09 September 2019, 16:05
Abschied von Mauritius
 
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Franziskus: die Verschiedenheit ist schön, wenn sie es annimmt, beständig in einen Prozess der Versöhnung einzutreten, und sogar eine Art Kulturvertrag zu schließen, der zu einer ‚versöhnten Verschiedenheit’ führt

Rom (kath.net) Am heutigen Nachmittag beendete Papst Franziskus die 31. Auslandsreise seines Pontifikats, die ihn nach Südost-Afrika geführt hatte. Den letzten Programmpunkt bildete eine Begegnung mit den Vertretern der Regierung, der Zivilgesellschaft und mit dem Diplomatischen Korps im Präsidentenpalast der Hauptstadt der Inselrepublik Mauritius, Port Louis. Im Anschluss daran flog der Papst zurück nach Antananarivo, die Hauptstadt von Madagaskar, von wo aus der am Dienstag wieder nach Rom aufbrechen wird. Seine Landung ist nach einem rund neunstündigen Flug für 19:00 Uhr geplant.

„Ich freue mich, dass ich dank dieses kurzen Besuches Ihrem Volk begegnen kann. Es zeichnet sich nicht nur durch eine kulturelle, ethnische und religiöse Vielfalt aus, sondern vor allem durch die schöne Fähigkeit, die Unterschiede im Blick auf ein gemeinsames Projekt anzuerkennen, zu respektieren und miteinander in Einklang zu bringen. Das durchzieht die gesamte Geschichte Ihres Volkes.

Es entstand mit der Ankunft von Migranten aus verschiedenen Himmelsrichtungen und Kontinenten, die ihre Traditionen, Kulturen und Religionen mitbrachten und nach und nach lernten, sich mit ihren Unterschieden gegenseitig zu bereichern und einen Weg des Zusammenlebens zu finden, indem sie eine auf das Gemeinwohl ausgerichtete Brüderlichkeit entwickelten.“

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„Ich möchte Sie ermutigen, nicht auf das Götzenbild eines Wirtschaftsmodells hereinzufallen, das menschliches Leben auf dem Altar der Spekulation und der puren Rentabilität opfern muss und das nur den unmittelbaren Gewinn im Blick hat, zum Nachteil des Schutzes der Armen, der Umwelt und ihrer Ressourcen.

Wir müssen weiter die konstruktive Haltung einnehmen, die, wie Kardinal Piat zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit von Mauritius geschrieben hat, zu der Förderung einer ganzheitlichen ökologischen Umkehr antreibt. Diese Umkehr zielt nicht nur darauf ab, erschreckende klimatische Phänomene oder große Naturkatastrophen zu vermeiden, sondern will ebenso eine Änderung des Lebensstils bewirken, damit das Wirtschaftswachstum wirklich allen nützt, ohne dabei das Risiko der Verursachung von Umweltkatastrophen oder schwerer sozialer Krisen in Kauf zu nehmen.“

„Meine Damen und Herren, ich möchte meine Wertschätzung darüber zum Ausdruck bringen, wie die verschiedenen Religionsgemeinschaften auf Mauritius mit ihren jeweiligen Identitäten gemeinsam einen Anteil zum sozialen Frieden leisten. Sie halten den transzendenten Wert des Lebens gegen jede Art von Relativismus in Erinnerung. Ich wiederhole, dass die Katholiken auf Mauritius bereit sind, weiterhin an diesem fruchtbaren Dialog, der die Geschichte Ihres Volkes so stark geprägt hat, teilzuhaben. Danke für Ihr Zeugnis.“


kath.net veröffentlicht die Ansprache von Papst Franziskus bei der Begegnung mit den Vertretern der Regierung, der Zivilgesellschaft und mit dem Diplomatischen Korps im Präsidentenpalast von Port Louis:

Herr Präsident,
Herr Premierminister,
geschätzte Regierungsmitglieder,
geschätzte Mitglieder des Diplomatischen Korps,
werte Repräsentanten der Zivilgesellschaft,
sehr geehrte Vertreter der verschiedenen Religionsbekenntnisse,
meine Damen und Herren,

Ich grüße von Herzen die Repräsentanten der Republik Mauritius und bedanke mich für die Einladung zu einem Besuch Ihres Landes. Ich danke dem Premierminister für seine freundlichen Worte, die er eben an mich gerichtet hat und für seinen Willkommensgruß wie auch für den des Herrn Präsidenten. Ich grüße die Mitglieder der Regierung, der Zivilgesellschaft und des Diplomatischen Korps. Weiterhin möchte ich auch die Vertreter anderer christlicher Glaubensgemeinschaften und der verschiedenen in Mauritius lebenden Religionsgemeinschaften begrüßen und ihnen für ihre heutige Anwesenheit brüderlich danken.

Ich freue mich, dass ich dank dieses kurzen Besuches Ihrem Volk begegnen kann. Es zeichnet sich nicht nur durch eine kulturelle, ethnische und religiöse Vielfalt aus, sondern vor allem durch die schöne Fähigkeit, die Unterschiede im Blick auf ein gemeinsames Projekt anzuerkennen, zu respektieren und miteinander in Einklang zu bringen. Das durchzieht die gesamte Geschichte Ihres Volkes. Es entstand mit der Ankunft von Migranten aus verschiedenen Himmelsrichtungen und Kontinenten, die ihre Traditionen, Kulturen und Religionen mitbrachten und nach und nach lernten, sich mit ihren Unterschieden gegenseitig zu bereichern und einen Weg des Zusammenlebens zu finden, indem sie eine auf das Gemeinwohl ausgerichtete Brüderlichkeit entwickelten.

In diesem Sinn besitzen Sie – aufgrund Ihrer konkreten Erfahrung – eine maßgebliche Stimme, die daran erinnern kann, dass ein stabiler Frieden möglich ist, ausgehend von der Überzeugung, dass »die Verschiedenheit […] schön [ist], wenn sie es annimmt, beständig in einen Prozess der Versöhnung einzutreten, und sogar eine Art Kulturvertrag zu schließen, der zu einer „versöhnten Verschiedenheit“ führt« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 230). Das ist eine Grundlage und Möglichkeit für den Aufbau einer wirklichen Gemeinschaft innerhalb der großen Menschenfamilie, ohne dass man andere an den Rand drängen, ausschließen oder zurückweisen muss.

Die DNA Ihres Volkes bewahrt die Erinnerung an die Migrationsbewegungen, die Ihre Vorfahren auf diese Insel geführt haben und die sie auch dazu befähigt haben, für Unterschiede offen zu sein, sie zu integrieren und sie mit Blick auf das Wohl aller zu fördern. Deshalb ermutige ich Sie, in Treue zu Ihren Wurzeln die Herausforderung der Aufnahme und des Schutzes der Migranten anzugehen, die heute auf der Suche nach Arbeit und oftmals auch auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen für ihre Familien hierherkommen. Nehmen Sie sie auf, wie einst Ihre Vorfahren sich gegenseitig angenommen haben. Dann sind Sie Protagonisten und Verteidiger einer wahren Begegnungskultur, die es den Migranten (und allen anderen) ermöglicht, in ihrer Würde und ihren Rechten anerkannt zu werden.

Bei der jüngeren Geschichte Ihres Volkes verdient die mit der Unabhängigkeit eingeführte demokratische Tradition eine besondere Würdigung. Diese trägt dazu bei, aus der Mauritischen Insel ein Friedensparadies zu machen. Ich wünsche mir, dass dieser demokratische Lebensstil weiter gepflegt und entwickelt wird, besonders durch den Kampf gegen jede Art von Diskriminierung. Denn »echte Politik, die sich auf Recht und ehrlichen Dialog zwischen den Personen gründet, entsteht immer neu aus der Überzeugung heraus, dass mit jeder Frau, jedem Mann und jeder Generation die Hoffnung auf neue relationale, intellektuelle, kulturelle und spirituelle Möglichkeiten verbunden ist« (Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages, 1. Januar 2019).

Mögen Sie, die Sie sich in der Politik der Republik Mauritius engagieren, ein Beispiel sein für die, die auf Sie zählen, besonders für die Jugend. Mit Ihrem Verhalten und dem Willen zum Kampf gegen jede Form von Korruption mögen Sie den Wert des Einsatzes für das Gemeinwohl bezeugen und sich immer des Vertrauens Ihrer Mitbürger würdig erweisen.

Seit seiner Unabhängigkeit hat Ihr Land eine starke wirtschaftliche Entwicklung durchlaufen, über die wir uns ohne Zweifel freuen. Gleichzeitig müssen wir aber auch wachsam bleiben. Im momentanen Kontext kommt ein Wirtschaftswachstum nicht immer allen zu Gute und schiebt oft – aufgrund gewisser strukturdynamischer Konzepte – eine Gruppe von Personen an die Seite, vor allem die jungen Leute. Deshalb möchte ich Sie ermutigen, eine Wirtschaftspolitik zu entwick∂ganzheeln, die auf die Menschen hin ausgerichtet ist und die eine bessere Verteilung der Gewinne, die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die integrale Förderung der Armen als Priorität hat (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 204).

Ich möchte Sie ermutigen, nicht auf das Götzenbild eines Wirtschaftsmodells hereinzufallen, das menschliches Leben auf dem Altar der Spekulation und der puren Rentabilität opfern muss und das nur den unmittelbaren Gewinn im Blick hat, zum Nachteil des Schutzes der Armen, der Umwelt und ihrer Ressourcen. Wir müssen weiter die konstruktive Haltung einnehmen, die, wie Kardinal Piat zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit von Mauritius geschrieben hat, zu der Förderung einer ganzheitlichen ökologischen Umkehr antreibt.

Diese Umkehr zielt nicht nur darauf ab, erschreckende klimatische Phänomene oder große Naturkatastrophen zu vermeiden, sondern will ebenso eine Änderung des Lebensstils bewirken, damit das Wirtschaftswachstum wirklich allen nützt, ohne dabei das Risiko der Verursachung von Umweltkatastrophen oder schwerer sozialer Krisen in Kauf zu nehmen.

Meine Damen und Herren, ich möchte meine Wertschätzung darüber zum Ausdruck bringen, wie die verschiedenen Religionsgemeinschaften auf Mauritius mit ihren jeweiligen Identitäten gemeinsam einen Anteil zum sozialen Frieden leisten. Sie halten den transzendenten Wert des Lebens gegen jede Art von Relativismus in Erinnerung. Ich wiederhole, dass die Katholiken auf Mauritius bereit sind, weiterhin an diesem fruchtbaren Dialog, der die Geschichte Ihres Volkes so stark geprägt hat, teilzuhaben. Danke für Ihr Zeugnis.

Nochmals danke ich für Ihren herzlichen Empfang. Ich wünsche von Herzen, dass Gott Ihr Volk segne sowie auch alle Ihre Bemühungen um die Begegnung zwischen den verschiedenen Kulturen, Bevölkerungsgruppen und religiösen Traditionen, zur Förderung einer gerechten Gesellschaft, die ihre Kinder, gerade die ärmsten und schwächsten, nicht vergisst. Möge seine Liebe und seine Barmherzigkeit Sie weiterhin begleiten und beschützen!

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