15 März 2018, 11:30
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Kommentar zum Nachruf „Ein widerspenstiger Kardinal“ in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AZ) vom 12. März 2018. Von Hubert Gindert/Forum Deutscher Katholiken

Mainz (kath.net/Blog Forum Deutscher Katholiken) Ein römisches Sprichwort heißt „über Tote soll man nichts, es sei denn Gutes sagen“ (De mortuis nihil nisi bene). Das kann aber nicht mehr gelten, wenn ein Nachruf dazu instrumentalisiert wird, um z.B. eine bestimmte Kirchenpolitik zu forcieren. Das geschieht im Artikel in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 12.03.2018 unter der Überschrift „Ein widerspenstiger Kardinal“. In einem solchen Fall, sind einige Aussagen zurechtzurücken.

Der Nachruf auf Karl Kardinal Lehmann beginnt wie folgt „Seine bitterste Stunde war am 9. Juli 1999: Papst Johannes Paul II. hatte dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz in einem Brief ziemlich unmissverständlich nahegelegt, aus der Schwangerenkonfliktberatung mit ergebnisoffenem Verlauf auszusteigen.“ Der Schreiber unterschlägt, dass Lehmann am 10. Juni 1992 gewarnt hatte, die katholischen Beratungsstellen könnten sich „nicht in ein Verfahren einbinden lassen, das die Ausstellung einer Beratungsbescheinigung zu einer wesentlichen Voraussetzung für die straffreie Tötung eines ungeborenen Menschen macht“. (Presseinformationen der Dt. Bischofskonferenz vom 10.06.1992, Nr. 6). Im September 1995 wurde die „rechtswidrige aber straffreie“ Abtreibungsregelung eingeführt. Dieser Regelung hat der Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz zugestimmt.

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Zur Erinnerung: Das 2. Vatikanische Konzil erklärt: „Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuungswürdige Verbrechen“ (GS 51,3). Wie passt dazu der von Lehmann in der AZ zitierte Satz: „Ich könnte mich gar nicht denken ohne das Konzil. Ich identifiziere mich mit meiner ganzen priesterlichen Existenz und in der Ausrichtung meines Dienstes daran“. Das Kirchenrecht sagt: „Wer eine Abtreibung vornimmt, zieht sich mit erfolgter Ausführung die Tatstrafe der Exkommunikation zu“ (CIC, can. 1398).

Papst Johannes Paul II. hat die Bischöfe von 1995 bis 1999 viermal vergeblich gebeten, aus der Schwangerenkonfliktberatung mit Erteilung des Beratungsscheins auszusteigen.

Die AZ schreibt: „Die Katholische Kirche stieg aus der Schwangerenkonfliktberatung aus, weil sie von ihren strengen Gegnern als Beihilfe zur Tötung unschuldigen Lebens eingestuft wurde“. Dies ist der inzwischen häufig praktizierte Versuch, die „Emotionstaste“ („Strenge“ Gegner) zu drücken, wenn „Gegner“ abqualifiziert werden sollen.

Weiter zu Kardinal Lehmann heißt es: „An seiner Loyalität am römischen Leitungsamt ließ er keinen Zweifel“… Wie reimt sich aber darauf des Schreibers Aussage im o.a. Artikel: „Zwölf Tage ging Bischof Karl Lehmann mit dem Dokument aus dem Vatikan schwanger, ehe er die entscheidende Sitzung… in Würzburg eröffnen konnte. Zwölf Tage, in denen er Weichen stellte und Rat einholte… Denn was Lehmann als Stellungnahme der deutschen Bischöfe zum Papstbrief ersonnen hatte, sollte jedem Einwand standhalten“. Als das nichts nützte, kommentierte Lehmann das „Machtwort“ des Papstes so: „Wir haben gekämpft und wir haben verloren“. Sieht so „Loyalität zum römischen Lehramt“ aus?

Die AZ weiter: „Lehmann ging es in seinem theologischen Denken und kirchenpolitischen Handeln immer darum, wie eine den Menschen in ihren verschiedenen Lebenssituationen dienliche und zugleich ihrer Tradition verpflichtete Kirche aussehen kann. Nie verheimlichte er, dass er sich bei den großen Streitthemen wie dem Zölibat der Priester und der Rolle von Frauen größere Veränderungen wünschte.

Die AZ weiß offensichtlich nicht, dass der Kardinal sich in seinem Interviewbuch „Es ist Zeit von Gott zu reden“ negativ über die feministische Theologie geäußert hatte und in einem Fernsehinterview, in dem er nach einem Widerstand gegen die päpstliche Anordnung gefragt wurde, geantwortet hatte: „Wenn ich mich dem Papst widersetze, bin ich kein katholischer Bischof mehr.“

Die Überschrift des Artikels „Ein widerspenstiger Kardinal“ kann man auch als eine Aufforderung verstehen. Der Nachruf auf Kardinal Lehmann eignet sich um z.B. der Initiative „Donum Vite“ beizuspringen, den Zugang der Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, der Veränderung des Zölibats und „Streitthemen“, wie dem Kommunionempfang Wiederverheirateter oder Nichtkatholiken in konfessionsverschiedenen Ehen den Weg zu öffnen. Wir haben die Botschaft verstanden!

Aber wir als Forum Deutscher Katholiken bitten alle unsere Freunde, für Karl Kardinal Lehmann zu beten; denn wie Papst Franziskus fast täglich gesteht, dass er ein Sünder ist und um unser Gebet bittet, so wollen auch wir die Hände falten und für den Menschen, den Priester, den Bischof und den Kardinal Karl Lehmann beten. Möge er im ewigen Frieden Gottes ruhen.

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