16 März 2018, 12:00
Wirf dich deinem Gott in die Arme!
 
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„Ich bin da“, wispert einer rund um die Uhr, und darum los, auf mit dir, Laptop zu, Smartphone aus... BeneDicta von Petra Knapp-Biermeier.

Linz (kath.net) „Bist du mit dem Text schon fertig?“ - „Nein, ich war mit dem Leben beschäftigt..“ Etwas patzig ist sie schon, die Antwort, die ich rauslasse, am Donnerstag um halb acht Uhr abends. Denn der Cursor auf meinem Bildschirm blinkt seit Stunden, außer Skizzen nichts zustande gebracht, ein großes leeres Textfeld wartet und wartet und wartet, und irgendwann verfällt der Computer in den Schlafmodus.

Ich bin heute wieder mal primär „da gewesen“. Einfach da. Ich habe meinen Kindern zugehört, Brote gestrichen, „Aha“ gesagt und hierhin und dorthin geblickt, gekuschelt, vorgelesen, habe Konflikte ausgehalten, Körbe getragen, Texte vorbereitet, Gebrülle ertragen und lautes Klaviergeklimper, habe Streitereien autoritär beendet und kurz mal die Flucht ergriffen, bin zurückgekehrt, und war dann wieder „da“.

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Und ganz zum Schluss, als mein Tag definitiv am Ende war, da schaut mich mein fieberndes Mädchen noch mit großen Augen an. Sie erzählt leise von Pferden, und ihr ist heiß aber auch ein bisschen kalt, sie zieht wortkarge Kreise um mich, braucht mein Vorlesen nicht und nur aus Solidarität ein Löffelchen vom weichgekochten Ei. Sie hängt auf meinem Schoss, mmmhh, nur bei dir sein mag ich, mümmelt ihre heiße Stirn in meine Schulter hinein, höchst zufrieden.

Was für eine heilsame Kraft liegt in der Gegenwart! Schon eine Job Description dafür gelesen? Fürs simple „Da Sein?“ Schon mal nachgedacht, was das eigentlich soll: Im Stand By Betrieb zu sein, warten, ob einen wer braucht, undefinierbar, nicht abgegrenzt, uferlos, absolut unterfordernd und überfordernd zugleich. Und dennoch ein Krafttank, eine Super Power Time ohne Vergleich.

Ich bin der Ich bin da, spricht Gott dir zu, so wie du das in deinem Leben tausendfach deinen Kindern, Freunden, dir Anvertrauten zusprichst, menschlich und gebrochen, rebellisch, Grenzen ziehend, aber dennoch, du tust es immer und immer wieder, so als hättest du eine Ahnung, dass es genau so sein soll und dass es gut ist: Für jemanden da sein.

Die Gegenwart Gottes ist das „Da Sein“ in Perfektion. Seine Gegenwart ist der Ort, wo du heimkommst. Wo es nur gut ist. Wo du deine Zehen in seine Rippen bohrst, wie der Vierjährige es beim Papa um zwei Uhr morgens tut, und der ist dann vielleicht schlecht drauf, aber Gott, der Allmächtige, schläft und schlummert nicht. Und nichts ist ihm zu viel, nicht deine Fußtritte, dein Schmutz, dein Schund, dein Zorn und die Abgründe, die du deinem besten Freund nicht erzählen willst, weil die Scham zu groß ist.

Seine Gegenwart, das ist der Ruheplatz am Wasser, wo für dich gesorgt wird, wo es mehr gibt, als du je brauchen wirst, denn El-Shaddai, der sieht dich und birgt dich und wartet, dass du kommst, ausgehungert, selbstsüchtig, fordernd, sehnsüchtig. Es steht alles bereit, denn Er ist bereit, um dich aufzufüllen, dir neu Identität zuzusprechen, deine Akkus zu laden, dich daran zu erinnern, wer du in seinen Augen bist.

Seine Gegenwart, das ist der Hirt, der das schwächste Schaf auch mal trägt, denn El-Roi ist nicht überfordert von deiner Last, er geht dir auf deinen Irrwegen nach und lässt dich nicht hängen, wenn du definitiv falsch abgebogen bist. Gott, dein Hirte, geht durch Dornengestrüpp, nimmt zerschundene Arme und Beine in Kauf, um dich rauszuholen, hochzuheben, festzuhalten in seinen sicheren Armen.

Einer hat alles auf sich genommen, damit diese Gegenwart Gottes so sicher und unzerstörbar für uns alle werden würde. Er ist durchgegangen durch diesen Alptraum der Gottverlassenheit, des unsäglichen Schmerzes, des bitteren Endes. Und das blutbefleckte Folterinstrument, das Gottes Sohn in die Knie zwang, wurde ganz real zum süßen Kreuz, das in diesen Tagen vor Ostern in der Matthäuspassion so wunderbar besungen wird.

Dieses Kreuz, grausamer und verheißungsvoller Horizont für deine Fragen und Gottes Antworten, Anfang eines neuen Liedes, das nur du fertig singen wirst, vor Gottes Angesicht. Nichts und niemand kann dir rauben, dass Gott für dich zuständig sein will, dass er wartet und wartet und nochmals wartet, bis zum Schluss. „Ich bin da“, wispert er rund um die Uhr, und darum los, auf mit dir, Laptop zu, Smartphone aus, wirf dich deinem Gott in die Arme!







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