18 Juni 2018, 10:45
„Bistum Genf droht wegen des Papstbesuchs der Konkurs“
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Schweiz'
Zwei Millionen Franken kostet die Papstmesse in Genf. Das verschlingt die kompletten Jahreseinnahmen des Bistums Lausanne-Genf-Freiburg. Muss man sich um dieses Bistum nun Sorgen machen? Von Petra Lorleberg

Genf (kath.net/pl) Einen drastischen Titel hatte die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) gewählt: „Dem Bistum Genf droht wegen des Papstbesuchs der Konkurs“. Die Papst-Messe in Genf, so erläuterte die NZZ weiter, sei „teuer. So teuer, dass die Finanzen des Westschweizer Bistums aus dem Lot geraten könnten. Bettelbriefe sollen die Erlösung bringen.“ Die Papstmesse werde voraussichtlich mindestens 2,2 Millionen Franken kosten, bisher haben sich etwas über 40.000 Teilnehmer dafür angemeldet. Die Beschallungsanlage, die Großbildschirme und besonders die aufwändige Sicherheitstechnik schlagen am meisten zu Buche. Das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg hat Jahreseinnahmen von etwa nur zwei Millionen Franken. Bischof Charles Morerod ruft deshalb für den Papstbesuch zu Spenden auf. Das Infoportal „kath.ch“ informierte, der Papst wünsche die Messe, das Bistum sei darüber lediglich informiert worden. Entsprechend monierte der Diözesan-Ökonom Jean-Baptiste Henry de Diesbach, dass die Kosten alle „zu Lasten des Bistums“ gingen, nicht einmal eine Kollekte habe der Vatikan für die Messe erlaubt. Gemäß Angaben der NZZ steuere der Vatikan nichts zu den Ausgaben bei.

Werbung
messstipendien


„Die katholische Kirche in der Schweiz ist im Grunde nicht arm. Das Geld zirkuliere aber oft außerhalb der Bistümer“, räumte Finanzchef de Diesbach gegenüber kath.ch ein. Was er damit meint, steht allerdings nicht in den Berichten: Die katholischen Kirchengemeinden und „Landeskirchen“ in der Schweiz nehmen unabhängig von den Bischöfen jährlich rund eine Milliarde Franken ein. Diese satte Summe wird jedoch in den Kirchgemeinden und in den auf der Ebene der Kantone tätigen „Landeskirchen“ aufgezehrt. Die Schweizer Bischöfe seien hingegen „arme Schlucker“, kann man gelegentlich von katholischen Insidern hören. Denn die Bischöfe haben keinen Einfluss auf die Steuermilliarde. Sie erhalten nur freiwillige Beiträge daraus.

Das führt zur merkwürdigen Situation, dass in einem der reichsten Länder der Welt, in dem auch die Kirche an sich reich ist, nicht einmal zwei Millionen Franken aufgetrieben werden können, was nur zwei Promille der Jahreseinnahmen ausmachen würde. Der nationale Zusammenschluss der „Landeskirchen“, die „Römisch-katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ)“ hat nämlich lediglich 550.000 Franken für den Papstbesuch zur Verfügung gestellt. Der Rest muss die Diözese Lausanne-Genf und Freiburg finanzieren, die deshalb eine öffentliche Bettelaktion gestartet hat.

Muss man sich um das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg nun Sorgen machen? Das hängt nicht zuletzt davon ab, ob den Schweizer Kirchgemeinden und „Landeskirchen“ der Besuch von Papst Franziskus doch noch zwei Promille ihrer jährlichen Einnahmen wert ist. Wie auch immer die Geschichte ausgeht: Die verzweifelte Bettelaktion des Bistums Lausanne-Genf und Freiburg hat gezeigt, dass das staatskirchenrechtliche System der Schweiz nicht funktioniert. Der Schaden ist angerichtet.

Archivfoto: Papst Franziskus


Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!









kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.


Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram

meist kommentierte Artikel

Eine Erotik-Primiz eines Neupriesters aus der Diözese Rottenburg (53)

Unglaublich! Ex-bin-Laden-Leibwächter darf nach Deutschland zurück (47)

Maltesischer Bischof meint: Eucharistie ohne Flüchtlingshilfe wertlos (35)

Mit dem Rosenkranz ins WM-Finale (31)

Tedeschi: Vertreter einer ‚Neuen Weltordnung’ beeinflussen Vatikan (24)

Das Dilemma des Glaubens in der Welt von heute (24)

„Die lieben Kollegen von ARD und ZDF“ (21)

Kardinal von Sri Lanka begrüßt Todesstrafe für Drogendealer (18)

„Als Geweihte Jungfrauen sind wir kein Ein-Personen-Kloster“ (17)

Aus thailändischer Höhle geretteter Junge: Zu Gott gebetet! (17)

UK: Regierungsbericht empfiehlt Verbot von Therapien für Homosexuelle (17)

Die ‚geheime Umfrage’ von Paul VI. zu ‚Humanae vitae’ (16)

„Mord“? – „Die ZEIT weigert sich, diese Täuschung richtigzustellen“ (14)

FAZ: Im „Abendmahlsstreit ist Papst Franziskus konsequent Peronist“ (14)

Rosenkranz-'Demo' vor dem Ordinariat des Erzbistums München (14)