17 Oktober 2018, 16:00
Nicht erst, wenn es zu spät ist
 
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"Ich bereue, dass ich von der Heiligkeit von Johannes Paul II. so wenig Gebrauch gemacht habe." - Die Jugendkolumne von kath.net - Diese Woche ein Beitrag von Viktoria Samp

Linz (kath.net)
In diesen Tagen gedenken wir des Pontifikats des hl. Johannes Paul II. Er war fast 27 Jahre lang Papst, für viele war sicherlich kein anderer auf dem Stuhl Petri denkbar. Und dann, 2005, erwies sich, dass er doch sterblich ist. „Santo Subito“ hieß es sofort, wenige Jahre später wurde er kanonisiert und heute dürfen wir ihn um seine Fürsprache bitten. Ein großartiges Vorbild in vielen Dingen, ob im Kampf mit dem Bösen (man sagt ihm nach, ohne ihn wäre der Eiserne Vorhang vielleicht gar nicht oder nicht so schnell gefallen), im Humor (einmal lehnte er das Angebot, Alkohol im Flugzeug zu trinken, ab, da er seinem Chef zu nahe sei) oder in der Nähe zum Menschen (er soll keine der an ihn gerichteten Briefe unbeantwortet gelassen haben).

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Mit seinem Tod geht ein Kapitel der Geschichte zu Ende. Es ist eine beeindruckende Symbolik, als sich bei seiner Beisetzung die Heilige Schrift auf seinem Sarg schließt. Wir dürfen dieses Kapitel nicht im Regal verstauen. Dieser Mensch kann uns viel mitgeben auf unserem Weg durch das Leben, er ist einer der aktuellsten Heiligen, der unsere Zeiten besser kennt als jeder andere Heilige. Er hat dasselbe durchgemacht, wie viele von uns und er hat es dennoch geschafft, heilig zu sein. Seine Schriften und Worte sind wohl die aktuellsten Botschaften eines Heiligen, zu denen wir heute schnellen und freien Zugang haben.

Ein Zitat mag ich ganz besonders:
„Jeder von euch, junge Freunde, findet in seinem Leben eine Westerplatte – einen Aufgabenbereich, den er übernehmen und erfüllen muss. Etwas Gutes, wofür man den Kampf nicht aufgeben darf. Eine Aufgabe, eine Verpflichtung, vor der man nicht abweichen, „desertieren“ darf. Nicht zuletzt eine Ordnung der Wahrheiten und Werte, die man „erhalten“ und „verteidigen“ muss, so wie diese Westerplatte, in sich selbst und in der eigenen Umgebung.“ – Wunderbare Worte, die Mut machen, für eine Idee radikal einzustehen. Es ist eine Haltung, die wir junge Menschen brauchen und die uns die häufig gestellte Frage nach unserer Lebensaufgabe und Berufung beantworten kann.

Von Johannes Paul II. kann man wirklich vieles lernen. Ich möchte seine Worte nicht wiederholen, aber noch eine Sache dazuschreiben, die ich nicht direkt von ihm gelernt habe, sondern aus einem Interview mit einem nahen Mitarbeiter von Johannes Paul II.: Auf meine Frage, wie es sich anfühle zu wissen, dass man mit einem Heiligen zusammengearbeitet hat, antwortete er mir: Ich bereue, dass ich von seiner Heiligkeit so wenig Gebrauch gemacht habe.

Diese Worte sind mir stark in Erinnerung geblieben. Sie machen deutlich: Nutze, was Gott Dir schenkt. Auch, wenn die Menschen um Dich herum offiziell noch keinen Titel haben, können sie sich als Engel erweisen. Schau‘ nicht auf das, was andere erlebt haben, wen andere kennenlernen durften, sondern schau‘ Dich in Deinem eigenen Umfeld um! Du hast so viele Menschen um Dich, einige mehr, andere weniger bekannt. Lerne, all das wertzuschätzen, was Du hast, die Menschen näher kennenzulernen, die Gott Dir auf Deinen Lebensweg gestellt hat und stellen wird. Es steckt so viel Potential in den Menschen, das Du vielleicht gar nicht kennst und nie kennenlernen wirst, wenn Du Dich vor ihnen verschließt, wenn Du Dich nicht für sie öffnest.

Leider werden wir uns oft erst darüber bewusst, wie wichtig ein Mensch in unserem Leben war oder ist, wenn er nicht mehr bei uns ist. Oft ist es dann aber schon zu spät. Auch in Deinem Umfeld kann es Heilige geben, die vielleicht nie kanonisiert werden, aber die in Deinem Leben viel Gutes wirken können. Werde Dir dessen bewusst, zum Beispiel im täglichen Dankgebet für die Menschen, die Dich umgeben.
Und dann kommt noch ein zweiter Gedanke hinzu: Wie sieht es mit Dir selber aus? Vielleicht kannst auch Du für jemanden ein Segen sein? Vielleicht ist im Hier und Jetzt Deine Chance zur Heiligkeit?! Nicht erst, wenn Du eine Position erkämpfst, einen Titel erlangst oder von den Medien bemerkt wirst, sondern in genau diesem Moment, an diesem Ort, in Bezug zu der Person, der Du gerade begegnest. Wie die hl. Teresa von Avila sagte: „Christus hat niemanden auf Erden außer euch, keine Hände außer euren, keine Füße außer euren, Deine Augen sind es, durch die man auf Christi Erbarmen gegenüber dieser Welt blickt; Deine Füße sind es, mit denen Er herumgeht, um Gutes zu tun; Deine Hände sind es, mit denen er die Menschen jetzt segnet“.

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