22 Mai 2018, 13:00
Wer der Erste sein will, soll der Diener aller sein
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die Logik Gottes ist im Vergleich mit der unsrigen immer ‚anders’. In Gott ist kein Stolz, da er die vollkommene Fülle und ganz darauf ausgerichtet ist, zu lieben und Leben zu schenken. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Dientag der siebten Woche im Jahreskreis (B): „Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; denn er belehrte seine Jünger und sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. Aber sie verstanden das Wort nicht, fürchteten sich jedoch, ihn zu fragen.

Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat“ (Mk 9, 30-37).

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Benedikt XVI., Angelus in Castel Gandolfo am 23. September 2012 zu Mk 9, 30-37:

Liebe Brüder und Schwestern!

Auf unserem Weg mit dem Evangelium des hl. Markus sind wir am vergangenen Sonntag im zweiten Teil angekommen, das heißt bei der letzten Reise nach Jerusalem und beim Höhepunkt der Sendung Jesu. Nachdem Petrus im Namen der Jünger den Glauben an ihn bekannt und bekundet hatte, daß er der Messias ist (vgl. Mk 8,29), beginnt Jesus, offen über das zu sprechen, was mit ihm am Ende geschehen wird. Der Evangelist überliefert in den Kapiteln 8, 9 und 10 drei aufeinanderfolgende Ankündigungen des Todes und der Auferstehung: in ihnen kündigt Jesus immer deutlicher das ihn erwartende Schicksal sowie dessen innere Notwendigkeit an.

Der Abschnitt des heutigen Sonntags enthält die zweite dieser Ankündigungen. Jesus sagt: »Der Menschensohn « – der Ausdruck, mit dem er sich selbst bezeichnet – »wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen« (Mk 9,31). Die Jünger »aber […] verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen« (V. 32).

Beim Lesen dieses Abschnitts im Bericht des Markus scheint es tatsächlich offensichtlich, daß es zwischen Jesus und den Jüngern eine tiefe innere Distanz gab; sie befinden sich sozusagen auf zwei unterschiedlichen Wellenlängen, so daß die Reden des Meisters nicht oder nur oberflächlich verstanden werden. Unmittelbar nachdem der Apostel Petrus seinen Glauben an Jesus bekannt hatte, wagt er es, ihm Vorwürfe zu machen, da er vorausgesagt hatte, daß er abgelehnt und getötet werden würde. Nach der zweiten Ankündigung seines Leidens beginnen die Jünger mit einer Diskussion darüber, wer von ihnen der Größte sei (vgl. Mk 9,34); und nach der dritten Ankündigung bitten Jakobus und Johannes Jesus, zu seiner Rechten und zu seiner Linken sitzen zu dürfen, wenn er in der Herrlichkeit sein wird (vgl. Mk 10,35–40).

Und es gibt einige weitere Anzeichen für diese Distanz: zum Beispiel gelingt es den Jüngern nicht, einen epileptischen Jungen gesunden zu lassen, den Jesus dann mit der Kraft des Gebets heilt (vgl. Mk 9,14–29); oder als zu Jesus Kinder gebracht werden, tadeln sie die Jünger, Jesus dagegen wird unwillig, er läßt sie bleiben und erklärt: nur wer wie sie ist, kann in das Reich Gottes hineinkommen (vgl. Mk 10,13–16). Was sagt uns all das? Es ruft uns in Erinnerung, daß die Logik Gottes im Vergleich mit der unsrigen immer »anders« ist, wie Gott selbst durch den Mund des Propheten Jesaja offenbarte: »Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege« (Jes 55,8).

Die Nachfolge des Herrn erfordert daher vom Menschen immer eine tiefe Umkehr – von uns allen –, eine Änderung der Denk- und Lebensweise, sie erfordert, das Herz für das Hören zu öffnen, um sich erleuchten und innerlich verwandeln zu lassen. Ein wichtiger Punkt, in dem sich Gott und der Mensch unterscheiden, ist der Stolz: in Gott ist kein Stolz, da er die vollkommene Fülle und ganz darauf ausgerichtet ist, zu lieben und Leben zu schenken; in uns Menschen dagegen ist der Stolz zuinnerst verwurzelt und erfordert beständige Wachsamkeit und Läuterung. Wir, die wir klein sind, streben danach, groß zu erscheinen, die ersten zu sein, während Gott, der wirklich groß ist, es nicht scheut, sich herabzubeugen und der Letzte zu werden. Und die Jungfrau Maria ist vollkommen auf Gott »abgestimmt«: wir wollen sie vertrauensvoll anrufen, damit sie uns lehre, Jesus treu auf dem Weg der Liebe und der Demut nachzufolgen.

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