06 Dezember 2018, 11:20
„…es werden Tage kommen”
 
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„Wir müssen wirklich unsere Hoffnung auf den Tag des Gerichtes setzen.“ Von Nuntius Thomas E. Gullickson

Einsiedeln (kath.net) kath.net dankt S.E. Erzbischof Thomas E. Gullickson, Apostolischer Nuntius in der Schweiz, für die freundliche Erlaubnis, seine Predigt in der Vorabendmesse des ersten Adventsonntags in Sankt Peter u. Paul Zürich bei der Komturei Zürich des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in voller Länge veröffentlichen zu dürfen. Jer 33:14-16; 1 Thes 3:12-4:2; Lk 21:25-28, 34-36

Gelobt sei Jesus Christus!
„…es werden Tage kommen”. Ein Schlüsselwort für den zentralen Gedanken und die primäre Gebetsintention im Advent! „…es werden Tage kommen”.

Ich halte es für gebührend, ja sogar für mehr als gerecht und durchaus erbauend, dass die Komturei Zürich des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem die Adventszeit und zugleich das neue Kirchenjahr mit einer Feier in der Mutterkirche der Stadt Zürich am Vorabend des ersten Adventssonntags beginnt. Herzlichen Glückwunsch!

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Es ist sehr wohl bekannt, dass die Ritter vom Heiligen Grab sich nicht nur durch ihre Beihilfe für unsere Heiligen Stätten auszeichnen, also für die Gebäude im Heiligen Land, sondern sich ebenso sehr seit vielen Jahre, eigentlich schon seit Jahrhunderten, für die lebendigen Steine einsetzen, also für die Christen, die im Heiligen Land leben. Der Einsatz der Ritter des Heiligen Grabes dient nicht nur der Bewahrung und Förderung des Glaubenslebens an den Orten, wo unser Glaube angefangen hat. Er dient auch dazu, die Herzen des Volkes Gottes überall auf der Welt zu bereiten, ihren Herrn zu empfangen, wenn er am Ende der Zeiten wieder kommt, ja, um seiner Gerechtigkeit ein für alle Mal zum Durchbruch zu verhelfen. Unsere Bereitschaft wird Wachsamkeit genannt und ist Ausdruck einer großen, weiten Vision:

„Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.“

Ein Ritter muss geradezu der Inbegriff der Wachsamkeit sein. Im alten, aus dem Mittelalter stammenden Rittercodex steht die Wachsamkeit in unlösbarer Verbindung zur Treue dem Landesherrn gegenüber. In unserem Fall heute und für Euch ist das zu übersetzen in das ständige Bemühen, offen zu sein für das, was der Herr der Herren heute von uns will, für das, was der Wille Gottes heute ist.

Unsere materialistische Welt legt viel Wert auf konkrete Resultate, die sichtbar und naturwissenschaftlich messbar sind. Dahinter steht eine Sicht der Wirklichkeit, die leider nicht nur beschränkt ist, sondern geradezu ungenügend, verstümmelt und deformiert ist. Unsere Welt braucht Christus, derjenige, der kommt. Die volle Wahrheit und die Würde des Menschen brauchen schon für diese irdische Welt eine Vision, die weiter und breiter ist. Für ein glückliches und erfülltes menschliches Leben braucht es mehr als das, was ich berühren, sehen, riechen und mit dem Mund verkosten kann.

Alle Versuche, alles was existiert allein in naturwissenschaftliche Begriffe zu fassen, sind unvollständig und beschränkt. Die Faszination dieser rein materialistischen Weltanschauung entspricht nicht unserer Würde. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung und wurde durch das Blut des Sohnes Gottes am Kreuz zu Golgota erlöst. Unsere Bewunderung für die Schönheit der Schöpfung muss die Weite und Breite unserer Bestimmung widerspiegeln, d.h. dem Heilsplan Rechnung tragen, den der Schöpfer und Erlöser für und mit dieser Welt hat.

Damals als Kinder waren wir immer begeistert von den Ureinwohnern, welche von der Jagd und dem Fischfang lebten. Wir waren von diesen Völkern begeistert, denen es gelungen ist, mit ganz beschränkten Mitteln Dinge zu verwirklichen, zu denen wir heute nicht mehr in der Lage sind. Wir bewunderten diese Stämme, die zwar „von der Hand in den Mund“ lebten, aber dennoch in der Lage waren, wenn auch ohne die Fülle der dem Menschen gegebenen Möglichkeiten auszuschöpfen, das Überleben ihrer Gattung zu sichern. Umgeben von vielen Geistern und Dämonen lebten sie ohne Gott, ohne den Gott und Vater Jesu Christi. Ungeachtet unserer kindlichen Begeisterung für gewisse Talente, welche es ihnen ein Leben in Einklang mit der Natur erlaubten, waren es noch keine Hochkulturen, sondern eher unterentwickelte Kulturen.

Das, was man von den primitiven Völkern auch unter Bewunderung gewisser erreichten Leistungen sagen kann, das kann man auch über die großen atheistischen Ideologen unserer Zeit sagen. Sie schließen Gott von ihrem Leben aus und verachten die katholische Kirche und greifen sie an. Dasselbe kann man übrigens auch sagen über die praktischen Atheisten, ohne dass sie uns feindselig entgegentreten. Diese eher friedfertigen Atheisten leben oftmals gefangen in den Fängen ihrer elektronischen Geräte, hängen an ihren Smartphones oder an weiß ich was. Es bleibt ihnen die Fülle der menschlichen Erfahrungen verschlossen, die das Leben sonst noch zu bieten hat: Die Begegnung mit Gott und seinem Evangelium in der Kirche. Eine Kultur ohne die Erwartung des Herrn, der kommt um uns zu erlösen, bleibt eine erbärmlich unterentwickelte Kultur.

Ich spreche heute Abend vor allem über die ritterliche Tugend der Wachsamkeit. Auf die Wachsamkeit, welche fokussiert ist auf das Ende der Zeit, auf den Tag des Jüngsten Gerichtes. Es ist richtig, dass unsere Bestimmung der Himmel und die Ewigkeit sind. Unser Leben ist nicht beschränkt auf das Alltägliche. Meine Lebensqualität wird nicht begrenzt durch das Grab. Ich lebe nicht nur „von der Hand in den Mund“, aber meine Tage, seien es nur wenige oder viele, sind auf Gott hin ausgerichtet, auf den Bräutigam, der kommt. Ich bin geschaffen, um für immer in der Freude Gottes zu leben. Es ist wahr, dass ich in Christus von mir selbst befreit bin und auf den Weg geführt wurde, der zur Herrlichkeit führt. Ich fühle mich ganz mit den weisen Jungfrauen im Gleichnis verbunden, welche den Bräutigam mit brennenden Lampen erwarten und in der Tasche noch eine Flasche Öl auf Reserve haben.

Wenn wir vom gerechten Richter der Heiligen Schrift sprechen, ist unsere eine Sprache voller Verheißung und Hoffnung. Das Alte Testament spricht in prophetischer Sprache vom Gesandten Gottes, der kommen wird, um alles in Ordnung zu bringen.

„…es werden Tage kommen”. Wir müssen wirklich unsere Hoffnung auf den Tag des Gerichtes setzen. Ich wünsche Ihnen erfolgreiches Arbeiten im Jahr, welches heute Abend beginnt. Ich wünsche ihnen neuen Eifer für Gott und seine Kirche. Ich wünsche ihnen, treue Beständigkeit in der Förderung des wahren Glaubens an den Orten seines Ursprunges und in der Bereitung der Herzen des Volkes Gottes, damit es Seinen Herrn überall und jederzeit erwartet. Den Herrn, der wieder kommt in Herrlichkeit um die Gerechtigkeit für immer herzustellen.

„Euch aber lasse der Herr wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben, damit euer Herz gefestigt wird und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, wenn Jesus, unser Herr, mit allen seinen Heiligen kommt.“

Gelobt sei Jesus Christus!

Erzbischof Thomas Gullickson, Apostolischer Nuntius in der Schweiz: Pontifikalamt in der Wallfahrtskirche Maria Vesperbild




Archivfoto Nuntius Gullickson (c) Schweizer Bischofskonferenz

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