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05 Dezember 2017, 11:20
Deutschland ist „mehr oder weniger“ eine Heidenrepublik

Jüdischer Historiker Wolffsohn kritisiert Repräsentanten der evangelischen und katholischen Kirche: man müsse sie daran erinnern, dass Politiker „auf der Politik-Klaviatur besser spielen können als sie“

Ravensburg (kath.net) Deutschland ist „mehr oder weniger“ eine Heidenrepublik. Im Land herrscht religiöse Ahnungslosigkeit. Dies meint der jüdische Historiker Prof. Michael Wolffsohn (Foto) in der „Schwäbischen Zeitung“. Dies berichtet die Evangelische Nachrichtenagentur „idea“. Laut Wolffsohn sei das Christentum „weitgehend zur Folklore verkümmert“. Nur noch eine Minderheit der Christen wisse, warum Weihnachten, Ostern und Pfingsten gefeiert werden. Die Mehrheit der Deutschen sei religiös „eher analphabetisch“. Zugleich nehme die Zahl der Muslime in Deutschland zu. Deren Mehrheit sei „gläubig bis tiefgläubig“. Christen, die ihre eigene Religion nicht kennen, könnten mit ihnen keinen interreligiösen Dialog führen.

Kritik übt Wolffsohn an Repräsentanten der evangelischen und katholischen Kirche, weil diese oft vergäßen, dass „Politik Opium für die Religion ist“. Wolffsohn erklärt wörtlich: „Sie müssen höllisch aufpassen, dass sie den Himmel nicht aus den Augen verlieren.“ Man müsse Kirchenvertreter daran erinnern, dass Politiker „auf der Politik-Klaviatur besser spielen können als sie“.

Laut Wolffsohn sei besonders die EKD „nicht selten wie der verlängerte rot-grüne Arm“. Wolffsohn lebt seit 1966 in Deutschland und wurde 1982 von der Universität der Bundeswehr in München zum Professor für Neuere Geschichte berufen. Er wurde 1947 in Tel Aviv in eine jüdische Familie geboren, der noch 1939 die Flucht aus Deutschland gelungen war.

Foto Wolffsohn © http://www.wolffsohn.de