11 März 2018, 23:00
Papst würdigt Einsatz von Sant'Egidio für Arme und Frieden
 
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Franziskus stattete der katholischen Gemeinschaft mit Sitz in Trastevere einen Besuch aus Anlass ihres 50-Jahr-Jubiläums ab

Rom (kath.net/KAP) Papst Franziskus hat am Sonntag die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio in Rom besucht. Die vor 50 Jahren von dem Historiker Andrea Riccardi gegründete Vereinigung setzt sich international für Arme, Friedensarbeit und Ökumene ein. An der Begegnung an ihrem geistlichen Zentrum in der Basilika Santa Maria di Trastevere nahmen neben Repräsentanten der Gemeinschaft aus zahlreichen Ländern auch Obdachlose und Flüchtlinge teil, die über von Sant'Egidio initiierte sogenannte humanitäre Korridore nach Italien einreisen durften.

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Franziskus warb bei dem Anlass für eine "Globalisierung der Solidarität". Ungeachtet einer engeren wirtschaftlichen und medialen Vernetzung seien weltweit neue Mauern entstanden, vor allem gegen die Armen. Mit Blick auf aktuelle Kriege und die syrischen Flüchtlinge fragte der Papst, wie man "nach den Tragödien des 20. Jahrhunderts erneut in dieselbe absurde Logik zurückfallen" könne. Vor der Angst gegenüber dem Fremden, Anderen und Armen seien auch Christen nicht gefeit, beklagte er.

Die Zukunft der Erde liege im Zusammenleben, erklärte Franziskus. Nötig seien dafür Dialog und Begegnung. Über politisches Handeln hinaus bedürfe es eines "barmherzigen Blicks" jedes einzelnen. "Sagt nie: 'Was habe ich damit zu tun?' Ein barmherziger Blick verpflichtet uns zum kreativen Wagemut der Liebe", sagte der Papst. Die katholische Kirche müsse als "Zeichen der Einheit des Menschengeschlechts" Völker und Kulturen verbinden.

Der Gründer der Gemeinschaft, Riccardi, sprach von einem gegenwärtigen "Zeitalter der Wut". Die Aggression richte sich gegen Andersartige und sozial Schwache. Eine von Angst und Opferdenken bestimmte Logik des Eigennutzes äußere sich in einem individuellen wie nationalen Egoismus und Abschottungspolitik. Dagegen gelte es die "Bürden" von Misstrauen, Fundamentalismus und Hass abzulegen. Ein Zusammenleben für eine brüderliche Welt sei eine "machbare Revolution", so Riccardi.

Die Gemeinschaft Sant'Egidio ging aus einer Initiative des damals 18-jährigen Schülers Andrea Riccardi und einiger Freunde hervor, die sich 1968 in Rom zu sozialem Engagement und Gebet zusammenschlossen. 1973 fand die Gruppe ihren Ort in der ehemaligen Klosterkirche Sant'Egidio in Trastevere. 1981 übertrug Johannes Paul II. (1978-2003) der Gemeinschaft die Basilika Santa Maria in Trastevere. Heute zählt Sant'Egidio nach Eigenangaben mehr als 60.000 Anhänger weltweit.

Bekannt wurde die Gemeinschaft unter anderem durch ein Aids-Programm in afrikanischen Ländern, interreligiöse Friedenstreffen und den Einsatz gegen die Todesstrafe. Größter diplomatischer Erfolg von Sant'Egidio war die Vermittlung eines Friedensabkommens in Mosambik 1992. Vor dem Hintergrund des Syrienkriegs machte sich die Gemeinschaft für humanitäre Korridore stark, die Flüchtlingen eine legale Einreise nach Europa ermöglichen. Riccardi wurde 2009 für sein Friedens- und Sozialengagement mit dem Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.

Papst Franziskus besucht die Gemeinschaft Sant´Egidio 11.3.2018




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