30 April 2017, 08:00
Die neuen Heiligen Francisco und Jacinta
 
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Die Geschwister Marto sahen in Fatima die Muttergottes - Als Kinder mussten sie ins Gefängnis, wurden dort getrennt und eingeschüchtert, doch auch das konnte sie nicht zum Widerruf bewegen.

Vatikanstadt-Lissabon (kath.net/ KAP)
Papst Franziskus spricht am 13. Mai zwei der drei Hirtenkinder von Fatima - Francisco und Jacinta Marto - heilig. Das gab der Papst am 20. April in einer auf Latein gehaltenen Ankündigung bei einem Konsistorium der Kardinäle im Vatikan bekannt. Francisco Marto - er wurde am 11. Juni 1908 in Aljustrel geboren - starb im Alter von zehn Jahren am 4. April 1919 in Fatima an der Spanischen Grippe; seine Schwester Jacinta - geboren am 11. März 1910 - starb ebenfalls im Alter von nur zehn Jahren (am 20. Februar 1920) an einer infektiösen Brustfellentzündung.

Die Kinder wuchsen in der abgeschiedenen, steinigen Hochebene Mittelportugals auf. Sie waren traditionell fromm erzogen, lebten aber in einem kirchenfeindlichen Regime, das Feiertage abschaffte und kirchliche Einrichtungen und Orden schloss. Am 13. Mai 1917 hüteten sie eine kleine Herde in der Nähe von Fatima. Auch die zehn Jahre alte Cousine Lucia war mit ihnen. Die Kinder besuchten keine Schule, Lucia musste schon seit einem Jahr die kleine Schafherde hüten, nachdem ihr alkoholabhängiger Vater einen Teil des Vermögens seiner achtköpfigen Familie verbraucht hatte.

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Jacinta und Francisco schlossen sich mit ihren Schafen der größeren Lucia an. Um die Mittagszeit, als sie wie gewöhnlich den Rosenkranz gebetet hatten, sahen sie plötzlich ein strahlendes Licht, das sie für einen Blitz hielten. Sie wollten fliehen, aber sogleich erhellte ein zweiter Blitz die Stelle, und über einer kleinen Steineiche sahen sie eine Dame, strahlender als die Sonne, die einen weißen Rosenkranz in Händen hielt. Die Dame ermahnte die Kinder, viel zu beten, und lud sie ein, in den fünf folgenden Monaten jeweils am 13. zur selben Stunde wieder zur selben Stelle zu kommen. Tatsächlich erschien ihnen die Dame jeweils am 13. Juni, Juli, September und Oktober erneut und sprach mit ihnen.

Am 19. August hatten sie die Erscheinung etwa 500 Meter von ihrem Heimatort Aljustrel bei Fatima entfernt, weil die Kinder an diesem Tag vom Bezirksvorsteher festgehalten wurden. Die Polemik in der Presse im damals streng antiklerikalen Portugal hatte den Präfekten veranlasst, einen Haftbefehl gegen die Kinder auszustellen. Im Gefängnis wurden die Kinder getrennt und eingeschüchtert. Doch auch die Einschüchterungen konnten keines der Kinder zum Widerruf bewegen.

Bei der letzten Erscheinung am 13. Oktober, als rund 70.000 Menschen anwesend waren, sagte ihnen die Dame, dass sie Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz sei und dass man ihr zur Ehre eine Kapelle an dieser Stelle bauen solle. Nach der Erscheinung konnten alle Anwesenden das den Kindern schon im Juli und September versprochene Wunder sehen: die Sonne, die einer Silberscheibe ähnlich wurde, konnte man ohne Schwierigkeit ansehen. Sie drehte sich um sich selbst wie ein Feuerrad, und es schien, als würde sie auf die Erde herabstürzen.

Drei Offenbarungen wurden den Kindern zuteil, deren letzte als Geheimnis von Fatima Jahrzehnte lang auch zu vielen Spekulationen Anlass gab. Unter dem Pseudonym Visconde de Montelo verfasste der Lissaboner Theologieprofessor Nunes Formigao 1927 eine Zusammenfasung der Protokolle der Marienbotschaften von Fatima. Der Schweizer Theologe Otto Karrer beurteilt diese Botschaften als Projektion der Kinder auf Grund der ihnen von ihrer Mutter erzählten Berichte der Marienerscheinungen von La Salette bei Grenoble in Frankreich, wo Maria schon 1846 Hirtenkindern erschienen war.

Nach dem frühen Tod von Francisco und Jacinta trat Lucia 1921 in Porto in das Kollegium der Dorotheenschwestern ein, später schloss sie sich den Dorotheenschwestern in Tuy in Spanien an. Danach erschien ihr Unsere Liebe Frau noch drei Mal: am 10. Dezember 1925 und am 15. Februar 1926 im Konvent von Pontevedra in Spanien sowie in der Nacht vom 13. auf 14. Juni 1929 im Konvent von Tuy. Sie erbat Rosenkranzgebet, Beichte und die Kommunion zur Sühne für die Sünden, die gegen das Unbefleckte Herz Mariens begangen werden, sowie die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens.

1948 ging Maria Lucia nach Coimbra und wurde Karmeliterin im Karmel der Teresa von Avila. Als Papst Paul VI. 1967 zum 50. Jahrestag der Erscheinungen in Fatima war, durfte auch Maria Lucia bei den Feierlichkeiten anwesend sein, ebenso als Papst Johannes Paul II. 1982 kam.

Papst Pius XII. vollzog 1942 die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens, die Unsere Liebe Frau von Fatima ausdrücklich gewünscht hatte. Zwei Jahre später ordnete er für die ganze katholische Kirche das Fest vom Unbefleckten Herzen Mariens am 22. August an. Im Heiligen Jahr 1950 verkündete er das Dogma von der leiblichen Aufnahme der Maria in den Himmel. Lucia starb 2005 im hohen Alter von 97 Jahren in ihrem Kloster. Für sie rückt mittlerweile eine Seligsprechung näher.

Die von ihr hinterlassenen Geheimnisse bestehen aus drei Teilen. Der erste Teil enthält die Vorhersage eines weiteren Krieges nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Das zweite "Geheimnis" besteht darin, dass Russland sich nach kommunistisch-atheistischen Revolution wieder dem Christentum zuwenden werde. Den dritten Teil der Weissagung schrieb Lucia erst 1944 nieder. Sie verband dies aber mit der Auflage, den Text nicht vor 1960 zu veröffentlichen.

Das Dokument wurde 1957 versiegelt in den Vatikan gebracht. Die Päpste von Pius XII. bis Johannes Paul II. lasen es, veröffentlichten den Inhalt aber nicht. Wegen dieser Geheimhaltung wurde lange vermutet, dass der Text schreckliche Zukunftsvisionen enthalte.

Johannes Paul II. sah mit Beginn des 21. Jahrhunderts den Zeitpunkt gekommen, das "dritte Geheimnis" zu veröffentlichen. Er tat dies bei der Seligsprechung der Hirtenkinder Jacinta und Francisco am 13. Mai 2000 in Fatima.

Darin wird in symbolisch-visionärer Weise über die Verfolgung der Kirche im 20. Jahrhundert berichtet. Der Text enthält auch die Vision eines "Bischofs in Weiß", der von Schüssen getroffen zusammenbricht. Schwester Lucia und Johannes Paul II. bekundeten, darin einen Bezug auf das Papst-Attentat vom 13. Mai 1981 zu sehen.

Beim Seligsprechungs- und beim Heiligsprechungsverfahren für die Hirtenkinder hatten die Marienerscheinungen selbst keine ausschlaggebende Rolle gespielt. Vielmehr hatte die Kirche das mustergültige Verhalten der Kinder beurteilt. So hielt sich etwa der neunjährige Francisco trotz Todesdrohungen an das ihm von der Madonna auferlegte Schweigegebot über den Inhalt der Offenbarungen.

Das für die bevorstehende Heiligsprechung erforderliche Wunder betraf ein sechsjähriges Kind aus Brasilien, das 2013 vom dritten Stock auf den Gehsteig gefallen war und sich eine Hirn- und Schädelverletzung zugezogen hatte. Es wurde völlig geheilt.

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