10 Mai 2018, 13:00
Himmelfahrt – die neue Dimension der weltumspannenden göttlichen Liebe
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: ‚Himmelfahrt’ ist nicht Weggehen in eine entfernte Zone des Kosmos, sondern die bleibende Nähe, die die Jünger so stark erfahren, dass daraus beständige Freude wird. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Jesus von Nazareth“ – die großen Jesus-Bücher Benedikts XVI., das ein Theologenleben abschließende Werk, mit dem der Papst den Christen durch die konkrete und geschichtliche Wirklichkeit des Gottessohnes führt und zum Fundament des Glaubens vordringen lässt. Und das Werk musste mit der Himmelfahrt des Herrn als dem „Ausblick“ schlechthin enden: „aufgefahren in den Himmel – er sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters, und wird wiederkommen in Herrlichkeit“.

Die Himmelfahrt ist kein mythisches Ereignis, sondern Grund und Ausdruck aller Hoffnung, der Abschied, der mit Freude erfüllt im Ausblick auf die endgültige Wiederkunft, ein Abschied, der im Gauben leben lässt. Denn: „der Herr ist auf dem Berg de Vaters. Deshalb sieht er uns“:

„Darum kann er jederzeit in das Boot unseres Lebens einsteigen. Deswegen können wir ihn immer rufen und immer gewiss sein, dass er uns sieht und hört. Das Boot der Kirche fährt auch heute im Gegenwind der Geschichte durch den aufgewühlten Ozean der Zeit. Oft sieht es aus, als ob es untergehen müsse. Aber der Herr ist da und kommt zur rechten Zeit. ‚Ich gehe und ich komme zu euch’ – das ist das Vertrauen der Christenheit, der Grund unserer Freude“.

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„Der scheidende Jesus geht nicht irgendwo hin auf ein fernes Gestirn. Er geht in die Macht- und Lebensgemeinschaft mit dem lebendigen Gott ein, in Gottes Raumüberlegenheit. Darum ist er nicht „weggegangen“, sondern nun immer von Gottes eigener Macht her bei uns und für uns da. In den Abschiedsreden des Johannes- Evangeliums sagt Jesus gerade dies zu seinen Jüngern: „Ich gehe und ich komme zu euch“ (14,28).

„Hier ist das Besondere des „Weggehens“ Jesu, das zugleich sein „Kommen“ ist, wunderbar zusammengefasst, und damit ist zugleich das Geheimnis von Kreuz, Auferstehung und Himmelfahrt ausgelegt. Sein Weggehen ist gerade so ein Kommen, eine neue Weise der Nähe, bleibender Gegenwart, mit der auch Johannes die „Freude“ verbindet, von der wir eben im Lukas-Evangelium gehört haben.“

„Der Christus beim Vater ist nicht fern von uns, höchstens sind wir fern von ihm; aber der Weg zueinander steht offen. Worum es hier geht, ist nicht der Weg einer Raumfahrt kosmisch-geographischer Art, sondern die „Raumfahrt“ des Herzens, von der Dimension der Selbstverschließung zu der neuen Dimension der weltumspannenden göttlichen Liebe.“


Aus dem Buch: Joseph Ratzinger - Benedikt XVI: Jesus von Nazareth. Zweiter Teil. Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung, Freiburg im Breisgau, 2011:

Die letzten Sätze des Evangeliums lauten: „Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Bethanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott“ (24,50–53).

Dieser Abschluss verwundert uns. Lukas sagt, dass die Jünger voll Freude waren, als der Herr endgültig von ihnen gegangen war. Wir würden das Gegenteil erwarten. Wir würden erwarten, dass sie ratlos und traurig zurückblieben. Die Welt hatte sich nicht geändert, Jesus war endgültig von ihnen gegangen. Sie hatten einen Auftrag erhalten, der unausführbar schien und ihre Kräfte überstieg. Wie sollten sie vor die Menschen in Jerusalem, in Israel, in der ganzen Welt hintreten und sagen: „Dieser Jesus, der gescheitert schien, ist doch der Retter von uns allen“? Jeder Abschied hinterlässt Trauer. Auch wenn Jesus als Lebender von ihnen gegangen war: Wie sollte sein endgültiges Scheiden von ihnen sie nicht traurig machen? Und doch – da steht, sie kehrten in großer Freude nach Jerusalem zurück und priesen Gott. Wie können wir das verstehen?

Die Freude der Jünger nach der „Himmelfahrt“ korrigiert unser Bild von diesem Ereignis. „Himmelfahrt“ ist nicht Weggehen in eine entfernte Zone des Kosmos, sondern die bleibende Nähe, die die Jünger so stark erfahren, dass daraus beständige Freude wird.

Der scheidende Jesus geht nicht irgendwo hin auf ein fernes Gestirn. Er geht in die Macht- und Lebensgemeinschaft mit dem lebendigen Gott ein, in Gottes Raumüberlegenheit. Darum ist er nicht „weggegangen“, sondern nun immer von Gottes eigener Macht her bei uns und für uns da. In den Abschiedsreden des Johannes- Evangeliums sagt Jesus gerade dies zu seinen Jüngern: „Ich gehe und ich komme zu euch“ (14,28).

Hier ist das Besondere des „Weggehens“ Jesu, das zugleich sein „Kommen“ ist, wunderbar zusammengefasst, und damit ist zugleich das Geheimnis von Kreuz, Auferstehung und Himmelfahrt ausgelegt. Sein Weggehen ist gerade so ein Kommen, eine neue Weise der Nähe, bleibender Gegenwart, mit der auch Johannes die „Freude“ verbindet, von der wir eben im Lukas-Evangelium gehört haben.

Weil Jesus beim Vater ist, ist er nicht fort, sondern in unserer Nähe. Nun ist er nicht mehr an einer einzelnen Stelle der Welt wie vor der „Himmelfahrt“, nun ist er für alle – die ganze Geschichte hindurch – und allerorten mit seiner raumüberschreitenden Macht gegenwärtig und rufbar.

Es geht hier um das Gleiche, was Paulus in 2 Kor 5,16f zum Ausdruck bringt: „Auch wenn wir früher Christus nach menschlichen Maßstäben gekannt haben, jetzt kennen wir ihn nicht mehr so. Wenn einer in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung.“ Die alte Weise menschlichen Miteinanderseins und Begegnens ist vorbei. Nun kann man Jesus nur noch berühren „beim Vater“. Man kann ihn nur berühren, indem man aufsteigt. Vom Vater her, in der Gemeinschaft mit dem Vater, ist er uns auf neue Weise zugänglich und nahe.

Diese neue Zugänglichkeit setzt auch eine Neuheit unsererseits voraus: Durch die Taufe ist unser Leben schon mit Christus in Gott verborgen; wir sind in unserer eigentlichen Existenz schon „oben“, bei ihm, zur Rechten des Vaters (vgl. Kol 3,1ff). Wenn wir in die Eigentlichkeit unserer christlichen Existenz vordringen, dann rühren wir an den Auferstandenen: Dort sind wir ganz wir selbst. Berühren Christi und Aufsteigen gehören zusammen. Und denken wir daran, dass nach Johannes der Ort der „Erhöhung“ Christi sein Kreuz ist und dass unsere immer wieder nötige „Himmelfahrt“, unser Aufsteigen, um ihn zu berühren, Mitgehen mit dem Gekreuzigten sein muss.

Der Christus beim Vater ist nicht fern von uns, höchstens sind wir fern von ihm; aber der Weg zueinander steht offen. Worum es hier geht, ist nicht der Weg einer Raumfahrt kosmisch-geographischer Art, sondern die „Raumfahrt“ des Herzens, von der Dimension der Selbstverschließung zu der neuen Dimension der weltumspannenden göttlichen Liebe.

Kehren wir noch einmal zum Schluss des Lukas-Evangeliums zurück. Jesus führte die Seinen in die Nähe von Bethanien, so wird uns gesagt. „Dort erhob er seine Hän- de und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben“ (24,50f). Jesus scheidet segnend. Segnend geht er, und im Segnen bleibt er. Seine Hände bleiben ausgebreitet über diese Welt. Die segnenden Hände Christi sind wie ein Dach, das uns schützt. Aber sie sind zugleich eine Gebärde der Öffnung, die die Welt aufreißt, damit der Himmel in sie hereindringe, in ihr Gegenwart werden kann.

In der Gebärde der segnenden Hände ist das bleibende Verhältnis Jesu zu seinen Jüngern, zur Welt ausgedrückt. Im Weggehen kommt er, um uns über uns selbst hinaufzuheben und die Welt für Gott zu öffnen. Deswegen konnten sich die Jünger freuen, als sie von Bethanien nach Hause gingen.


Im Glauben wissen wir, dass Jesus seine Hände segnend über uns ausgebreitet hält. Dies ist der bleibende Grund christlicher Freude.

Joseph Ratzinger – Benedikt XVI: Jesus von Nazareth. Zweiter Teil. Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung, Freiburg im Breisgau 2011, S. 306-307; 309; 311-312; 317-318

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