26 März 2017, 08:00
Prag: Tausende nahmen Abschied von Kardinal Vlk
 
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Kardinal Duka würdigte Bemühen seines Amtsvorgängers um Aussöhnung zwischen Tschechen und Deutschen.

Prag (kath.net/ KAP)
In Tschechien haben am Samstag Tausende Katholiken dem Prager Kardinal und Alterzbischof Miloslav Vlk das letzte Geleit gegeben. Sie verabschiedeten sich von dem langjährigen Würdenträger mit einem mehr als zweistündigen Trauergottesdienst im Prager Veitsdom, den sein Nachfolger im Amt, Dominik Duka, zelebrierte. Es assistierten dabei Kardinal Christoph Schönborn und der Olmützer Erzbischof Jan Graubner. Auch der emeritierte Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern nahm an der Trauerliturgie teil. Kardinal Vlk war am vergangenen Samstag im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung verstorben.

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Ferngeblieben waren dem Trauerakt sowohl Präsident Milos Zeman als auch Ministerpräsident Bohuslav Sobotka. Zeman hatte durch seinen Sprecher mitgeteilt, er wolle angesichts seines angespannten Verhältnisses zum Verstorbenen nicht als Heuchler erscheinen und schicke deshalb einen Kranz. Sobotka hatte dem Kardinal bereits am Donnerstag am offenen Sarg im Veitsdom die Reverenz erwiesen.

Verdient um Aufbau der Kirche nach Wende

Am Beginn des Gottesdienstes unterstrich Kardinal Duka die Aufbauarbeit des Verstorbenen nach der Samtenen Revolution von 1989. Der frühere Primas von Böhmen habe "nicht nur für die katholische Kirche gewirkt", "sondern auch für Tschechien als Staat". Vlk habe das Erzbischöfliche Ordinariat erneuert, das katholische Schulwesen gefördert und die Grundlagen der Caritas gelegt. Ihm sei als Nachfolger Kardinal Tomaseks "die Aufgabe zugefallen, das Gebäude der Kirche im freien, souveränen und demokratischen Staat zu errichten". Duka erwähnte ausdrücklich Vlks Verdienste um die Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen. Vlk habe die "braune und die rote Diktatur" kennengelernt und durchlitten. Später habe er "die Grundlagen für die Caritas in unserem Land" gelegt, sagte Duka.

Dem Wunsch des Verstorbenen entsprechend wurde der Gottesdienst ganz im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Fokolare-Bewegung gehalten, der Kardinal Vlk seit Jahrzehnten verbunden war. Chor und Choralschola prägten mit gregorianischen Gesängen und Werken des 2007 verstorbenen tschechischen Komponisten Petr Eben das musikalische Programm. Vom Volk mitgesungen wurden die Lieder "Näher, mein Gott, zu dir", der ins 13. Jahrhundert zurückreichende Wenzelschoral, die Papsthymne "Christus vincit" und das klösterliche "Salve regina". Am Ende der Kommunion erklang in einer Fassung für Orgel sowie Flügel- und Englischhorn das Thema aus dem zweiten Satz von Antonin Dvoraks Symphonie "Aus der Neuen Welt".

Starke Präsenz bei den Begräbnisfeierlichkeiten zeigte die christliche Ökumene: Die Lesung hielt der Prediger der Kirche der Brüderkirche (Cirkev bratrska) und frühere Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in der Tschechischen Republik, Pavel Cerny. Der Patriarch der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche, Tomas Butta, erinnerte durch seine Anwesenheit an die von Kardinal Vlk vorangetriebene Aussöhnung der katholischen Kirche mit dem Reformator Jan Hus.

Zum Abschluss des Trauergottesdienstes wurde der Sarg mit der sterblichen Hülle Vlks unter Glockengeläut in der Krypta der Erzbischöfe beigesetzt. Anstatt Blumenspenden hatte Kardinal Vlk Spenden für das Hospiz im südböhmischen Horice erbeten.

Schon in den vergangenen Tagen hatten Tausende Menschen Abschied von Vlk genommen. Er war seit Donnerstag im offenen Sarg im Veitsdom aufgebahrt. Seit Freitagnachmittag war der bereits geschlossene Sarg dann in der Klosterkirche der Unbeschuhten Karmeliterinnen auf dem Hradschiner Platz der Moldaustadt öffentlich gezeigt worden. Zum Gottesdienst im Veitsdom auf dem Gelände der Prager Burg waren die Menschen vielfach schon am Vorabend aus allen Teilen des Landes angereist.

Eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes läutete zunächst die Sterbeglocke der völlig überfüllten böhmischen Kathedrale. Nach und nach stimmten alle anderen Glocken ein. Die Glocke für Johannes den Täufer läutete 19 Minuten - für jedes Jahr des Kardinals in seinem Amt eine Minute.

Zu den ausländischen Konzelebranten des Gottesdienstes im Dom gehörten neben Kardinal Schönborn der Kölner Alterzbischof Kardinal Joachim Meisner, der Krakauer Alterzbischof und frühere Papstsekretär Kardinal Stanislaw Dziwisz sowie der Erzbischof von Bangkok, Francis Xavier Kriengsak als Vertreter der Fokolare-Bewegung. Weitere Mitfeiernde waren der Erzbischof von Zagreb, Kardinal Josip Bozanic, der Erzbischof von Bratislava und Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, Stanislav Zvolensky und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.

Die Trauerfeier wurde über große Bildschirme auch auf die Plätze des Burg-Areals übertragen. Das tschechische Fernsehen und der Hörfunk sendeten live aus dem Veitsdom.

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