16 Dezember 2017, 09:00
DBK und EKD: „In einigen Ländern droht Ende der christlichen Existenz“
 
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„Ökumenischer Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit“ – Glaubenswechsel als „Nagelprobe der Religionsfreiheit“ – Auch in Europa werden religiöse Zeichen und Bekenntnisse zunehmend aus dem öffentlichen Bereich (z. B. Schulen) verbannt

Bonn-Hannover (kath.net/DBK/EKD/red) Die evangelische und die katholische Kirche warnen, dass weltweit immer mehr Menschen wegen ihres christlichen Glaubens bedroht werden. Der Bericht wurde am Freitag in Berlin vorgestellt. Petra Bosse-Huber, Auslandsbischöfin der EKD, erläuterte in einem Statement bei der Präsentation des Berichtes in Berlin am Freitag, dass in einigen Teilen der Welt jeglicher Glaubenswechsel verboten sei, beispielsweise sei der Übertritt etwa vom Islam zum Christentum in manchen islamisch geprägten Ländern lebensgefährlich. Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der DBK, betonte, dass viele Christen in Bedränung leben. Er wies dann darauf hin, dass sich das Engagement der beiden Kirchen nicht allein auf Christen beschränke: „Unser Einsatz für die Christen ist exemplarisch, aber nicht exklusiv.“

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Für die CDU-/CSU-Bundestagsfraktion erklärte Fraktionsführer Volker Kauder, dass man über diese Entwicklung zutiefst besorgt sei und man deshalb „den mahnenden Weckruf beider großen Kirchen, sich um die Einhaltung der Religionsfreiheit in der Welt zu kümmern“, begrüße. Die Unionsfraktion werde „von der Bundesregierung einen neuen Bericht zur Lage der Religionsfreiheit in der Welt verlangen, und zwar dieses Mal länderspezifisch. Unabhängig von diesem Bericht werden wir im nächsten Jahr zur Lage der Religionsfreiheit eine Debatte im Deutschen Bundestag führen.“

Die DKB- und EKD-Pressemeldung:

Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit steht nach wie vor weltweit unter Druck. Christen sind davon besonders betroffen. Darauf haben heute (15. Dezember 2017) in Berlin die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber, und der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), aufmerksam gemacht. Beide Kirchen haben zum zweiten Mal gemeinsam einen „Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit“ veröffentlicht.

Der Bericht gibt einen Überblick zur globalen Lage des Menschenrechts auf Religionsfreiheit und zeigt, in welchem Maße und auf welche Weise die religiöse Freiheit von Christen in vielen Ländern und Regionen missachtet oder eingeschränkt wird. „Viele leben in Bedrängung und müssen Diskriminierung erfahren. Ihnen, unseren Schwestern und Brüdern im Glauben, gilt die besondere Solidarität der Kirchen in Deutschland. Und ich möchte gleich hinzufügen: Dieses Engagement schließt immer den Einsatz für alle Menschen ein, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden. Unser Einsatz für die Christen ist exemplarisch, aber nicht exklusiv“, erklärte Erzbischof Schick. „Menschen müssen praktizieren können und öffentlich zeigen und bekennen dürfen, woran sie glauben und was ihnen heilig ist“, so Bischöfin Petra Bosse-Huber. „In unseren säkularisierten westlichen Gesellschaften können wir uns oft kaum vorstellen, was es bedeutet, wenn Menschen daran gehindert werden, einen Gottesdienst zu besuchen oder mit anderen die Bibel lesen und verstehen zu wollen. Aber genau das ist in anderen Teilen der Welt oft bitterer Alltag von Christen.”

Dem Ökumenischen Bericht zufolge ist die Situation von Christen im Nahen Osten nach wie vor besonders bedrängend. Aufgrund langfristiger Trends und der Auswirkungen der Terrorherrschaft des sogenannten Islamischen Staates droht in einigen Ländern ein Ende der christlichen Präsenz. Auch in Teilen Subsahara-Afrikas, etwa im Norden Nigerias, werden Christen Opfer islamistischer Gewalttäter. Daneben stehen autoritär regierte Länder (z. B. China, Vietnam und Nachfolgestaaten der Sowjetunion), die religiöse Aktivitäten der staatlichen Herrschaft unterstellen wollen und sie deshalb engmaschig überwachen und einschränken. In den zurückliegenden Jahren hat darüber hinaus Repression gegen bestimmte Religionen zur Förderung eines traditionellen religiös-kulturellen Erbes an Bedeutung gewonnen; Myanmar und Indien werden in dem Bericht als Beispiele für diesen „kulturalistischen“ Trend angeführt. Der Ökumenische Bericht richtet die Aufmerksamkeit aber auch auf Europa, wo religiöse Zeichen und Bekenntnisse zunehmend aus dem öffentlichen Bereich (z. B. aus Schulen) verbannt werden.

Schwerpunktthema des von den Kirchen vorgelegten Berichts ist das Recht, den Glauben zu wechseln und einen neuen Glauben anzunehmen. Nach den internationalen Menschenrechtskonventionen handelt es sich dabei um einen integralen Bestandteil der Religionsfreiheit. Der Ökumenische Bericht spricht von einer „Nagelprobe der Religionsfreiheit“. Bischöfin Bosse-Huber betonte die Bedeutung, die diesem Thema beizumessen ist: „In manchen islamisch/islamistisch geprägten Ländern ist jeglicher Glaubenswechsel verboten. Wenn also jemand vom Muslim zum Christ wird, dann kann dies lebensgefährlich werden.“ So könnten sich etwa im Iran Menschen dann nur im Verborgenen zur Kirche bekennen und seien dennoch in höchstem Maße gefährdet. Autor des inhaltlichen Schwerpunkts im Bericht ist Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit.

Dem Ökumenischen Bericht liegt die Auswertung einer Vielzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen zugrunde. Auf quantitative Einordnungen wird aus methodischen Gründen weitgehend verzichtet. „Für genaue Angaben über die Zahl der weltweit verfolgten Christen ist ein weitaus komplexeres wissenschaftliches Instrumentarium notwendig, als es bislang vorgelegt wurde. Unser ‚Ökumenischer Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit‘ legt den Schwerpunkt auf die Erforschung der Ursachen von Bedrängnis und Verfolgung von Christen“, so Erzbischof Schick. Es werden „Strukturen und Kontexte der Verletzung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit aufgezeigt, damit kirchliches und politisches Handeln die Lage der Betroffenen verbessern kann“, ergänzte Bischöfin Bosse-Huber.

Die Veröffentlichung des Ökumenischen Berichts ist Teil der breit angelegten Bemühungen beiden großen Kirchen in Deutschland, auf die Situation bedrängter Christen aufmerksam zu machen und die Betroffenen zu unterstützen. Die jährlichen Fürbitten der evangelischen Kirche am zweiten Sonntag der Passionszeit (Reminiszere) sowie der katholische Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen am 26. Dezember (Stephanustag) stellen wichtige Aktivitäten in den Ortsgemeinden dar. Daneben halten die Kirchen regelmäßig die Öffentlichkeit informiert, setzen sich durch direkte Interventionen bei Botschaftern und Regierungen für die notleidenden Glaubensgeschwister ein, unterstützen die unter Druck stehenden Kirchen materiell und suchen das Gespräch mit politisch Verantwortlichen in Deutschland und Europa.







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