15 Februar 2019, 13:00
Liturgie: keine sterilen ideologischen Polarisierungen!
 
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Papst Franziskus an die Vollversammlung der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: die Liturgie – Epiphanie der kirchlichen Gemeinschaft. Liturgie und Mystagogie. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Zu Beginn eines für die Liturgiereform vor 50 Jahren entscheidenden und bedeutenden Gedenkjahres empfing Papst Franziskus an Donnerstag, den 14. Februar, die Vollversammlung der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Diese hatte ihre Tagung zum Thema „Die liturgische Bildung des Volkes Gottes“ gestaltet.

Der Papst rief einige der wichtigen Schritte der Liturgiereform von 1969 in Erinnerung. Zunächst die Gründung am 8. Mai 1969 der damaligen „Congregatio pro Cultu Divino“, um der vom II. Vatikanischen Konzil gewünschten Erneuerung Gestalt zu geben. Dabei sei es darum gegangen, die liturgischen Bücher gemäß den Kriterien und Entscheidungen der Konzilsväter zu veröffentlichen, um im Volk Gottes die tätige, bewusste und fromme Teilnahme an den Geheimnissen Christi zu fördern (vgl. Sacrosanctum Concilium, 48). Die Gebetstradition der Kirche habe eines erneuerten Ausdrucks bedurft, ohne dabei etwas von ihrem jahrtausende alten Reichtum zu verlieren, „ja um sogar die Schätze ihrer Ursprünge wiederzuentdecken“.

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In den ersten Monaten jenes Jahres „blühten die ersten Früchte der Reform“. Franziskus rief die Veröffentlichung des Motu proprio „Mysterii paschalis“ über den römischen Kalender und das liturgische Jahr (14. Februar 1969) und die Apostolische Konstitution „Missale Romanum“ (3. April 1969) in Erinnerung, mit dem Papst Paul VI. das Römische Messbuch promulgiert hatte. Im selben Jahr dann „sahen der Ordo Missae und verschiedene andere Ordo das Licht, einschließlich der Taufe der Kinder, der Eheschließung und des Begräbnisses. Sie waren die ersten Schritte eines Wegs, auf dem man mit weiser Beständigkeit fortfahren sollte“.

Der Papst unterstrich, dass es nicht ausreiche, die liturgischen Bücher zu ändern, um die Qualität der Liturgie zu verbessern. Nur dies zu tun wäre eine Täuschung. Damit das Leben wirklich ein Lobpreis sei, der Gott gefalle, sei es notwendig, das Herz zu verändern. Die christliche Feier sei auf diese Umkehr ausgerichtet, eine Begegnung des Lebens mit dem Gott der Lebenden.

Der Heilige Stuhl ersetze die Bischöfe nicht, sondern arbeite mit ihnen zusammen, um im Reichtum der verschiedenen Sprachen und Kulturen der betenden Berufung der Kirche in der Welt zu dienen. In dieser Linie sei das Motu proprio „Magnum principium“ (3. September 2017) veröffentlicht worden, mit dem unter anderem die Notwendigkeit einer ständigen Zusammenarbeit voller gegenseitigem Vertrauen zwischen den Bischofskonferenzen und dem Dikasterium des Apostolischen Stuhls begünstigt werden sollte, das die Aufgabe wahrnimmt, die heilige Liturgie zu fördern. Die Hoffnung bestehe darin, den Weg der gegenseitigen Zusammenarbeit fortzusetzen und sich der Verantwortung in der kirchlichen Gemeinschaft bewusst zu sein, in der Einheit und Vielfalt vereint seien

Hier reihe sich auch die Herausforderung der Ausbildung ein. Wenn von Bildung die Rede sei, dürfe nicht vergessen werden, „dass die Liturgie Leben ist, das formt, und nicht eine zu erlernende Idee. In diesem Zusammenhang ist es nützlich, sich daran zu erinnern, dass die Wirklichkeit wichtiger ist als die Idee“. Daher sei es gut, in der Liturgie wie in anderen Bereichen des kirchlichen Lebens „nicht in sterilen ideologischen Polarisierungen zu enden“. Ausgehend von dem Wunsch, auf einige Unsicherheiten im heutigen Kontext zu reagieren, bestehe die Gefahr Risiko, „dass wir in eine nicht mehr existierende Vergangenheit zurückfallen oder in eine vermutete Zukunft flüchten“.

Dagegen müsse die Wirklichkeit der heiligen Liturgie als lebendiger Schatz erkannt werden, der nicht auf Geschmack, Rezepte und Strömungen reduziert werden dürfe, „sondern mit Fügsamkeit begrüßt und mit Liebe als unersetzliche Nahrung für das organische Wachstum des Volkes Gottes gefördert werden muss“. Die Liturgie sei nicht der Bereich des „Do-it-your-self“, sondern „die Epiphanie der kirchlichen Gemeinschaft“. Es dabei um die reale Gemeinschaft, nicht das ideale Thema. Wenn nostalgisch vergangene Tendenzen bedauert würden oder wenn man neue auferlegen wolle, bestehe die Gefahr, dass der Teil dem Ganzen, das Ich dem Volk Gottes, das Abstrakte dem Konkreten, die Ideologie der Gemeinschaft und, an der Wurzel, die Weltlichkeit dem Geistlichen vorgeordnet würden.

Es sei zu bedenken: von der liturgischen Bildung des Volkes Gottes zu sprechen, bedeute zunächst einmal, sich der unersetzlichen Rolle bewusst zu werden, die die Liturgie in der Kirche und für die Kirche spiele, um dann „konkret dem Volk Gottes zu helfen, das Gebet der Kirche besser zu verinnerlichen, es als eine Erfahrung der Begegnung mit dem Herrn und den Brüdern und Schwestern zu lieben, und in Anbetracht dessen den Inhalt neu zu entdecken und seine Riten zu beachten“.

Liturgie und liturgische Bildung könnten nicht auf ein „Wissen“ beschränkt werden. Damit die Liturgie ihre prägende und verwandelnde Funktion erfüllen könne, müssten die Hirten und die Laien eingeführt werden, um ihre Bedeutung und Symbolsprache, einschließlich Kunst, Gesang, Musik und Stille, im Dienst des gefeierten Geheimnisses zu erfassen.

Der Katechismus der katholischen Kirche selbst verwende die mystagogische Methode, um die Liturgie zu erläutern und ihre Gebete und Zeichen zu verstärken. Mystagogie: „dies ist ein geeigneter Weg, um in das Geheimnis der Liturgie, in die lebendige Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, einzutreten. Mystagogie bedeutet, in das neue Leben, das wir durch die Sakramente im Volk Gottes erhalten haben, einzutreten und die Schönheit immer wieder neu zu entdecken“.



Patrick Knittelfelder - Blühe, wo DU gepflanzt bist! from kath.net on Vimeo.


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