24 April 2018, 09:30
Eklat bei Rückkehr von Prager Kardinal Beran in seine Heimat
 
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Tschechischer Präsident Zeman gab Kommunisten-Parteitag Vorzug vor Messe im Veitsdom zur Rückkehr der sterblichen Hülle des im KP-Regime inhaftierten und 1965 ausgebürgerten Kardinals - VIDEOS

Prag (kath.net/KAP) Rund um die Rückkehr der sterblichen Hülle des Prager Bekennerkardinals Josef Beran in seine tschechische Heimat ist es am Wochenende zu einem politischen Eklat gekommen: Der tschechische Präsident Milos Zeman ist dem Gottesdienst im Prager Veitsdom fern geblieben und hat stattdessen der Teilnahme bei einem Parteitag der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens (KSCM) den Vorzug gegeben, wo er einen Vortrag hielt. Das Pikante: Die KSCM ist die Nachfolgepartei der einstigen Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, die u.a. auch für die Verfolgung Berans zur Zeit des Kommunismus verantwortlich war. Am Montagabend wird Beran nun in der neuen erzbischöflichen Gruft im Veitsdom beigesetzt.

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Während also Berans Nachfolger als Prager Erzbischof, Kardinal Dominik Duka, in der Messe an das Leid erinnerte, das diesem von den Kommunisten zugefügt wurde, erwies Zeman zeitgleich mit einem Vortrag vor den KSCM-Mitgliedern ausgerechnet eben diesen Kommunisten seine Ehrerbietung: Ein solcher Schritt wäre dem 1989 gewählten Ex-Präsidenten Vaclav Havel im Traum nicht eingefallen. Auch dessen Nachfolger Vaclav Klaus vermied jede zu große Nähe zur KSCM.

Zemans Abwesenheit und die Teilnahme am KSCM-Parteitag riefen bei Besuchern der Messe im Veitsdom deutliche Reaktionen hervor. "Man muss sich langsam ernsthaft fragen, wohin unser Land geht", sagten Ordensfrauen aus Mähren der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA im Anschluss. Ein betagter Prager Katholik, der Beran noch vor 1949 erlebt hat, sagte: "Die Rückkehr in die Heimat war sein letzter Wille (...) Ich bezweifle aber, dass er sich die Rückkehr in ein solches Land mit solch einem Präsidenten gewünscht hätte. In jedem Fall hätte er - würde er noch leben - eine Menge äußerst kritisch zu kommentieren."

Kardinal Duka erwähnte das Fernbleiben Zemans in seiner Predigt kurz: Ein Zusammenspiel verschiedener Umstände habe bewirkt, dass zeitgleich mit dem Pontifikalamt im Veitsdom "der Präsident der Republik Gast am Parteitag der Kommunistischen Partei ist, die trotz ihrer Wahlniederlage einen immer größer werdenden Machtanteil fordert". Bislang war das Verhältnis zwischen Duka und Präsident Zeman sehr freundschaftlich. Für manchen Katholiken zu freundschaftlich. Etwa 100 katholische Laien beklagten jüngst in einem Brief an Papst Franziskus eine zu große Nähe von Kirche und Staat sowie eine "unkritische Unterstützung" Zemans durch Duka. Fraglich ist, ob beider Verhältnis auch künftig so gut sein wird.

Kardinal Duka, der den Dom als Zeichen der Demut barfüßig betreten hatte, betonte beim Gottesdienst die Bedeutung der Evangelisierung, die ein wichtiger Aspekt des Wirkens von Kardinal Beran gewesen sei. "Die Verteidigung der menschlichen Freiheit, der Kampf mit der Versklavung zugleich mit dem unablässigen Streben nach einem liebevollen familiären Zusammenleben" sei das "Missionsprogramm" Berans gewesen. Heute wie damals könne ein "Angriff auf die Familie" konstatiert werden, etwa wenn die Politik Gesetze mache, "die den Menschen zu einem geschlechtslosen Etwas degradieren", sagte Kardinal Duka. Kritik übte er auch am anhaltenden Bestreben, "die Kirchen zu marginalisieren und unter Kontrolle zu halten". Warnend sprach Duka zudem "die Zerrüttung der Demokratie in Europa sowie die Polarisierung und Radikalisierung der Gesellschaft" an.

Beisetzung am Montagabend

Die sterbliche Überreste des Kardinal Berans waren am Wochenende aus dem Vatikan in seine Heimat zurückgekehrt. Am Montagabend wird er in der neuen Erzbischöflichen Gruft des Prager Veitsdoms seine letzte Ruhestätte finden. Damit wird nicht nur dem im Testament geäußerten Wunsch Kardinal Berans entsprochen, sondern auch die Auflage des kommunistischen Regimes revidiert, Beran dürfe zum Zweiten Vatikanischen Konzil nur ausreisen, wenn er niemals zurückkehrt - weder lebendig noch tot. An die Wiedergutmachung soll auch die neue restaurierte Adalbertstatue erinnern, deren Modell Beran im Veitsdom 1947 hatte aufstellen lassen, die aber kurz danach von den Kommunisten entfernt wurde.

Berans Gebeine hatten bislang im Petersdom in Rom geruht. Die Grabstelle in der dortigen Krypta wird geschlossen. Die Grabtafel Berans kommt in seine Geburtsstadt Pilsen.

Kardinal Beran war während der Nazi-Herrschaft in NS-Konzentrationslager verschleppt und unter der kommunistischen Diktatur in verschiedenen Internierungslagern eingesperrt worden. Zwischen 1949 und 1964 wurde er an wechselnden Orten interniert und von der Staatssicherheit der Tschechoslowakei überwacht. Der Grund: Beran hatte sich dagegen verwahrt, dass sich die Kirche dem Regime unterzuordnen habe.

1965 stimmten die Kommunisten zwar seiner Ausreise nach Rom zu, wo er zum Kardinal ernannt wurde. Doch er durfte nie in seine Heimat zurückkehren, auch nicht nach seinem Tod 1969. Erst jetzt wurde die Heimkehr möglich.

Kardinal Berans sterbliche Überreste werden in Prag feierlich empfangen




Rome Reports - Kardinal Berans sterbliche Überreste werden in Rom verabschiedet (engl.)





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