18 Mai 2017, 23:30
Russisch-vatikanische Ökumene im Zeichen von Fatima und Nikolaus
 
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Franziskus betont Verbundenheit mit Russland - Patriarch Kyrill: Papst hat Christenverfolgung bewusst gemacht - Große Bedeutung der "Pilgerfahrt" von Reliquien des Heiligen Nikolaus aus Bari nach Moskau und Petersburg

Moskau-Rom (kath.net/KAP) Die Ökumene zwischen katholischer und russisch-orthodoxer Kirche ist im Marienmonat Mai gekennzeichnet durch die Bezüge zum Marienheiligtum Fatima und die Ankunft der Nikolaus-Reliquien aus Italien in Russland, verbunden mit großen Feiern in Moskau. Papst Franziskus hatte auf seiner Pilgerreise nach Fatima seine besondere Verbundenheit mit Russland bekundet. Im Gespräch mit dem TASS-Korrespondenten Aleksij Bukalow sagte er im Flugzeug, er glaube an Russland.

"Diese Pilgerfahrt habe ich mit dem Gedanken an Russland angetreten - und nicht nur deshalb, weil Ihr Land einen besonderen Platz in den Fatima-Prophezeiungen der Jungfrau Maria einnimmt. Ich messe der Entwicklung der Beziehungen zwischen der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche große Bedeutung zu, und ich danke dem Moskauer Patriarchat für seine Anstrengungen in dieser Hinsicht", sagte der Papst. In diesem Zusammenhang nannte er ausdrücklich auch die "Pilgerfahrt" von Reliquien des Heiligen Nikolaus von Bari (Süditalien) nach Moskau und St. Petersburg, die am Sonntag (21. Mai) beginnt.

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In den "Botschaften" von Fatima, die am 13. Mai 1917 begannen, wird auf die damals noch bevorstehende atheistische "Oktoberrevolution" in Russland und auf die Umkehr des Landes zum christlichen Glauben nach einigen Jahrzehnten Bezug genommen.

Ein Russland-Bezug ist auch mit dem Attentat auf Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 gegeben. Der polnische Papst hatte sein Überleben dem Schutz der Madonna von Fatima zugeschrieben und die Pistolenkugel des Attentäters Ali Agca in die Krone der Fatimastatue einarbeiten lassen. Agca hatte sich die Waffe in Österreich besorgt.

Motive wurden nie völlig geklärt

Obwohl Agcas Motive nie völlig klar geworden sind, deuten alle seriösen Indizien auf Moskau als Drahtzieher hin. In seinem Buch "Ein Leben mit Karol" sagte der persönliche Sekretär des Papstes, Kardinal Stanislaw Dziwisz, dass Papst Johannes Paulus glaubte, dass sowjetische Führer den Angriff wegen seines antikommunistischen Einflusses in seinem Heimatland bestellt hätten. Der Kardinal sagte, dass "alle Wege, so verschlungen sie auch sind, zum KGB führen".

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. gab aus Anlass der Verbundenheit mit dem Papst, symbolisiert durch die Pilgerreise der Nikolaus-Reliquien von Süditalien nach Russland, der italienischen Tageszeitung "La Stampa" (Donnerstag) ein Interview. Er sagte, dass durch das Treffen zwischen ihm und Franziskus in Havanna 2016 die Christenverfolgung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt sei. Das Thema sei vorher in den Medien kaum präsent gewesen, durch das Treffen sei die Situation der Christen im Nahen Osten und Afrika jedoch von der ganzen Welt anerkannt worden. "Unseren Brüdern und Schwestern wird das Leben genommen, nur weil sie an Christus glauben", betonte der Patriarch. Es sei unglaublich, dass solch ein "wahrhaftiger Genozid der Christen" im "zivilisierten 21. Jahrhundert" noch möglich sei.

Mit Blick auf die Beziehungen zwischen Katholiken und Orthodoxen sagte Kyrill, die Begegnung von Havanna sei trotz einiger weiter bestehender theologisch unterschiedlicher Ansichten von großer Bedeutung gewesen. Es gebe eine Perspektive zur Entwicklung der Beziehung. Laut dem Patriarch hat das Treffen mit dem Papst besonders die Bereitschaft gestärkt, gemeinsam die "Zukunft der christlichen Gemeinschaften zu verteidigen, und zur Schaffung eines stabilen und gerechten Friedens" beizutragen.

Orthodoxe Priester bei Generalaudienz

Am 10. Mai hatte Franziskus bei der Generalaudienz in außergewöhnlich herzlicher Form eine Gruppe von jungen russisch-orthodoxen Priestern begrüßt, die im Rahmen eines Austauschprogramms nach Rom gekommen waren. Das Austauschprogramm wird von der von Robert Moynihan begründeten Stiftung "Urbi et Orbi" mitfinanziert, die Brücken zwischen orthodoxer und katholischer Kirche bauen und damit zur Überwindung des "Großen Schismas" von 1054 beitragen will. "Urbi et Orbi" veranstaltet alljährlich im Juli Pilgerfahrten für Wohltäter nach Russland, in die Ukraine und nach Anatolien.

Die russische "Pilgerfahrt" von Reliquien des Heiligen Nikolaus wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Moskau von kirchlichen und kommunalen Verantwortungsträgern als "Ereignis von historischer Bedeutung" bezeichnet. Der Leiter des Pressedienstes des Moskauer Patriarchats, der Priester Alexander Wolkow, erinnerte daran, dass der Heilige Nikolaus von Myra überall in Russland verehrt wird. Umso bedeutsamer sei es, dass erstmals seit 930 Jahren einiger seiner Reliquien die apulische Hauptstadt Bari verlassen, um in russischen Städten verehrt zu werden.

Eine hochrangige Delegation mit dem Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, und dem Verantwortlichen für die russisch-orthodoxen Institutionen im Ausland, Bischof Antonij Sewrjuk, an der Spitze reist am Samstag nach Bari. Am Sonntag das Reliquiar mit Gebeinen des Heiligen Nikolaus mit einem Sonderflugzeug nach Moskau gebracht. Ab 18 Uhr Moskauer Zeit werden alle Kirchenglocken in der russischen Hauptstadt zur "Begrüßung" der Reliquien läuten. Den Abendgottesdienst in der Christus-Erlöser-Kathedrale, wo die Reliquien während ihres Moskauer Aufenthalts aufbewahrt werden, leitet Patriarch Kyrill I.

Der Erzbischof von Bari, Francesco Cacucci, hatte bei einem Gottesdienst Anfang Mai den Heiligen Nikolaus als "Zeichen der Einheit zwischen West und Ost" bezeichnet. Papst Franziskus habe die Verantwortlichen der Erzdiözese Bari ersucht, der Bitte des Moskauer Patriarchen zu entsprechen, dass ein Teil der Reliquien des Heiligen Nikolaus nach Russland gebracht werden kann.

Symbolbild: Orthodoxie




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