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12 März 2018, 13:00
Christen auf dem Parkplatz – Christen im Käfig

Franziskus in Santa Marta: Wo ist dein Verlangen nach Gott? Der wahre Christ riskiert etwas, er verlässt die Sicherheit. Nicht bei der Vorspeise stehen bleiben, sonder das ganze Festmahl verkosten. Von Armin Schwibach
Rom (kath.net/as) „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht“: mit diesem Tadel wendet sich Jesus im heutigen Evangelium (Joh 4,43-54) an einen königlichen Beamten in Kafarnaum. Dieser „suchte ihn auf und bat ihn, herabzukommen und seinen Sohn zu heilen“ (V. 47). Die Leute, so Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe im vatikanischen Gästehaus „Domus Sanctae Marthae“ am Montag der vierten Woche der Fastenzeit, hätten gewusst, dass Jesus bereits viele Wunder gewirkt habe. Und Jesus scheine die Geduld zu verlieren, da das Wunderzeichen das einzige zu sein scheine, was für sie zähle.

„Wo ist unser Glaube?“ fragte sich der Papst: „Ein Wunder sehen, ein Zeichen und sagen: ‚Nun, du hast die Macht, du bist Gott’, ja, das ist ein Akt des Glaubens, doch ein winzig kleiner. Denn es ist offensichtlich, dass dieser Mann eine starke Macht besitzt. Aber dort fängt der Glaube an, doch dann muss man weitergehen. Wo ist dein Verlangen nach Gott? Den Glauben zu haben, ist das: das Verlangen zu haben, Gott zu finden, ihm zu begegnen, bei ihm zu sein, glücklich mit ihm zu sein“.

Aber: „was ist nun das größte Wunder, das der Herr vollbringt?“, so Franziskus weiter. In der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 65,17-21) werde die erklärt: „Ja, siehe, ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Man wird nicht mehr an das Frühere denken, es kommt niemand mehr in den Sinn. Vielmehr jubelt und jauchzt ohne Ende über das, was ich erschaffe!“ (V. 17-18). Der Herr ziehe unser Verlangen nach der Freude an, bei ihm zu sein:

„Wenn der Herr in unser Leben kommt und ein Wunder in einem jeden von uns wirkt, und wenn ein jeder von uns weiß, was der Herr in seinem Leben gewirkt hat, endet nicht alles: das ist die Einladung, weiterzugehen, den Weg fortzusetzen, das Antlitz Gottes zu suchen, wie der Psalm sagt. Diese wahre Freude zu suchen“.

Das Wunder also sei nur der Anfang. Franziskus fragte sich, was Jesus von den vielen Christen denken werde, die bei der ersten Gnade einhielten, die nicht gingen „und sich benehmen wie einer, der sich im Restaurant mit der Vorspeise sättigt, dann nachhause geht und nicht weiß, dass das Beste nachher kommt“:

„Denn da sind viele Christen, die still stehen, die nicht gehen, Christen, die in den Dingen aller Tage – die sehr gut sind! – versandet sind, doch nicht wachsen und klein bleiben. Geparkte Christen: sie sind auf dem Parkplatz. Christen im Käfig, die nicht mit dem Traum zu dieser schönen Sache zu fliegen wissen, zu der uns der Herr beruft“.

„Das ist eine Frage, die sich ein jeder von uns stellen kann“, so der Papst abschießend: „Wie steht es um meine Verlangen? Suche ich den Herrn so? Oder habe ich Angst, bin ich mittelmäßig? Was ist das Maß meines Verlangens? Die Vorspeise oder das ganze Festmahl?“.

Somit gelte es, „sein Verlangen zu bewahren, es sich nicht zu bequem zu machen, ein wenig weiter gehen, etwas riskieren. Der wahre Christ riskiert etwas, er verlässt die Sicherheit“.

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