25 Dezember 2017, 10:30
Christus brachte den Abschluss und den Höhepunkt der Offenbarung
 
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Die Menschwerdung des Gottessohnes und die von ihm bewirkte Erlösung sind auch der Grund, warum die Kirche immer überleben wird - Die Predigt am Christtag von Diözesanbischof Klaus Küng

St. Pölten (kath.net)
Liebe Brüder und Schwestern!

Weihnachten ist ein Fest, das mit Hoffnung erfüllt: sowohl in Bezug auf den eigenen Weg und die eigene Lebensaufgabe als auch in Bezug auf die Kirche, selbst dann, wenn manchmal gegenläufige Entwicklungen der Kirche und den Christen sehr zusetzen. Die Grundlage dieser Hoffnung ist die Menschwerdung des Gottessohnes und das Werk der Erlösung, die er bewirkt hat.

Die Worte des Propheten, die wir in der 1. Lesung vernommen haben, und jedes Jahr am Weihnachtstag vernehmen, reichen in ihrer Bedeutung bis in unsere Gegenwart, ja bis ans Ende der Zeiten: „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.“ Dann heißt es weiter unten: „Der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.“ Die Botschaft bezieht sich aber nicht nur auf Jerusalem. Es folgen die Worte: „Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller Völker. Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes.“

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Aber laufen die Dinge nicht doch ganz anders?, werden Sie vielleicht einwenden. Viele haben es aufgegeben, den Glauben zu praktizieren; Manche verlassen die Kirche und eine noch viel größere Zahl gehört zwar noch immer formell zur Kirche, kümmert sich aber nicht um die Frohbotschaft oder Gebote Gottes. Inzwischen ist es außerdem soweit, dass auch die staatliche Gesetzgebung immer häufiger von den christlichen Wertevorstellungen wegrückt. Die jüngsten Beispiele sind die so genannte „Ehe für alle“, im Nachbarland wurde ein mögliches 3. Geschlecht eingeführt. Man muss nur warten, bis das auch bei uns ohne Diskussion entschieden wird. In anderen Belangen besteht schon seit längerem ein unübersehbarer Kontrast, zum Beispiel in der Gesetzgebung bezüglich Lebensschutz; auch bezüglich künstlicher Befruchtung, bei der das Töten von Embryonen häufig vorkommt, und oft auch die Einheit der Ehe nicht beachtet wird. Vielleicht wird die ausbeuterische Leihmutterschaft kommen. Es gibt viele Hinweise, die erkennen lassen, dass von vielen der Glaube an Gott, der Glaube an Christus einfach beiseitegeschoben und der Zusammenhang mit der Schöpfungsordnung nicht wahrgenommen wird.

In der Tat enthält ja auch das Weihnachtsevangelium selbst ein sehr ernstes Wort: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Jesus selbst hat sogar einmal gesagt: „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, noch Glauben vorfinden?“ (Lk 18,8)

Trotzdem hat der Glaubende immer Grund zu Hoffnung, denn es heißt: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ Wenn das Problem unsere Schwäche ist, unsere Sünde, lehrt uns Jesus, dass Gott ein Vater ist, der uns vergibt, und dass er, Jesus, gekommen ist, um Himmel und Erde zu versöhnen durch sein Blut. Und wenn es unsere Ohnmacht ist, die uns zusetzt, wenn die Umstände schwierig sind, wenn wir manche Leiden zu tragen haben: Er ist gekommen, damit wir nicht allein sind und wir, im Vertrauen auf seine Hilfe, unseren Weg gehen, den Weg, den wir gehen sollen, der uns zu innerer Freiheit und zu Gott führt.

Und wenn Menschen sich entfernen, einzeln oder in großer Zahl, ja selbst wenn die Gesellschaft in ihrer großen Mehrheit vom Glauben an Christus, vom Glauben an Gott abrückt, die entsprechenden Werte missachtet, zeigt die Erfahrung: Das, was wahr ist, bleibt trotzdem weiterhin wahr. Und wenn nur einer oder eine die Stimme erhebt und diese Wahrheit zum Ausdruck bringt, werden alle oder fast alle unruhig, weil sie, obwohl sie vielleicht heftig protestieren, in irgend einem Winkel des Herzens auch selbst wissen, dass das Gesagte wahr ist. Ein typisches Beispiel dafür ist die Abtreibung. Auch wenn manche oder viele es geradezu als „Recht“ verkünden, eine Abtreibung vornehmen zu können, bleibt die Tötung eines Kindes, ganz gleich ob gesund oder krank oder mit Beeinträchtigung, immer ein großes, schweres Unrecht, wie auch Papst Franziskus nicht müde wird zu betonen. Und die Ehe wird immer ein auf Dauer angelegter Bund zwischen einem Mann und einer Frau sein - mit der Offenheit für Kinder, die für ihre Identität und ihre Persönlichkeitsentwicklung Vater und Mutter brauchen, und zwar die eigenen. Wie das II. Vatikanische Konzil festgestellt hat: Es liegt nicht in der Willkür des Menschen festzulegen, was ein Ehe ist und welche Eigenschaften ihr zukommen, weil die Ehe dem Schöpferplan Gottes entspricht (GS Nr. 48).

Christus brachte den Abschluss und den Höhepunkt der Offenbarung, die schon mit der Entstehung der Welt begonnen hat, und Christus bringt den Menschen Hilfe, damit der Mensch, trotz persönlicher Schwachheit, dieser Offenbarung Gottes entsprechend leben kann. In unübertreffbarer Klarheit bringen es die Worte des Johannesevangeliums zum Ausdruck: „Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geschaffen“ und „Alles ist durch das Wort geworden.“ Glaube und Wissen können nicht im Widerspruch stehen, und sie stehen tatsächlich nicht im Widerspruch. Man hat das noch immer erkannt, wenn man genügend lange geforscht hat. Und das Brot, das vom Himmel kommt, Jesus, der gleiche, der in Bethlehem zur Welt kam, schenkt Nahrung und Kraft; um dem Willen des Schöpfers Gott zu entsprechen. Und „aus seinen Striemen wird uns Heil“. Er erlangt unsere Vergebung und führt uns zum Leben.

Die Menschwerdung des Gottessohnes und die von ihm bewirkte Erlösung sind auch der Grund, warum die Kirche immer überleben wird. Es ist schon wahr, dass sie in manchen Situationen unterdrückt, in einigen Ländern sogar fast zur Gänze ausgetilgt worden ist, aber meist hat sie immer wieder von neuem den Weg zur Erneuerung gefunden. Daher haben wir Hoffnung: Die Botschaft Christi entspricht den Sehnsüchten, die der Mensch vom Schöpfer her im Herzen trägt, und der menschgewordene Gottessohn steht uns bei und hilft uns.

Wunderschön hat diese Zusammenhänge der hl. Augustinus ausgedrückt: „Sein stilles Kommen drängt uns wie ein lautstarker Anfeuerungsruf, auf dass wir lernen, reich zu werden in ihm, der sich arm gemacht hat für uns; auf dass wir die Freiheit finden in ihm, der für uns Knechtsgestalt angenommen hat; auf dass wir den Himmel besitzen in ihm, der für uns der Erde entsprossen ist.“

Weihnachten ist eine Einladung, den Blick auf ihn zu richten, der zu Betlehem zur Welt kam und auch jetzt durch die Kirche immer wieder zur Welt kommt; Es ist eine Einladung, ihn zu suchen, damit wir in ihm Kraft finden und Halt, bei ihm Brot empfangen für unsere Seele und Heilung für unsere Wunden. Weihnachten ist eine Einladung, unsere Freiheit ganz bewusst als Christen wahrzunehmen und unser Leben entsprechend zu gestalten, im Verlangen nach einer noch größeren Freiheit. Weihnachten ist eine Bestärkung auf unserem Weg und eine Ermutigung, die Zeit zu nützen, die uns Gott schenkt, und zwar voll Zuversicht und Freude.

Wenden wir uns an Maria, die Mutter des Herrn, damit sie uns ermutigt, ihren Sohn, Jesus Christus, erneut und wie sie aufzunehmen in unseren Herzen und alles zu tun, damit Er, das Heil der Welt, auch den anderen gebracht wird.

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