13 November 2017, 15:00
Die Ehe ist auf Verschiedenheit gegründet, nicht auf Gleichheit
 
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Meine Ehe ist keine Partnerschaft zweier Menschen, die alles gerecht aufteilen (und das soll sie niemals werden) - Von Matt Walsh / Übersetzung von Linda Noé

Linz (kath.net)
Die härteste Lektion, die ich in meiner Ehe lernen musste ist, dass meine Frau nicht ich ist. Sie ist sie selbst, ausdrücklich. Und sie ist ein anderes ich. Die Freude und Herausforderung und Schwierigkeiten der ehelichen Berufung, die ganze Pointe davon, gipfeln in der Tatsache, dass ich nicht sie bin und sie nicht ich. Wir sind nicht gleich, weil wir nicht die selben sind.

So viele Ehen heute gehen zu Bruch, weil beide Partner mit der Lüge der Ehe- und Gendergleichheit aufgewachsen sind. Ihnen wurde gesagt, dass es keinen Unterschied zwischen Ehemann und Ehefrau gibt, dass die Ehepartner austauschbar und gleich wären in jeder Weise, die wichtig ist. So sind sie also zum Altar geschritten in der Erwartung, ein Spiegelbild von sich selbst zu heiraten. Sie haben sich vorgestellt, dass sie selbst kein ernsthaften Änderungen oder Opfer in ihrem Leben als verheiratetes Paar bringen müssen, weil sie mit jemandem zusammen leben, der ganz wie sie ist. Alles kann man gerecht aufteilen, denken sie. 50/50, ein Zuckerschlecken.

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„Gleichberechtigte Partnerschaft“ nennen sie es. Als ob es ein Business-Plan wäre. Als ob sie im Begriff wären, eine Anwaltskanzlei zu gründen. Als ob die Ehe mit einer Punkteliste daher käme. Und viele Ehen führen solche Punktelisten! Die Ehepartner führen genaue Buchhaltung darüber, wer was tut, wie lange und wie viel, und am Ende des Tages muss gesichert sein, dass Mann und Frau sich im selben Maße verausgabt haben, die selbe Anzahl an Aufgaben erfüllt haben, sich die selbe Zeit ausgeruht haben, den selben Stress, die gleichen Lasten getragen haben, ohne den kleinsten Unterschied.

Der Ehemann arbeitet, also muss die Frau arbeiten. Die Frau hat eine Stunde lang geputzt, also muss er das auch. Er hat den Rasen gemäht, jetzt muss sie es tun. Sie hat dem Baby zwei Windeln gewechselt, jetzt ist er dran. Der Mann hat diesen oder jenen Stress im Hinterkopf, also lädt er es auf sie ab: „Warum soll ich der Einzige sein, der sich darüber Sorgen macht?“ Es kommt ihm nie in den Sinn: „Weil es dein Kreuz ist.“

Die „wir teilen alles gerecht auf“- Partnerschaft funktioniert aus dem selben Grund nicht, wie ein Fußball - Spiel mit 22 aufgestellten Stürmern nicht funktionieren kann. Die Ehe ist auf Verschiedenheit gegründet, nicht auf Gleichheit. Die Gemeinschaft gedeiht, wenn die sich ergänzenden Unterschiede der Partner zum Wohle der Familie angenommen und verwendet werden. Die Familie wird durch diese Unterschiede im wahrsten Sinne des Wortes erst aufgebaut. Eine wirklich gerecht aufteilende Partnerschaft ist steril, verwirrend und sinnlos.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass in der gesamten Geschichte der Ehe durch die Jahrhunderte selten ein Ehepartner aus selbstlosen oder liebevollen Gründen auf gerechte Aufteilung bestanden hat. Ich kann von mir persönlich sagen, dass ich mir zuhause nie aus purer Großzügigkeit einen Kopf darüber gemacht habe, dass wir diese Art von Gleichberechtigung brauchen. Ich habe nie etwas für meine Frau gemacht um sicher zu gehen, dass wir eine gerechte Aufteilung haben. Meine Leidenschaft für Gleichberechtigung hat immer mit Dingen zu tun, die sie tun soll, oder mit Dingen, die ich nicht mehr, oder weniger oft tun will. Ich bin für gerechte Aufteilung, wenn ich die Punkteliste checke, merke, dass ich nach meiner Rechnung einige Punkte voraus bin (in einer furchtbar verdrehte Zählweise, wahrscheinlich) und mich dann auf die Couch setze um meiner Frau liebenswerter Weise die Gelegenheit zu geben, aufzuholen.
Es geht nie in die andere Richtung. Ich sage nicht zu mir selbst: „Sie ist auf der Punkteliste voraus, ich sollte was tun, damit wir wieder gleichauf kommen.“. Nein, wenn ich ein guter Ehemann bin, dann bedeutet das, dass ich die Punkteliste komplett vergessen habe. Und falls mir je in den Sinn kommt, dass ich in einem bestimmten Bereich mehr tue oder mehr von einer gewissen Last trage als sie, sollte ich mich darüber freuen. Ich sollte mich über diese „Ungleichheit“ freuen, weil ich weiß, dass ich dann meine Aufgabe erfülle. Die Ziel ist, noch einmal, nicht ganz gleich wie der andere zu sein, sondern mich selbst ganz zu geben, ungeachtet der Tatsache, wie viel sie gibt oder nicht gibt (auch wenn sie so viel von sich gibt, dass es schwierig für mich wäre, je mehr zu geben).

Es gibt einen bekannten Spruch, der besagt, dass eine Ehe auf 100/100 beruhen sollte, nicht auf 50/50. Es ist wahr, dass 100/100 besser ist als 50/50, aber trotzdem ist 100/100 nicht gerecht aufgeteilt. Hundert Prozent eines Apfels ist nicht das selbe wie hundert Prozent einer Orange. Der selbstloseste Apfel kann sich nicht in eine Orange verwandeln, er kann nur sein was er ist, und das ist alles, was er geben kann. Hundert Prozent Ehemann ist nicht das selbe wie hundert Prozent Ehefrau. Das heißt nicht, dass eines weniger wert ist.

Ich glaube,dass viel ehelicher Unfriede aus dieser Tatsache erwächst. Ein Mann mag vielleicht nahe hundert Prozent von sich geben, aber er hat dies nicht auf die gleiche Art und Weise und im selben Bereich wie sie getan, also könnte die Frau denken, dass er beinahe nichts gegeben hat. Die Ehefrau weiß nicht, was es bedeutet, der Mann im Haus zu sein, die speziellen Belastungen und Herausforderungen zu tragen, die mit der Berufung eines Mannes einher gehen, also beurteilt sie ihn und seinen Beitrag unter falschen Gesichtspunkten. Der Mann tut das selbe, wenn es um seine Frau geht, und beide merken nicht, dass der jeweils andere sein Kreuz so trägt, wie es ihm selbst ganz entspricht. Sie geben beide etwas Unterschiedliches und füllen eine Rolle, die der andere nicht erfüllen kann.

Und außerdem, ganz klar, ist die Formel 100/100 unmöglich. Niemand gibt je immer hundert Prozent. Sogar die besten Ehen sind wahrscheinlich mehr 87/82, 74/83, oder so ungefähr
Der Punkt ist: dein Ehepartner könnte natürlich weniger geben als du. Oder mehr. Die statistische Möglichkeit, dass ihr genau gleich viel gebt, ist sehr gering, aber wen kümmert´s?
In jedem Moment, den wir damit verbringen zu berechnen,wie groß der Beitrag unseres Partners ist, geben wir nur uns selbst. Wir füttern unser Ego und unsere Anspruchshaltung, und während wir das tun, sinkt unsere eigene Zahl von 86 auf 83, von 72 auf 61 und es dauert nicht lange, bis wir in eine Wohnung ziehen und darum streiten, wer den Hund behalten darf.

In Wahrheit ist die „gerechte Aufteilung“ ein Fall für Scheidung, nicht für die Ehe. Sie ist etwas, worüber man sich Gedanken macht, wenn man sich trennt, sie ist das Ziel unserer Anhörungen. (obwohl ironischer Weise das Ergebnis meistens noch ungerechter ist, als die Ehe selbst je gewesen ist).
Die Ehe hat ein transzendenteres Ziel. Sie nährt sich aus Liebe und Opfer. Gerechte Aufteilung hat nichts damit zu tun.







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