17 Mai 2018, 10:30
Sorge über internationale Verlässlichkeit angesichts der Alleingänge
 
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Münchner Kardinal Marx sorgt sich auf politischer Ebene darum, dass es „keine Gesamtentwicklung geben“ sollte, „ohne dass wir auf der Weltebene wenigstens Absprachen und Gemeinsamkeiten haben“.

München (kath.net/pem) Kardinal Reinhard Marx hat seine Sorge über die Verlässlichkeit internationaler Absprachen geäußert. Eine „große Herausforderung“ sei die Frage, „wie wir auf Weltebene, auf dieser größeren Verantwortungsebene in den nächsten Jahren überhaupt noch zusammenkommen“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Mittwochabend, 16. Mai, bei einer Veranstaltung in der Abtei St. Bonifaz in München. „Heute gilt: Jeder gegen jeden. Wir machen einen Deal, das heißt: Erst mal denke ich an mich, und wenn etwas übrig bleibt, kommst du auch ins Boot“, sagte Kardinal Marx. „Aber das ist keine Grundlage für ein Vertrauensverhältnis für die nächsten Generationen! Insofern müssen wir mit großer Sorge in die Zukunft schauen.“ Hier seien die politisch Verantwortlichen gefragt: „Es kann keine Gesamtentwicklung geben, ohne dass wir auf der Weltebene wenigstens Absprachen und Gemeinsamkeiten haben.“ Als Beispiel nannte der Erzbischof das Klimaabkommen von Paris, das „ein Durchbruch“ gewesen sei: „Das liegt in Scherben.“ Auch die von der Kirche geforderte Welthandelsordnung sei gescheitert: „Wir wollen ein multilaterales Abkommen, wir wollen die armen Länder in den Handelsabsprachen mit drin haben, wir wollen keine Absprachen zwischen den Reichen und die Armen außen vor lassen.“

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Die Abendveranstaltung des kirchlichen Hilfswerks missio und des Bundes katholischer Unternehmer befasste sich unter dem Titel „Entwicklung unternehmerisch denken“ mit dem Engagement von Firmen in wirtschaftlich schwachen Ländern, das von missio durch das Projekt „Club der guten Hoffnung“ gefördert wird. Unternehmen nutzen dabei ihr Fachwissen, um beispielsweise in Afrika Ausbildungsstätten aufzubauen. Dieses Engagement sei für Unternehmen trotz der unsicheren internationalen Lage sinnvoll und lohnend, betonte Kardinal Marx: „Das ist sehr wichtig: Dass wir Zeichen setzen, man kann etwas verändern, dass wir das tun, was möglich ist.“ Ein Unternehmer, der seine Verantwortung wahrnehme, dürfe sich „nicht nur am Gewinn“ ausrichten, sondern „auch an den Mitarbeitern, an den Menschen“, sagte der Erzbischof: „Das ist echte katholische Orientierung für einen Unternehmer.“

Für die ganze Gesellschaft sei es wichtig, über die wirtschaftlichen Daten hinaus zu denken: „Die ökologischen Daten sind wichtig, die Lebensumstände der Menschen, die Bildung, die Chancen für alle und vieles andere mehr.“ Es gehe um „einen nachhaltigen Fortschrittsbegriff“, wie ihn auch Papst Franziskus einfordere, so Kardinal Marx: „Können alle mitgehen, möglichst viele? Eine Gesellschaft muss das Versprechen geben können: Bei uns wird niemand über Bord geworfen, auch der Kranke, der noch nicht Ausgebildete, um den werden wir uns kümmern und ihm eine Chance geben.“ Das gelte auch international: „Wir müssen das Bewusstsein haben, dass es auch für uns letztlich gut ist, wenn wir eine Wirtschaft haben, in der es möglichst viele Chancen für möglichst viele Länder gibt.“

Archivfoto Kardinal Marx




Foto Kardinal Marx (c) Erzbistum München und Freising

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