07 Mai 2018, 11:45
Gemeinsame Kommunion: Ein falsches Zeichen
 
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Bloße ,Zulassung’ evangelischer Christen zur Eucharistie verändert nichts am realen Skandal der Spaltung. Gastkommentar von Bernhard Meuser/idea

Wetzlar (kath.net/Evangelische Nachrichtenagentur idea) Es ist aller Ehren wert, dass Kardinal Marx und die katholischen Bischöfe in Deutschland sich der geistlichen Situation gemischtkonfessioneller Ehen angenommen haben und mit einem kühnen Vorstoß "Im Einzelfall" einen Kommunionzugang für den evangelischen Ehepartner schaffen wollten. Die Mehrheit der deutschen Bischöfe hatte sich versprochen, Papst Franziskus werde einen couragierten Haken an die Sache machen; man werde gestärkt nachhause kommen und ein neues Kapitel in der Ökumene aufschlagen. Doch die Delegation kehrte unverrichteter Dinge zurück. Papst Franziskus war nicht zu sprechen, und von den römischen Gesprächspartnern gab es kein "Go!" für die deutsche Lösung. Allein aus dem Setting des Treffens in Rom hätte man erahnen können, dass es Vorbehalte aus drei Ecken geben würde: Ökumene (Friktionen mit den Ostkirchen bei einer Aufweichung des Zugangs zur Eucharistie), Lehre (Befürchtung, hier werde Interkommunion durch die Hintertür realisiert) und Kirchenrecht (Verstoß gegen can. 844 des Kirchenrechts). Mit anderen Worten: Man reiste mit einem nicht zu Ende gedachten Halbfertigprodukt an - und es steht zu vermuten, dass daraus nie ein Fertigprodukt wird.

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Ist das aber in Summe nicht eine kalte Missachtung des realen Leidens gemischtkonfessioneller Ehen? Gibt es bei so vielen gläubigen Paaren nicht einen wirklichen Hunger danach, gemeinsam vor den einen Herrn zu treten und mit verbunden zu werden? Ohne Zweifel haben die Bischöfe eine starke Erwartung geweckt, und sie stehen nun in der Pflicht, ein Zeichen zu finden, das wirklich nach vorne führt und das die prekäre Situation gemischtkonfessioneller Ehen in eine prophetische Situation verwandelt. Gesucht wird ein Zeichen, das aus bloß geduldeten Mischehen geachtete Pioniere der Ökumene machen könnte. Denn eines dürfen wir nicht vergessen: der konfessionalistische Zustand, den wir heute haben, ist vor Jesus nicht zu rechtfertigen - sonst kann man Joh 17,21 gleich aus dem Evangelium streichen. Damit wird schon deutlich: Eine bloße "Zulassung" evangelischer Christen zur Eucharistie verändert am realen Skandal der Spaltung nicht das Geringste. Ein solches Zeichen beschädigt gleichermaßen die Ökumene (die gerade nicht vorangetrieben wird, weil der produktive Schmerz fehlt, die wahren Differenzen der Trennung zu beseitigen) wie das Mysterium der Eucharistie (das theologisch entkernt und auf einen isolierten Akt des Brotteilens reduziert wird). Und schließlich beschädigt dieses Zeichen auch die Integrität evangelischer Christen. Von ihnen wird nämlich verlangt, dass sie den vollen eucharistischen Glauben der Katholischen Kirche teilen. Mit anderen Worten: Der evangelische Christ, der in einer Heiligen Messe zur Kommunion gehen möchte, muss anerkennen, dass ein geweihter Priester nach Jesu Willen die heilige Handlung vollbringt; und er muss vollen Herzens das Hochgebet mitsprechen (können). Da findet der evangelische Christ Dinge, die er aus der Abendmahlsliturgie kennt. Aber in jedem Hochgebet wird auch die Gemeinschaft mit dem Papst und dem jeweiligen Ortsbischof beschworen. Und im Römischen Hochgebet heißt es: "Wir ehren vor allem Maria die glorreiche, allzeit jungfräuliche Mutter unseres Herrn und Gottes Jesus Christus. Wir ehren ihren Bräutigam, den heiligen Josef; deine heiligen Apostel und Märtyrer". In der Folge werden nicht weniger als 24 Heilige der frühen Christenheit angerufen. Wenn ein evangelischer Christ dies mitspricht und mitglaubt, kann er auch kommunizieren. Aber dann ist er katholisch - und muss dazu nicht einmal auf das Amtsgericht gehen. Oder er hört weg und setzt ein falsches Zeichen, ein Zeichen nämlich, das ein Protestant schlecht setzen kann, ohne sich von seinem Bekenntnis zu verabschieden und Kryptokatholik zu werden.

Dabei gibt es ein prophetisches Zeichen der Jesusfrömmigkeit, das schon seit vorreformatorischen Zeiten (man nimmt an: seit dem 13. Jh.) existiert, das theologisch durchdacht ist und das der realen Sehnsucht gemischtkonfessioneller Paare nach Vereinigung mit dem Herrn entspricht. Es müsste von Seiten der katholischen und evangelischen Bischöfe nur ökumenisch ausgeweitet, öffentlich verstärkt, zeichenhaft vereinbart und spirituell begleitet werden. Man nennt es "geistige (geistliche) Kommunion". Die "geistige Kommunion" wurde vielfach dort angewandt, wo katholische Christen aus bestimmten Gründen (eine noch nicht gebeichtete schwere Sünde, keine Eucharistiefeier erreichbar ...) den Leib des Herrn nicht körperlich empfangen konnten. So empfahl der hl. Johannes Don Bosco: "Wenn ihr nicht sakramental kommunizieren könnt, übt wenigstens die geistliche Kommunion, die in einem brennenden Verlangen besteht, Jesus in eurem Herzen zu empfangen."

Auf der MEHR-Konferenz in Augsburg konnte man sehen, wie das zeichenhaft funktioniert: Die zu Tausenden anwesenden evangelischen Christen wurden eingeladen genauso nach vorne zu kommen wie die katholischen Christen, vor dem Altar aber die Hände über der Brust zu kreuzen, um vom Kommunionspender ein Kreuz auf die Stirne gezeichnet zu bekommen. Ich bin sicher, dass auch viele katholische Christen die Hände über der Brust kreuzten - weil sie sich gerade als nicht würdig empfanden, den Leib des Herrn zu empfangen. Wer gesehen hat, mit welcher Würde und Freude evangelische Christen sich auf integre Weise geistlich mit dem Herrn vereinigten, wird dieses Zeichen schätzen. Und ich würde mich freuen, es auch anwenden zu dürfen, wenn ich ein evangelisches Abendmahl besuche.

Man stelle sich einmal vor, katholische und evangelische Bischöfe würden in einem gemeinsamen Akt ihre gemischtkonfessionellen Glaubensgeschwister einladen: "Geht in den Gottesdienst - und geht auch in den Gottesdienst der jeweils anderen Konfession. Lasst euch vom Schmerz der Spaltung betreffen und geht nicht leichtfertig darüber hinweg, dass wir die Einheit noch nicht gefunden haben. Und so bitten wir euch heute um ein besonderes Zeichen ..." Ich bin sicher, es würde eine ökumenische Dynamik bei den Paaren freisetzen. Die Bischöfe wären am Ziel. Und auch Papst Franziskus würde lächeln.

kath.net dankt der Evangelischen Nachrichtenagentur idea für die freundliche Erlaubnis, diesen Beitrag in voller Länge übernehmen zu dürfen.

Bernhard Meuser ist der Initiator des YOUCAT.


Bernhard Meuser #MEHR2018: ´Hier ist eine Generation, die ist 30 Jahre jünger als Kirchen- und Katholikentage ist´




Foto oben: Bernhard Meuser bei der Pressekonferenz zu MISSION MANIFEST © kath.net/Roland Noé

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