25 April 2018, 16:00
Tobit 8,4-8 und eine glückliche Ehe
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Jugendkolumne'
Was macht eine glückliche Ehe, aber vor allem auch eine Ehe, die ihren Fokus auf Gott ausrichtet, aus? -Die Jugendkolumne von kath.net - Diese Woche ein Beitrag von Magdalena Preineder

Linz (kath.net)
Zur Vorbereitung auf eine Prüfung las ich vor kurzem das Buch Tobit. Obwohl ich es nicht das erste Mal gelesen habe, war es das erste Mal, das mir Tobit 8,4-8 mit solcher Eindrücklichkeit auffiel. Die Einheitsübersetzung betitelt diese Perikope mit den Worten „Die glücklichen Brautleute“.
Inmitten meiner eigenen Hochzeitsvorbereitungen bleibt es natürlich nicht aus, darüber nachzudenken, was eine glückliche Ehe, aber vor allem auch eine Ehe, die ihren Fokus auf Gott ausrichtet, ausmacht. Eine Ehe, in der das Ja der Brautleute mit jedem Atemzug wiederholt wird und dabei immer auch dem Lobpreis Gottes dient.

In Tob 8,4 richtet Tobias das Wort an seine Frau: „Steh auf, Schwester, wir wollen beten, damit der Herr Erbarmen mit uns hat.“

Werbung
christenverfolgung

Schon beim dritten Wort der Aufforderung Tobias an Sara blieb ich hängen. Schwester. Keine unübliche Anrede in der Bibel und dennoch bemerkenswert, dass Tobias seine ihm frisch angetraute Frau mit Schwester anspricht. Viel habe ich über eine Gott-zentrierte Ehe nachgedacht, doch noch nie bin ich auch nur annähernd auf die Idee gekommen meinen Verlobten zuallererst als Bruder im Glauben zu sehen. Oft habe ich gehört, dass Freundschaft die Basis einer gelungenen Beziehung ausmacht. Oft habe ich auch gehört, dass denselben Glauben zu teilen einer gelungenen Beziehung dient. Aber noch nie, dass man seinen Partner vielleicht erst einmal als Bruder im Glauben sehen sollte.

Wenn ich an meine Freundinnen denke, die ich definitiv als Schwestern im Glauben sehe, bemerke ich, dass ich gerade aufgrund jener familiären Verbundenheit im schwesterlichen Glauben, diametrale Vorstellungen von unserer Verbindung habe, als mit jemanden, mit dem ich diese „Schwesternschaft“ nicht habe. Ich erwarte mir eine freundschaftliche Liebe, die bereit ist Opfer zu bringen. Ich erwarte mir eine Haltung, wo mir die Hand entgegengestreckt wird, egal wie tief das Loch auch sein mag, in das ich gefallen bin. Ich erwarte mir Arme, die mir auch dann offen stehen, wenn ich in aller Blöße dastehe oder gleichsam mit Schmutz bekleidet bin, weil der eine oder andere Tag wie auf einem geistigen Schlachtfeld ist. Ich erwarte mir aber auch, zurecht gewiesen zu werden, wenn ich vom rechten Weg abweiche. Ich erwarte mir klare Worte in all ihrer nötigen Schärfe, wenn ich dabei bin etwas zu tun, was meinem Glauben oder meinem Vorbild, das ich als Christin leben und geben sollte, widerspricht. Ich erwarte mir, offen über Zweifel am Glauben und Gott reden zu können und dass diese mit Ernsthaftigkeit aufgenommen werden und ich wieder einen Stoß in Richtung Gott bekomme. Ich erwarte mir, dass sie mir das Kreuz vor Augen stellen, wenn ich nur noch die Welt sehe.

Dass ich meine Freundinnen als Schwestern im Glauben sehe, ermöglicht und hilft mir all das mit Demut und Dankbarkeit anzunehmen und auch ihnen mit demselben Verhalten entgegenzutreten. Diese Schwesterlichkeit setzt mir die Krone meines Stolzes ab. Sie sagt mir, dass ich diese nicht brauche, sondern auch gebrochen und gebeugt kommen darf. Sie sagt mir, dass das Leben wie eine Rose nicht nur aus wunderschönen Blüten, sondern auch aus schneidenden Dornen besteht. Und das ist okay. Ich darf auch kommen, wenn ich in einem Dornenhaufen gelandet bin.

Ich darf in den dunkelsten Stunden meines Lebens kommen, offen und ehrlich. Ich darf kaputt kommen, ohne dass ich aus Furcht sich an meinen Scherben zu schneiden, abgewiesen werde. Viel mehr begeben sich eben jene Schwestern mit mir auf einen Weg im Glauben und zum Glauben. Auf einen Weg zu Gott. Gemeinsam. Ich muss diesen Weg nicht alleine gehen. Mein Glaube hat wahrlich nicht die Kraft immer einen Berg zu versetzen, aber auch das ist okay und meine Schwestern beten für mich, wenn ich es nicht kann.

Natürlich geht mit dem Eheversprechen all das schon einher. All das erwarte und erhoffe ich mir auch von meinem Zukünftigen, der immerhin aufgerufen ist, mich zu lieben wie Christus seine Kirche und der mit mir den Weg zur Heiligkeit bestreiten soll. Und dennoch habe ich klarerweise meinem
Partner gegenüber eine andere Erwartungshaltung als einem Menschen, dem ich zuerst brüderlich verbunden bin.

Von einem Partner erwarte und wünsche ich mir Sanftheit und Zärtlichkeit. Vielleicht auch dann, wenn mein Weg mit Gott gerade eher einen unsanften Tritt in die richtige Richtung bräuchte. Ich erhoffe mir Worte, die wie Honig sind und das ist sicherlich nicht immer falsch, sondern oftmals auch Balsam für Herz und Seele, aber wenn ich im Tosen der Welt versunken bin, werde ich dann ein Flüstern, das mich zurückrufen will, hören? Ermöglicht mir die Brüderlichkeit im Glauben nicht viel demütiger meine eigene Krone abzulegen und gemeinsam mit meinem Mann die Bereitschaft zu haben eine Krone aus Dornen zu tragen? Und vielleicht sogar, die des anderen zu tragen? Jesus, hat die Tische der Händler im Tempel umgeworfen.

Das war definitiv nicht sanft. Eine Gott-zentriete Ehe bedeutet auch es anzunehmen, wenn die Tische der Welt im je eigenen Tempel des heiligen Geistes, der wir aufgerufen sind zu sein, umgeworfen werden. Die Brüderlichkeit gibt mir die nötige Demut, um das als notwendigen Schritt auf unserem gemeinsamen Weg zur Heiligkeit anzunehmen ohne ein Wort der Zurechtweisung in Glaubensdingen oder ein unsanftes „von der Welt zum Kreuz zerren“ auf die emotional-partnerschaftliche Ebene zu erhöhen.

Ermöglicht mir der Umstand, dass ich zulasse, dass mein Mann mir voll Sanftmut und doch willensstarker Brüderlichkeit meine Krone abnimmt und sie mit mir gemeinsam demütig vor die Füße Jesu legt, nicht auch viel tiefer mit ihm in den Lobpreis Gottes einzutauchen? So dass wir letzten Endes mit Tobias und seiner Frau in das Lob des Höchsten einstimmen können: „Sei gepriesen, Gott unserer Väter; gepriesen sei dein heiliger und ruhmreicher Name in alle Ewigkeit. Die Himmel und alle deine Geschöpfe müssen dich preisen.“ (Tob 8,5)

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!









kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.

Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram

meist kommentierte Artikel

Die ewige Erlösung vieler Seelen steht auf dem Spiel! (72)

Hütet euch vor den rigiden und versteiften Christen! (70)

„Einige junge Leute sind mit Lehre der Kirche nicht einverstanden“ (46)

Der Rassismus des Emmanuel Macron (40)

Cupich: Keine Kommunion für Homo-Paare ‚ist nicht unsere Politik’ (38)

Papst: "Wenn ihr so eine Sache seht, sofort zum Bischof!" (34)

Die 12 Tricks des Anti-Christen, um Seelen zu stehlen (33)

Schick: Eucharistiegemeinschaft ist nicht die wichtigste Ökumenefrage! (28)

Wenn es Gott denn gibt (27)

„Wie geht es der Kirche? Wie immer: Der Teufel stürmt gegen sie an“ (26)

Und nochmals 50.000 Euro für 'Schlepperkönig' und 'Team Umvolkung' (25)

Jugendsynode: Jesuitengeneral Sosa, Multikulti, sexuelle Orientierung (25)

Von der staatlichen Vereinigung der Kirchensteuerzahler abgemeldet! (23)

„Mich verblüfft der geradezu aggressive Tonfall des Interviews“ (23)

Jugendliche aus Panama schenken Papst Weltjugendtag-Kreuzanhänger (21)