Bibel und der ‚Glaube, der ein für alle Mal den Heiligen übergeben ist‘ (Judas 3) zwischen den Fingern, sondern wir verlieren so auch Jesus selbst“, warnte Werner.

Gegen dieses „Weniger“ stehe nun die „MEHR“. Er sehne sich nach „mehr Bibel“, „mehr Jesus-Mystik“ und „mehr Theologie“, erklärte der evangelikale Theologe und schloss: „Möge Gott uns, auch in unserem Ringen um die Zukunft der christlichen Kirche und Kirchen in Europa, dazu helfen! Und er schenke uns die notwendige Demut, Lernbereitschaft, neue Sehnsucht nach Ihm, und stärke uns im Gebet um diese Erneuerung. Iesu iuva!“

Link zum Grußwort von Roland Werner in voller Länge:

Mein Grußwort beim Forum „MEHR Theologie“, Augsburg, 5. Januar 2020
Eure Eminenz Kardinal Koch, veehrte Professores,...

Gepostet von Roland Werner am Donnerstag, 9. Januar 2020


Dieser Karfreitag war tatsächlich "Friday for Future"!


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