13 Dezember 2017, 10:30
Gerlich und Guardini: Seligsprechungsprozesse werden eröffnet
 
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Feierlicher Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom mit Kardinal Reinhard Marx

München (kath.net/pem) Mit einem feierlichen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom eröffnet der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, am Samstag, 16. Dezember, um 17.30 Uhr die Seligsprechungsverfahren für den Publizisten Fritz Michael Gerlich und den Religionsphilosophen Romano Guardini. Zu Beginn des Gottesdienstes trägt Johannes Modesto, der die Verfahren als Postulator inhaltlich begleitet und organisatorisch durchführt, das an den Erzbischof gerichtete Bittgesuch um die offizielle Eröffnung der Verfahren vor. Zum Abschluss des Gottesdienstes werden unter anderem der Bischöfliche Beauftragte für die Verfahren, Diözesanrichter Günther Ferg, und der Kirchenanwalt, Dominikanerpater Christophe Holzer OP, vereidigt. Die Lesungen werden vorgetragen von Christian Krügel, Ressortleiter bei der „Süddeutschen Zeitung“, deren Vorgängerin „Münchner Neueste Nachrichten“ zeitweise von Gerlich geleitet wurde, und der Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Guardini-Expertin und Vorstand des Europäischen Instituts für Philosophie und Religion an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz. Die Capella Cathedralis unter der Leitung von Benedikt Celler gestaltet den Gottesdienst mit der Missa brevis in D-Moll von Josef Gabriel Rheinberger.

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Über die Seligsprechungsprozesse informiert bereits am Dienstag, 12. Dezember, um 18 Uhr eine Abendveranstaltung der Stiftung Bildungszentrum des Erzbistums im Karmelitersaal in München (Karmeliterstraße 1). Postulator Johannes Modesto und Monika Selle, Fachreferentin für Liturgie im Erzbischöflichen Ordinariat, stellen in Impulsreferaten die beiden Seligsprechungskandidaten vor, erläutern den Ablauf des Verfahrens und die Verehrung von Seligen und Heiligen. Anschließend stehen sie für Fragen zur Verfügung. Eine Anmeldung für die Veranstaltung ist nicht notwendig, der Eintritt ist frei.

Alle Gläubigen sind aufgerufen, dem Erzbistum ab dem offiziellen Beginn des Verfahrens am Samstag, 16. Dezember, Informationen zukommen zu lassen, die für die Seligsprechungsverfahren nützlich sein könnten, beispielsweise zum Leben und Wirken von Gerlich und Guardini oder zu Gebetserhörungen (per Post an Erzbischöfliches Ordinariat München, Postulator für die Seligsprechungen, Postfach 33 03 60, 80063 München oder per E-Mail an seligsprechungen@eomuc.de). Im Rahmen des Seligsprechungsverfahrens werden durch den Bischöflichen Beauftragten und den Kirchenanwalt Zeugen befragt, die über die Persönlichkeit, die Biografie und das Wirken von Gerlich und Guardini Auskunft geben können. Bei Gerlich, der für seine religiös begründeten Überzeugungen von den Nationalsozialisten getötet und so zum Märtyrer wurde, liegt der Schwerpunkt auf seiner Verfolgung, Haft und Ermordung. Auch Berichte über Wunder, die auf die Fürsprache der Seligsprechungskandidaten zurückzuführen sein sollen, können in dieser Phase untersucht werden. Bereits im Gang ist eine Erfassung und Auswertung der veröffentlichten wie auch unveröffentlichten Schriften Gerlichs und Guardinis. Die gesammelten Informationen sollen umfassend und objektiv sein, also auch mögliche persönliche Verfehlungen oder problematische Äußerungen enthalten. Diese diözesane Phase des Verfahrens dauert voraussichtlich mehrere Jahre, im Anschluss beginnt die römische Phase bei der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Der Historiker Fritz Michael Gerlich (1883-1934) war in den 1920er Jahren Schriftleiter der „Münchner Neuesten Nachrichten“, der Vorgängerin der „Süddeutschen Zeitung“. Ab 1930 wandte er sich als Herausgeber der Zeitschrift „Illustrierter Sonntag“, später „Der gerade Weg“, scharf gegen Adolf Hitler und die Nationalsozialisten. Im März 1933 wurde Gerlich verhaftet und blieb ohne Prozess und ohne Anwalt eingesperrt, bis er in der Nacht auf den 1. Juli 1934 nach Dachau überführt und dort erschossen wurde. Romano Guardini (1885-1968) war Priester und Professor für Religionsphilosophie und katholische Weltanschauung, zunächst in Berlin, später in Tübingen, von 1948 bis 1962 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er auch als Universitätsprediger an St. Ludwig wirkte. Der Theologe erreichte in Kirche und Hörsaal eine breite Zuhörerschaft. Er gilt als ein Wegbereiter der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Fast drei Jahrzehnte liegt die jüngste Seligsprechung eines Bistumsangehörigen zurück: Der Redemptoristenpater Kaspar Stanggassinger, der in Gars am Inn als Erzieher tätig war, wurde 1988 seliggesprochen. 1987 folgte der Jesuit Pater Rupert Mayer, der als „Apostel Münchens“ vor allem für sein caritatives Wirken und seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus verehrt wird. Maria Theresia von Jesu Gerhardinger, die Gründerin der Kongregation der Armen Schulschwestern mit Sitz in München, wurde 1985 seliggesprochen.

Foto:
links: Fritz Gerlich © Archiv des Erzbistums München und Freising
rechts: Romano Guardini © Kath. Akademie in Bayern







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