27 Juni 2018, 09:30
Küng: „Ohne Wenn und Aber die Sendung der Kirche zu verwirklichen“
 
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„Aufgrund von Taufe und Firmung sind alle zur Heiligkeit berufen“, dies „entspricht dem Bedürfnis der Kirche und der Gesellschaft, insbesondere in Ländern, die eigentlich christlich sind, aber in denen der Säkularisierungsprozess rasch fortschreitet

St. Pölten (kath.net/dsp) kath.net dokumentiert die Predigt des scheidenden Bischofs von St. Pölten, Klaus Küng, in der Festmesse zu Ehren hl. Josefmaria Escrivá (Gründer des Opus Dei) im Dom zu St. Pölten, 26. Juni 2018, in voller Länge:

Liebe Brüder und Schwestern!

Beim Vorbereiten der diesjährigen Eucharistiefeier zum Gedächtnis des hl. Josefmaria Escrivá, wenige Tage vor meiner Amtsübergabe an den Nachfolger, kam mir die Frage, was wohl der hl. Josefmaria heute selbst sagen würde, wäre er an meiner Stelle, und es kam mir eigentlich sofort die Antwort. Fast sicher würde er z. B. an die Worte des hl. Paulus erinnern: „Das ist der Wille Gottes: Eure Heiligung.“ Das war die Grunderkenntnis, die ihm Gott am 2. Oktober 1928 geschenkt hat und die ihm ab dieser Zeit in vielen Weisen bestätigt worden ist. Die er unermüdlich wiederholt hat: Dass auf der Grundlage von Taufe und Firmung alle Menschen zur Heiligkeit berufen sind. Das Bewusstwerden dieser Berufung jedes Christen, eigentlich des Menschen entspricht dem Bedürfnis der Kirche und auch der Gesellschaft heute, insbesondere in Ländern, die eigentlich christlich sind, aber in denen der Säkularisierungsprozess rasch fortschreitet. Es braucht Gläubige, die fest verwurzelt in Gott, festverbunden mit Christus leben und mit ihrem Leben Zeugnis von Gott und Christus geben.

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Besonders braucht es dringend Eheleute, die so leben und ihre Kinder von klein auf zu Gott führen und darin begleiten, ihnen Vorbild sind. Notwendig sind aber auch berufstätige Männer und Frauen, ebenso Politiker, die so geprägt ihre Aufgabe wahrnehmen. Auch bei Papst Franziskus finden wir diese Einsicht. Es war ihm offenbar ein großes Bedürfnis, dies im Schreiben „Gaudete et Exsultate“ für die ganze Welt ins Wort zu bringen. Es ist das Um und Auf für die Erneuerung der Kirche, auch hierzulande und überall.

Das Besondere beim hl. Josefmaria Escrivá ist, dass er einerseits den hohen Anspruch der Aussage: „Seid also vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“ immer hervorhob und sich nicht scheute zu erklären, es handle sich um die gleiche Heiligkeit, derentwegen die Heiligen zur Ehre der Altäre erhoben werden. Beim universalen Ruf zur Heiligkeit gehe es nicht um eine Art Billigausgabe dessen, was man heilig nennt. Der hl. Josefmaría sprach durchaus in Übereinstimmung mit den Kirchenvätern von der „Vergöttlichung unseres Lebens“, die durch Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, uns vermittelt wird.

Andererseits hatte der Gründer des Opus Dei – ganz ähnlich wie Papst Franziskus – eine besondere Gabe bewusst zu machen: Auch du kannst heilig werden. Er machte bewusst, dass Gott uns so ruft wie wir sind: Mit unseren Fähigkeiten und Schwächen. Heiligkeit ist etwas, das immer die menschlichen Kräfte übersteigt. Der hl. Josefmaria betonte die Notwendigkeit gegenüber Gott, gegenüber sich selbst und den Anderen aufrichtig zu sein. Er führte auf den Weg der Demut, den Paulus lehrt, wenn er sagt: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (II Kor 12,10). Die Schwachheit drängt in die Arme des Erlösers, führt zur Vereinigung mit Christus, und gerne wiederholte er diese anderen Worte des hl. Paulus: „Wenn Gott für uns ist, wer ist dann gegen uns“ (Röm 8,31). Und er liebte den Weg der kleinen Schritte, wie ihn die hl. Therese von Lisieux gelehrt hat. Das ist das, was wir können: Im Kleinen unseren guten Willen zu zeigen, im Kleinen uns zu üben; wenigstens im Kleinen eine Verbesserung erstreben, um am Ende zu erfahren, dass alles Gnade ist. Ich bin davon überzeugt, dass wir auf diesem Weg gut vorangehen können.

Ich möchte aber noch etwas hinzufügen, was mir sehr wichtig scheint: Der hl. Josefmaria betonte immer die Bedeutung der Freiheit: Einerseits, dass die Wahrheit uns frei macht, Christus selber uns befreit, aber dass es zugleich von Bedeutung ist, die Freiheit, die uns Gott geschenkt hat und schenkt, ganz bewusst und richtig zu nützen. Er hat häufig betont, das gehöre wesentlich zum Leitbild eines Christen, einer Christin, wie es heute nötig ist: Es braucht Jugendliche und Erwachsene, Männer und Frauen, die in ihrem Milieu bewusst und mit festem Vorsatz christlich leben, mit einem weiten Herzen, das für jeden Menschen offen ist, und doch ohne falsche Anpassung an Denk- und Lebensweisen einer Gesellschaft, die den christlichen Sinn verloren hat. Es braucht Christen, die nicht einfach dem „Mainstream“ nachlaufen, sondern in ihrem Urteil eigenständig sind, und die in Ausübung ihrer Freiheit ihr Leben christlich gestalten und ihre Aufgaben mit christlicher Verantwortung wahrnehmen. Sie werden zu „Self Startern“. Eine solche Verhaltensweise ist überall möglich. Das ist das, was die Kirche braucht, auch das, was innerlich froh macht. Für den hl. Josefmaría war das immer eine wichtige Frage: Bist du froh? Man könnte es auch so sagen: „Lebst du konform mit deiner christlichen Gesinnung?“ Er selbst war auch immer optimistisch, fröhlich, unverzagt, auch wenn er im Laufe seines Lebens viele Bedrängnisse und Schwierigkeiten erlebt hat. Ich kann mich an mehrere Gelegenheiten erinnern, in denen er uns sagte, dass viele Dinge ihm gegen den Strich gehen, dass er aber trotzdem froh sei, aus dem Glauben, aus dem Vertrauen heraus, aus Liebe zu Christus.

Und schließlich komme ich noch ganz kurz auf einen anderen Punkt, den er uns in dieser Stunde ganz sicher sagen würde. Er hat es oft betont, dass niemand sich darauf beschränken dürfe, gewissermaßen die eigene Haut zu retten, dass eigentlich niemand allein in den Himmel gelangt. Alle müssen wir den Ruf hören, der vom Evangelium an seinem Gedenktag ausgeht. Jesus fordert Simon Petrus und die anderen Apostel auf: „Fahrt hinaus auf den See, werft die Netze aus“. Der hl. Josefmaria betonte immer, dass jeder Christ vor den Fragen seiner Nachbarn, seiner Kolleginnen und Kollegen, natürlich auch den eigenen Kindern Rede und Antwort stehen muss, ja dass wir jene, mit denen wir zu tun haben, mit großer Achtung vor ihrer Freiheit „ansprechen“ sollten; dass jeder Christ, jede Christin, der/die anderen begegnet, für diese eine Chance darstellt, und Gott uns zur Verantwortung ziehen wird, ob wir diese Chance genützt haben.

So wünsche ich Ihnen allen Gottes Segen und das Echo der Worte des hl. Josefmaria im Herzen, um in der heutigen Zeit, ohne Wenn und Aber, die Sendung der Kirche zu verwirklichen. Der hl. Josefmaria Escrivá ist dafür ein guter geistlicher Begleiter und die Fürsprache Mariens wird uns, wenn wir sie darum bitten, ganz gewiss sicher sein.

Der scheidende Bischof von St. Pölten, Klaus Küng, bei der Gedenkmesse zu Ehren von Josefmaria Escrivá<




Foto (c) Diözese St. Pölten

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