15 April 2018, 10:30
Wissenschaft und Forschung auf den Menschen hin orientieren
 
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Kardinal Marx predigte beim Festgottesdienst zu 150 Jahren TU München über Glaube und Vernunft.

München (kath.net/ pem)
Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, hat angemahnt, Wissenschaft und Forschung auf den Menschen hin zu orientieren. In einer Predigt beim ökumenischen Festgottesdienst zum 150-jährigen Bestehen der Technischen Universität (TU) München am Donnerstag, 12. April, in der evangelischen Markuskirche in München-Schwabing sagte er: „Der technologische Imperativ ‚Alles, was wir machen können, sollen wir auch tun‘, der ökonomische Imperativ ‚Alles, was man zu Geld machen kann, soll man auch machen‘, verbunden mit einer Moraltheologie des minus malum, des kleineren Übels, das führt uns sicher in den Abgrund“, so Marx. Das sei keine Theorie, es handle sich vielmehr um reale Mächte dieser Welt, auch in unserer Gesellschaft.

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Der Festgottesdienst stand unter dem Leitwort „Glaube und Wissen“. Marx hob hervor, dass dies kein Gegensatz sei, im Gegenteil, Glaube sei selbst auch Wissen: „Es gibt mehr Zugänge zur Wirklichkeit, als naturwissenschaftliche Erkenntnis und Empirie, es gibt die Kunst, es gibt die Liebe, es gibt viele Erfahrungen, die wir machen, die auch Wissen sind – andere Arten des Wissens. Wir schauen auf die Welt mit verschiedenen geistigen, inneren Fähigkeiten. Der Glaube gehört dazu.“

Es gelte zu fragen, wie das spannungsvolle Verhältnis von Glaube und Vernunft fruchtbar gemacht werden könne. Beides seien Formen des Wissens. „Eine Vernunft, die sich abschließt und sich auf das empirisch Fassbare begrenzt, auf das ökonomisch Verwertbare, wird in Aporie enden und den Menschen nicht dienen“, so Kardinal Marx. „Ein Glaube, der sich der Verantwortung vor der Vernunft nicht stellt, dem Nachdenken nicht stellt, der Kritik nicht stellt, wird zur Sekte, wird im falschen Sinne museal“, so Marx. Ein solcher Glaube habe keine produktive Kraft für das Leben der Menschen.

Um des Menschen willen gelte es, das Wissen bis an die Grenzen zu erforschen, jedoch immer im Wissen um eben diese Grenzen des Menschen. Dies sei der Kern der Schöpfungsberichte. Die Grenze zu sehen, dass die Menschen nicht Gott sind, hebe aber nicht deren positiven Grundauftrag auf. Es bestehe „eine begründete Hoffnung, dass alles gut werden kann, weil Menschen von Gott geschaffen sind und fähig sind zu Vernunft und Glaube“, so Marx, der zugleich betonte, dass Freiheit immer auch mit Verantwortung verbunden sei: „Die Freiheit der Forschung, die aber nicht ungebunden ist, sondern auf das schaut, was den Menschen dient.“

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