29 April 2018, 08:10
Malawi: ‘Einfluss des Islam aus dem Ausland nimmt zu’
 
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Interview über die Lage der Christen und Arbeit der Kirche in dem afrikanischen Land.

München (kath.net/ KiN)
Malawi ist ein kleiner Staat im südlichen Afrika. Hierzulande ist das Land eher unbekannt. In den Medien wird so gut wie gar nicht über Malawi berichtet. Doch dabei lohnt sich durchaus ein Blick auf dieses Land. Die Kirche hier ist sehr lebendig; die Gottesdienste am Wochenende sind sehr gut besucht. Die Gläubigen sind oft stundenlang zu Fuß unterwegs, um eine Sonntagsmesse zu besuchen.

Stefan Stein von KIRCHE IN NOT Deutschland hat kürzlich Malawi und Sambia besucht. Im Interview berichtet er über seine Eindrücke, die wichtige gesellschaftliche Rolle der Kirche und den wachsenden Einfluss des Islam im überwiegend christlichen Land.

KIRCHE IN NOT: Wie haben Sie Malawi erlebt? Welche Eindrücke haben Sie mitgebracht?

Stefan Stein: Ich habe das Land zusammen mit dem Afrika-Referenten der internationalen Zentrale von „Kirche in Not“, Tony Zender, besucht. Die Menschen in Malawi sind unheimlich herzlich, freundlich und offen. Sie kommen gerne auf Fremde zu.

Die malawische Landschaft ist abwechslungsreich. Es gibt weite Ebenen, die von Bergen und Hügeln eingerahmt sind. Auf diesen befinden sich häufig auch wieder Hochebenen. Das Land ist relativ klein: Mit 118 000 Quadratkilometern hat es gerade einmal ein Drittel der Fläche der Bundesrepublik. Und davon ist auch noch ein großer Teil Wasser, denn der Malawi-See im Osten des Landes ist der drittgrößte See Afrikas.

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Malawi ist im Allgemeinen sehr grün, vor allem im Norden gibt es Wälder. Wir haben das Land zum Ende der Regenzeit besucht. Das heißt: Es gab immer wieder kräftige Regenschauer, besonders in der Nordhälfte. Allerdings sagte man uns, dass die Regenmengen in diesem Jahr nicht so ergiebig ausgefallen seien wie in den vergangenen Jahren. Ausgetrocknete Maisfelder sind stumme Zeugen des Klimawandels.

Wie ist das kirchliche Leben in Malawi?

Sehr lebendig und fröhlich ̶ trotz der alltäglichen Herausforderungen der Gläubigen. Malawi ist eines der ärmsten Länder der Welt. In diesem Umfeld hat der Glaube einen besonderen Stellenwert. Ein Beispiel aus der Stadt Mzuzu im Norden des Landes möchte ich anführen: Dort haben wir an einem Gottesdienst teilgenommen, um 6 Uhr morgens. Da waren über 100 Gläubige zu dieser frühen Uhrzeit in der Kirche versammelt, junge und alte Menschen. Das wird man in Deutschland kaum finden.

Wie unterscheidet sich das Leben in der Stadt und auf dem Land?

Es hat mich beeindruckt, welche Wege und Strapazen die Menschen auf sich nehmen, um einen Gottesdienst am Sonntag zu besuchen. Häufig sind sie stundenlang zu Fuß unterwegs. Besonders auf dem Land ist das Engagement der Gläubigen für die Pfarrei und die Priester groß. Auch wenn die Pfarreiangehörigen selbst nur wenig haben, so geben sie gerne und großzügig auch etwas von ihrem Essen oder ihrer Ernte an die Priester weiter, manchmal auch Hühner. Es ist ein Zeichen der Freude und Dankbarkeit. Sie wissen, dass sie dort Hilfe bekommen, wenn sie Hilfe brauchen.

Wie zeigt sich das?

Wir haben eine Pfarrei besucht, die etwa 70 Kilometer von Mzuzu entfernt liegt. Die letzten 25 Kilometer führen über eine sandige Buckelpiste, für die man auch mit einem Geländewagen über eine Stunde braucht. Hier leben zwei Priester in einem kleinen Pfarrhaus. Die vorhandene Solarzelle reicht zwar für den Ventilator oder den Fernseher, aber nicht für einen Kühlschrank. Der steht in der benachbarten Kirche. Der Pfarrer berichtete, dass die Menschen unter anderem zu ihnen kommen, wenn sie den weiten Weg nach Hause nicht mehr gehen können und möchten. Schließlich gibt es vor allem auf dem Land viele freilebende und gefährliche Tiere, die man hierzulande nur aus Zoos kennt. Dann bieten die Priester schon einmal einen Transport auf dem Motorrad an.

Was sind die größten Herausforderungen für die Seelsorge?

Das sind zum einen die großen Entfernungen innerhalb der Pfarreien. Die Priester sind oft stundenlang unterwegs, um zu den Außenstellen der Pfarrei zu gelangen. In der Regenzeit sind manche Orte komplett abgeschnitten und über Monate nicht erreichbar. Aber auch die Katechese für die Gläubigen und die Weiterbildung für die Priester sind wichtig. Wo kein Priester vor Ort sein kann, kommt den Katecheten eine besondere Bedeutung zu, denn sie leben mit den Menschen auf den Dörfern, teilen mit ihnen ihre Freuden und Sorgen und sind wichtige Ansprechpartner. Daher ist ihre Ausbildung, aber auch die der Priester, sehr wichtig. Im Hauptstudium des Priesterseminars in Malawi befinden sich zurzeit übrigens 140 Studenten. Auch eine Zahl, wovon deutsche Seminare nur träumen können.

Wie ist die politische Situation in Malawi?

Momentan ist die Lage im Land ruhig, auch wenn der Wahlkampf für die Präsidentschafts- und Parlamentswahl im kommenden Jahr bereits langsam in die Gänge kommt. Der Präsident möchte gerne wiedergewählt werden. Auch die Amtsinhaber in den verschiedenen Regionen des Landes haben schon ihre Ambitionen für eine Wiederwahl im staatlichen Rundfunk weitergegeben und ihre Einigkeit mit dem Präsidenten öffentlich bekundet. Die führende Partei hat einen großen Einfluss auf die Medien. In der Bevölkerung ist vor allem der Vizepräsident angesehen. Bisher hat er jedoch noch keine offizielle Kandidatur angekündigt.

Für Sie war es die zweite Projektreise auf den afrikanischen Kontinent. Vor zwei Jahren sind Sie bereits nach Simbabwe gereist. Wie unterscheidet sich Malawi von Simbabwe beziehungsweise anderen südafrikanischen Ländern?

Das ist vor allem der hohe Anteil an Muslimen in manchen Regionen. Der überwiegende Teil der Malawier ist christlich, über 80 Prozent. Etwa 15 Prozent der 16 Millionen Einwohner sind Muslime. Im Osten des Landes sind die Zahlen genau umgekehrt: Dort sind etwa drei Viertel der Einwohner Muslime und die Christen in der Minderheit. Das Zusammenleben der beiden Religionen funktioniert im Allgemeinen, weil sowohl Christen als auch Muslime mit den alltäglichen Herausforderungen um Essen und Arbeit kämpfen müssen.

Allerdings wächst auch in Malawi der Einfluss des Islam aus dem Ausland. Es werden Moscheen gebaut, vor allem an markanten Plätzen, wie zum Beispiel auf einem Hügel in der Hauptstadt oder direkt an den Highways; selbst in ganz kleinen Dörfern. Das Wissen der Christen über den Glauben der Muslime ist jedoch relativ gering. Hier möchten die malawischen Bischöfe in Zukunft mehr investieren, damit Christen nicht nur über den Islam und seine Traditionen, Facetten und Einflüsse Bescheid wissen, sondern auch ihren eigenen Glauben reflektieren, leben und verteidigen können.

Wie hilft „Kirche in Not“ in Malawi?

Das Hilfswerk unterstützt nicht nur Malawi, sondern auch in Sambia, dem Nachbarland, das wir zumindest kurz im Rahmen derselben Projektreise besucht haben. Alle Bischöfe, Priester, Schwestern und Gläubige sind unheimlich dankbar für die Hilfe, die „Kirche in Not“ ermöglicht. Das Hilfswerk ist dort sehr bekannt, denn es ist in vielen Bistümern präsent. Zum Beispiel hat „Kirche in Not“ in der Vergangenheit die Priester bei der Anschaffung von Motorrädern oder Geländewagen unterstützt ̶ angesichts der Entfernungen und schlechten Straßenverhältnisse eine absolut notwendige Investition.

Die Priester erhalten auch Mess-Stipendien, die „Kirche in Not“ an sie weitergibt. Wenn also ein Wohltäter aus Deutschland beispielsweise eine Gregorianische Messreihe feiern lassen möchte und diese bei „Kirche in Not“ in Auftrag gibt, können damit die Priester in Malawi und Sambia unterstützt werden. Die Hilfe kommt an und fördert die Freude am katholischen Glauben und dessen Fortbestand in Malawi und Sambia.

Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ steht der Christen in Malawi und Sambia zur Seite. Zu den Projekten in den beiden Ländern zählen unter anderem die Ausbildung von Priestern, der Lebensunterhalt für Seelsorger durch Mess-Stipendien, die Schulung von Katecheten, der Bau von Kirchen und die Bereitstellung von Fahrzeugen für die Seelsorge in entlegenen Gebieten.

Um weiter helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Malawi


Foto: Einige Gemeindemitglieder vor einer neu errichteten Kirche, deren Bau von „Kirche in Not“ gefördert wurde. Die Strohhütte rechts ist die alte Kirche. © Kirche in Not

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