06 Januar 2018, 13:45
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Johannes Hartl im Vortrag bei der #MEHR2018 über „Gehüllt in Roben“: „Es gibt Leute, die so fromm und so gut sind und so heilig sind. Aber in deren Gegenwart hält es niemand aus“. kath.net-Bericht von Roland Noé

Augsburg (kath.net/rn)
Nach der fulminanten Verkündigung des „Mission Manifest“ am Freitagabend wurde am Samstag die MEHR-Konferenz in Augsburg fortgesetzt. Am Morgen bildeten sich vor den Veranstaltungsorten lange Schlagen, bei der MEHR dürfte es heute ein neuen Besucherrekord geben. Die Veranstaltung begann mit morgendlichem Lobpreis, dann folgte ein weiterer Vortrag von Johannes Hartl. Der Augsburger Theologe sprach über das Thema „Gehüllt in Roben“.

Hartl thematisierte am Beginn die Begriffe „Wertschätzung“ und „Freiheit“ und betonte, dass es nicht darum gehe, dem anderen etwas draufzudrücken. „Wie fühlst Du Dich in der Gegenwart von Jemand, der Dir Wertschätzung bringt und Dir gleichzeitig Freiheit lässt? So fühlt sich Liebe an. Es gibt Niemanden, der diesen Schlüssel und diese beiden Werte so vollkommen gelebt hat wie Jesus.“

Der Leiter des Augsburger Gebetshaus erinnerte daran, wie Jesus mit Menschen umgeht. Am Beispiel von Nathanael („Hier kommt ein echter Israelit, eine Mann ohne Falschheit“) sehe man dies sehr gut. „Wie anders gehen wir oft mit Menschen um. Bei Jesus ist zuerst einmal Annahme und Wertschätzung und dann eine Freiheit. Dadurch geht das Herz auf. So sieht christliche Kultur aus.“ Gott hätte sich auch Sklaven erschaffen können, die ihn lobhudeln. „Aber er erschafft Adam und Eva als Krone der Schöpfung. Sie sind nackt, sie sind frei. Wenn es den Baum nicht gegeben hätte, hätte es auch keine Freiheit gegeben. Freiheit heißt: Ich gehe das Risiko ein, dass Du Dich anders entscheidest. Gott erschafft einen Raum von Freiheit, wo Adam und Eva mit ihrer Verantwortung gut umgehen soll. Das ist Wertschätzung und Freiheit.“

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Hartl wies aber auf die Schriftgelehrten und Pharisäer hin. Jesu Umgang mit den Menschen habe diese total aufgeregt. Sie seien empört gewesen. „ In Jesus war etwas, was Sündern das Gefühl gegeben hat: Da bin ich sicher. Es war etwas in Jesus. Zu dem können wir hinkommen. Die Kinder und die Schwachen haben sich sicher gefühlt. Die Pharisäer wollten Sünder und Kinder wegsperren. Die Pharisäer: Als sie das hörten, dass er am Sabbat geheilt hat, wurden sie von sinnloser Wut erfüllt.“

Laut Hartl wollten die Schriftgelehrten den Menschen schwere Lasten auftragen und beschämen und kontrollieren. „Wenn Beschämung und Kontrolle regiert, geht ein Herz nicht auf, sondern bleibt ein Herz zu. Diese Sache ist durch den Garten Eden und Sündenfall zu uns gekommen. Jesus hat nie jemanden beschämt. Er hat nie einen Schwachen zur ‚Sau‘ gemacht. Ich misstraue jeder Kultur, die mit Kontrolle und Beschämung agiert. Leider geschieht das nicht selten im Namen Gottes. Das hat einen Geschmack, der nicht gut ist, sondern der stinkt.“

Der Augsburger Theologe kritisierte verschiedene "Fromme". „Es gibt Leute, die so fromm und so gut sind und so heilig sind. Aber in deren Gegenwart hält es niemand aus. Die glauben sogar, dass dies Verfolgung sei. Es gibt so viele ‚Heilige‘, um die herum kein Netz von gesunden Beziehungen und Freundschaften besteht.“ Im Gegensatz dazu habe Jesus in die zwölf Apostel investiert und sogar gewusst, dass einer ein Verräter war. „Er hat sogar Judas noch die Füße gewaschen. Es gab bei ihm einen Raum von Freiheit. Wir wollen alles kontrollieren. Nicht dass am Schluss ein Judas rauskommt. Nur die ganz guten Gewächse dürfen gedeihen. Bei uns kommt kein Judas raus, aber auch keine elf Evangelisten, die die Welt verändern.“

Hartl erinnerte an die Früchte des Heiligen Geistes. Viele Christen sprechen in dem Zusammenhang von Entscheidungen. „Es geht oft um Entscheidungen. Ich entscheide mich, treu zu sein. Ich entscheide mich, die Wahrheit zu sagen. Das ist wichtig, aber das ist nicht alles.“ Aber es gäbe auch Gefühle bei den Früchten wie bei Langmut und Sanftmut. „Weißt Du, wer einen immer durchschaut? Die Kinder. Die merken dies. Kinder sind gnadenlos.“ Paulus spreche in dem Zusammenhang laut Hartl von „ungeheuchelter Liebe“. Das trügerische Herz des Menschen sei „das große Problem der Frommen.“.

Doch wie sieht für Hartl ein Weg zurück aus? „Ein erster wichtiger Schritt ist, dass wir vor den Herrn kommen. Ich betrauere, dass ich diese Wertschätzung noch nicht so empfinde. Mit welchem Blick sieht Jesus Menschen an und mit welchem Blick haben andere Menschen angesehen?“ Hartl erinnerte hier an eine weitere Begegnung zwischen Jesus und einer Prostituierten, die in der Heiligen Schrift berichtet wird. Jesus sprach dabei zu Simon: „Simon, siehst Du diese Frau?“ Simon sah allerdings laut Hartl nicht die Frau, sondern die „Nutte“. „So geht der Herr mit Menschen um. Wenn wir das lernen und das verstehen. Wenn wir solche Blicke auf andere Menschen werfen würden. Du musst nicht alles, was andere Menschen tun, als richtig empfinden. Was ist Dein erster Blick?“

Für Hartl geht es um zwei Möglichkeiten, um „Beschämung und Kontrolle oder um Wertschätzung und Freiheit“. Dazu erinnert der Theologe an den Garten Eden und an Adam und Eva. Dort habe Gott nach dem Sündenfall den Menschen Röcke aus Fell gemacht. Im Buch Ezechiel hat Gott eine nackte Frau, die im Dreck lag, mit einem kostbaren Mantel bedeckt. Im Neuen Testament bekommt der Verlorene Sohn das beste Gewand. „So geht Gott mit Sündern um und mit schwachen Menschen. Er bedeckt die Nacktheit und umhüllt sie mit Roben. Er sieht all das, sein Wunsch ist aber nicht, Dich zu beschämen. Er lässt Dich sein, er lässt Dich leben, so ist unser Gott und das ist seine Eigenschaft.“

Im Gegensatz zur Liebe Gottes sei die Liebe von Menschen laut Hartl oft eine „Liebe mit Widerhaken“. „In Gott gibt es ein reines und vollkommenes und herzliches und tiefgemeintes komplettes JA. Das würde es heißen, wirklich im Glauben zu wachsen.“ Gott möchte den Menschen in Roben hüllen und die Menschen in die Freiheit hinausführen. „Er will Dich nicht kleinmachen, sondern großmachen. Viele christliche Leiter erziehen Sklaven. Viele christliche Eltern erziehen gehorsame Kinder, aber nicht Kinder, die frei werden.“

Der Theologe erinnert in dem Zusammenhang an den heiligen Paulus. Dieser habe nicht immer nur gesagt, dass Du immer nett und freundlich sein müsstest. „Er sagt auch: Redet untereinander die Wahrheit. Die Wahrheit muss auch zugemutet werden. Der Herr schafft mit Grenzen Frieden. Eine Beziehung braucht eine heilige und abgesteckte Grenze. In Jesus gibt es immer die komplette Verbindung von Freiheit und Wertschätzung. Authentische Wertschätzung nimmt den anderen so voll, dass sie ihm sogar die Wahrheit zumutet. Ich hab Dich so lieb, dass ich Dir die Wahrheit nicht zumuten kann. In Jesus ist hier keine Trennung. Wenn wir so anfangen, können gewaltige Herzenstore aufgehen, ich glaub, dass Gott das vorhat.“

Hartl übte anschließend nochmals Kritik an einer gewissen "christlichen Szene", die zum „Erbrechen“ voll mit „Verachtung und Kontrolle“ sei. „Ich kann die anderen verstehen, dass die von außen keinen Bock darauf hat. Aber ohne dieses Schlüssel wird es nicht passieren. Es fängt in Deinem eigenen Herzen an. Menschen spüren das. Sie sind nicht blöd. Ich kann nicht verstehen, was Du sagst, denn das, wie Du bist, schreit mir in den Ohren.“

Im zweiten Teil des Vortrags gab Hartl einige Praxis-Tipps. Er erinnerte dabei nochmals an verschiedene Christen, die sich im Internet über alles Mögliche ereifern. Es gäbe so viele Christen, die den ganzen Tag im Internet umherirren, um zu sehen, wer was falsch macht, um dann eine richtige Bibelstelle anzubringen. In der Bibel gab es diese Menschen laut Hartl auch, „man nannte sie Pharisäer“. Besonders amüsiert zeigt sich Hartl, wie gerne sich Christen über Kleidung oder Schminken aufregen.

Er verwies in dem Zusammenhang aber auf Kolosserbrief und den dortigen „Kleidungstipps“: „Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.“ Hartl betonte, dass es für Gott große Priorität habe, wie Christen miteinander umgehen. „Wir Christen haben so unsere Lieblingssünden. Das Sexuelle ist so ein klassisches Thema. Aber Stolz ist viel gefährlicher als sexuelle Sünde. Das bewirkt, dass Du nicht mehr siehst. Wir Christen sind oft besonders blind für das, was für Jesus echt ein Thema auch ist.“

Hartl ermutigte schließlich die Teilnehmer, die anderen wertzuschätzen. Wir sollten „ehren“ und „nicht bewerten“. Auch das Gebet – ohne dass wir gleichzeitig damit kontrollieren möchten – sei wichtig. „Jesus geht zum Zöllner ins Haus, er gibt ihm nicht einmal einen Tipp.“ Auch das „ganzheitliche Zuhören“ sei wichtig. „Das Zuhören ist eine seltene Tugend. Liebe und Wertschätzung, die nur empfunden ist, aber nicht gesagt wird, kommt beim Anderen nicht an. Menschen haben unterschiedliche Liebessprachen. Du musst rausfinden, was beim Anderen ankommt. Das ist ein bisschen Arbeit. Das bezieht sich auf Deinen Partner.“

Der Theologe rief anschließend dazu auf, den Partner wirklich zu ehren. Dort könne man beginnen. „Worte der Ehre haben die Macht, in jemandem etwas hervorzurufen, was dieser noch nicht ist“. Hartl zeigte sich entsetzt, wie Christen oft über Nicht-Christen, über Politiker oder die „Bösen da draußen“ reden. Das Evangelium werde „nie zeitgemäß“ sein. „Aber diese Menschen sind nicht unsere Feinde. Diese Menschen sind unendliche geliebte Kinder Gottes. Es ist nicht an uns zu erklären, der Welt zu erklären wie schlecht zu sind. Sünder sind Sünder, lasst uns so damit umzugehen, wie Jesus mit uns umgeht.“

Wir müssen laut Hartl die Menschen aus unserer Bewertungsbox freizulasse: „Du kannst versuchen, Menschen zu dominieren oder ihr Herz zu gewinnen. Du entscheidest.“ „Bei Jesus ist die komplette Balance. Er ist das Lamm, der die Sünden der Welt hinwegnimmt. Deshalb darf er auch richten. Seine Wertschätzung für die Verlorenen ging so weit, dass er sein Leben hingab. Das ist die Kultur des Reiches Gottes.“

Am Ende teilte Hartl einen Wunsch mit: „Ich träume von einer Kirche, die dafür bekannt ist, dass sie der sicherste Ort ist für alle ist, die sich beschämt fühlen.“

Theologe Johannes Hartl während des Vortrages


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