27 März 2017, 11:00
Vergessenes Sakrament Beichte
 
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Ostern wäre die Gelegenheit, es neu zu entdecken. Von Peter Winnemöller

Geseke (kath.net/The Germanz/pw) Es steht im Katechismus. Doch wer liest den schon? Es steht im Gotteslob. Doch wer schlägt im Gotteslob jemals etwas auf, was nicht der Liedanzeiger gebietet? In vielen Gemeinden wird tunlichst darüber geschwiegen. Zuweilen hat man kaum eine Möglichkeit dazu. Zu Ostern wird es dann doch wieder virulent, denn so manch einer erinnert sich daran, dass man in der österlichen Zeit doch mal sollte. Der Profi hat es längst erraten. Es geht um die verpönte Beichte.

In allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen besteht Konsens, dass es gut ist, Probleme auszusprechen. Wir haben Berater, Coaches, Mediatoren und Supervisoren in vielen Bereichen und Zusammenhängen. Auch da geht es immer darum, Probleme ins Wort zu bringen. Es gehört inzwischen fast schon zum guten Ton einen Psychotherapeuten zu haben. Die Praxen sind überlaufen, die Wartezeiten sind lang. Ob in jedem Fall eine Therapie angezeigt ist, darf man hinterfragen. Der Psychotherapeut kann helfen, wenn die Psyche krank ist. Wer hat schon eine gesunde Psyche in unserer bekloppten Welt?

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Aber nicht alles ist gleich krank im Sinne einer echten Störung der normalen Lebensvollzüge. Manchmal ist schlicht und ergreifend das Verhältnis Mensch – Gott gestört. Man könnte in der Tat die Sünde als eine Störung zwischen Gott und Mensch auffassen. Gott ist viel zu groß, als dass wir Menschen ihm schaden könnten. Und dennoch lässt Gott sich treffen von den Verfehlungen der Menschen. Gott geht sogar noch weiter, denn in Jesus Christus hat er die Sünden der Welt auf sich genommen und am Kreuz besiegt. Das ist das tiefste Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen. Das Denken sperrt sich an dieser Stelle. Nur die liebende Betrachtung öffnet einen Weg des Nachvollziehens.

Wenn nun eine Störung Mensch – Mensch vorliegt, dann ist oft gleich das Verhältnis zu Gott mit gestört. Die Liebe Gottes zu jedem Menschen hört eben nie auf und übertrifft alles intellektuelle Begreifen. Wir sind es gewohnt, Störungen ins Wort zu bringen. Da haben sich gute Techniken in den Sozialwissenschaften und der Psychologie entwickelt, die für Wirtschaft aber auch für den Alltag der Menschen große Auswirkungen haben können. Es liegt darin viel Potential für Heilung oder präventive Vermeidung von Störungen. Kommunikationstechniken bringen Menschen ins Gespräch, die sich dem vielleicht sonst verweigern würden. Auch hierarchische Hürden können so aufgebrochen werden.

Wie sehr so etwas fehlverwendet werden kann, wissen wir nur zu gut. Organisationsberatung dient nicht selten dafür, die Abrissbirne etwas zu polstern oder die Massenkündigungen schön zu reden. Auch im kirchlichen Bereich sind Dialoge oft genug ausgrenzend statt integrierend. Bei offenen Prozessen wissen die Hauptprotagonisten das Ergebnis schon vor Beginn der Beratungen. Die dunkle Seite der von Menschen erfundenen Techniken ist nun einmal die Manipulation, die damit möglich wird. Das Gute, die Probleme ins Wort zu bringen, wird konterkariert, indem das Schlechte, die Manipulation der Teilnehmer, genau damit erzielt wird. Der Sündenfall hat selbst die besten Fähigkeiten des Menschen nachhaltig gestört.

Die Heilung einer Störung kann dem Grunde nach nur von Gott kommen. Der Mensch kann mit seinen Fähigkeiten, wirkungsvolle Techniken zu entwickeln, niemals die Fülle erreichen. Das Prinzip ist ja sogar von der säkularen Welt verstanden. Rede darüber! Die Kirche hat von Gott Zeichen geschenkt bekommen, mit denen sie tatsächlich heilend, das heißt zum ewigen Heil führend, wirken kann. Es sind sieben an der Zahl und wir nennen sie Sakramente, d.h. Zeichen des Heils. Die Beichte gehört dazu. Sie ist verpönt, weil man Beichtvätern manipulatives Verhalten vorgeworfen hat. Weil Menschen sagen, sie hätten unter der Beichte gelitten. Es habe Zwänge gegeben, Doppelmoral und psychischer Druck habe ihr Bild von der Beichte geprägt. Das mag sein, und wenn dem so ist, dann ist das schlimm. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Auch die Beichtväter haben sich mehrheitlich auf die alte Tugend besonnen: Auf der Kanzel ein Löwe, im Beichtstuhl ein Lamm. Die Beichte geht nämlich weiter als alle kommunikativen Techniken in der Interaktion zwischen Menschen. Wenn alles ausgesprochen ist, was stört, die Kirche nennt das Sünde, dann kommt von Gott die Zusage, dass jetzt alles geheilt ist. Die Absolution, die der Beichtvater spricht, ist wirklich absolut. Da bleibt nichts mehr beim Menschen hängen, der seine Sünden bereut und bekannt hat. Und mir haben Priester gesagt, dass sie selber an der Beichte geistlich wachsen. Eine Geschichte aus der Biografie des Hl. Papstes Johannes Paul II. weiß zu berichten, dass der Geheimdienstagent, der den Beichtstuhl des damaligen Weihbischofs verwanzt hat, sich durch Mithören der Beichten bekehrt hat. Er hat dies dem Bischof Wojtyła unter Tränen gestanden, er habe tausende Beichten gehört. Der spätere Papst sagte ihm die Vergebung Gottes zu.

Die Beichte erlebt eine Renaissance. Das ist die gute Nachricht. Sie hat den Weg in die Pfarreien noch nicht wieder gefunden. Das ist die schlechte Nachricht. Konnte man früher am Samstag mal eben in die Dorfkirche gehen und war sicher dort einen Beichtvater anzutreffen, muss man heute in den nächstgrößeren Ort oder in ein Kloster fahren. Das allerdings ist wieder eine gute Nachricht. Es haben sich regelrechte Beichtkirchen entwickelt. Daneben gibt es Priester, die die Beichte persönlich sehr schätzen und als Geheimtipps weitergereicht werden. Da kann man anrufen und sich einen Termin holen.

Eine Anekdote zum Schluss. Ein früherer Dorfpfarrer erzählt gerne, am Karsamstag habe das Dorf immer besonders aufgeräumt gewirkt. Nicht nur die Straßen und Höfe waren zu Ostern blitzblank. Man hatte das Gefühl, sogar die Luft sei reiner. Und selbst Erzfeinde bemühten sich für zwei Tage um einen Umgang, der ihnen die heiligmachende Gnade nicht gleich wieder versemmelte. Etwas war anders als sonst. Das ganze Dorf hatte gebeichtet.

Es ist gerade die österliche Zeit, wo die frommen Bäckersleut … nein, das war etwas anderes. Es ist die Zeit, die das Kirchengebot empfiehlt, um wenigstens einmal jährlich zu beichten. Das ist eine Minimalanforderung. Frühjahrshausputz, den Garten richten, Beichten gehen, für Ostern einkaufen. Das ist doch mal ein Programm für die Karwoche. Und für Anfänger in Sachen Beichte haben Beichtväter in der Regel ein besonders großes Herz. Man wird dann halt an die Hand genommen und durch die eigene Beichte geführt. Wie der Ablauf sein soll, steht im Gotteslob. Das liegt in jeder Kirche aus. Es sind noch drei Wochen bis Gründonnerstag. Wenn es heute oder morgen nicht klappt, dann vielleicht nächste Woche.

kath.net-Buchtipp:
Beichte konkret - Positive Erfahrungen mit dem Bußsakrament
Von Petra Lorleberg (Hrsg.)
Vorwort von Kardinal Paul Josef Cordes;
Beiträge von Paul Badde; Karl Wallner; Martin Lohmann; Michael Schneider-Flagmeyer; Claudia Sperlich; Weihbischof Dominik Schwaderlapp;
Taschenbuch, 134 Seiten
2016 Dip3 Bildungsservice Gmbh
ISBN 978-3-903028-43-2
Preis 9.80 EUR

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