14 April 2017, 10:00
Koch: Kirche ließ sich auf Luther-Anliegen viel zu wenig ein
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Luther'
Kurienkardinal verweist in "Tagespost" aber auch auf positive Verhaltensweise der Kirche, denn Hadrian VI. habe "Schuld der Autoritäten der katholischen Kirche" eingestanden.

München (kath.net/ KAP/KNA)
Der im Vatikan für Ökumene-Fragen zuständige Kardinal Kurt Koch sieht angesichts der Kirchenspaltung vor 500 Jahren Schuld auf beiden Seiten. Die Kirche habe sich auf die Anliegen Martin Luthers (1483-1546) viel zu wenig eingelassen, sagte Koch der in Würzburg erscheinenden Zeitung "Die Tagespost". Mit seinen Thesen zum Ablass habe er eine akademische Diskussion anregen wollen, um die Missbräuche zu überwinden. Die kirchlichen Autoritäten, zunächst Erzbischof Albrecht von Mainz und dann Rom, hätten die von Luther vorgebrachte Kritik nicht wirklich ernst genommen. Stattdessen sei der Ketzerprozess eröffnet worden.

Werbung
weihnachtskarten


Weiter gab Koch zu bedenken, dass das Konzil, an das Luther appelliert habe, sehr lange hinausgezögert worden sei. Erst nach seinem Tod habe es stattgefunden. Zugleich verwies der Kardinal aber auch auf eine positive Verhaltensweise der Kirche. So habe Papst Hadrian VI. in seiner Botschaft an den Reichstag zu Nürnberg "die Schuld der Autoritäten der katholischen Kirche" eingestanden. Die Wahrung der Einheit sei dem Papst ein wichtiges Anliegen gewesen. "Dies sind verheißungsvolle Wegen gewesen, die aber leider nicht mehr zum Ziel führen konnten", so Koch.

Auf dem Weg zur Wiedergewinnung der Kirchengemeinschaft sieht der Kardinal die Frauenordination als eine besondere Schwierigkeit im Hinblick auf die Anerkennung der kirchlichen Ämter. Diese Frage müsse aber in einen größeren Zusammenhang aufgenommen werden. Im Dialog mit den Lutheranern habe er dazu vorgeschlagen, eine gemeinsame Erklärung über Kirche, Eucharistie und Amt vorzubereiten. In diesem Kontext müsse dann auch die Amtsfrage geklärt und eine gemeinsame Lösung gesucht werden, sagte Koch.

Weiter plädierte der Kardinal dafür, 2030 ebenso gemeinsam zu begehen wie das Reformationsgedenken 2017. Dann nämlich sei es 500 Jahre her, dass in Augsburg der Reichstag mit der Verkündigung der "Confessio Augustana" stattgefunden habe. Dies sei in der Reformationszeit der letzte Versuch gewesen, die Einheit noch zu retten. Die "Confessio Augustana" ist die grundlegende und bis heute gültige lutherische Bekenntnisschrift, die in Augsburg verabschiedet wurde.

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten

Foto: (C) kath.net







kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.

Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben


 

meist kommentierte Artikel

Facebooksperre für Birgit Kelles Kritik an Hidschab-Barbie - UPDATES! (53)

Was wissen wir aus Schrift und Lehre der Kirche über das Fegfeuer? (36)

Das größte Problem der Kirche ist ein Glaubensproblem (33)

Gouverneur Brown zum Klimawandel: ‚Gehirnwäsche’ notwendig (29)

Päpstliches Zigarettenverkaufsverbot ist „gewaltiger Paukenschlag“ (29)

Drittes Geschlecht? Biologische Fakten und postfaktische Fiktionen (27)

Justizklage gegen belgischen Priester wegen Beichtgeheimnis (24)

ZDF: Ehe „light“ in Frankreich (21)

Bärtige Männer fordern Ordensfrauen zur Konversion zum Islam auf (21)

Modezar Karl Lagerfeld empört mit Antisemitismusvorwurf (20)

'Repräsentanten einer ethisch, humanistisch orientierten Organisation (18)

Für mich einfach traurig (17)

Papst sprach mit Kurienleitern über Priesterausbildung (15)

„Mohammad“ bereits auf Platz 5 der Kindernamen in Wien (15)

Papst zum Lebensende: Einstellung der Therapie ist keine Euthanasie (15)