28 März 2017, 10:00
Wie erkennen wir die Gnadenwirkung Gottes?
 
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„Nur der gläubige Mensch kann die Gnade Gottes erkennen, was aber nicht heißt, dass der Ungläubige vom Gnadenwirken Gottes ausgeschlossen wäre.“ Gedanken eines Nichttheologen. Gastbeitrag von Stefan Fleischer

Grenchen (kath.net) Wie erkennen wir die Gnadenwirkung Gottes? Das war die Frage in einer Internetdiskussion. Um diese zu beantworten – dessen war sich der Fragesteller bewusst – müssen wir zuerst die Frage beantworten: Was ist überhaupt Gnade? Von was sprechen wir, wenn wir von Gnade reden? Wohl deshalb lieferte er zuerst seine Definition dieses Begriffes: „Gnade ist die wohlwollende und freiwillige Zuwendung, hier der freie unverdienbare Hulderweis Gottes gegenüber dem gläubigen Menschen.“

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Diese Definition tönt nach Katechismus. Es wäre aber falsch, sie deswegen abzulehnen. Ich selber habe bisher noch keine bessere gefunden. Und in der heutigen Verkündigung kommt Gnade so wenig vor, dass man eine zeitgemäße Antwort kaum findet, schon gar nicht eine, welche nicht alles und jedes bedeuten kann. Die Gnade, von der wir hier sprechen, ist also zuerst einmal die Zuwendung Gottes zu uns Menschen im Allgemeinen und dann sein Hulderweis, sein Handeln an uns und für uns. Gnade ist also ein Begriff, welcher zu unserem Glauben an einen in der Geschichte handelnden Schöpfergott gehört.

Dass es in der Sprache unseres Glaubens verschiedene Arten von Gnade gibt, die heiligmachende Gnade einerseits und die helfenden Gnaden andererseits, unter welchen die Standesgnaden eine besondere Stellung einnehmen, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Eine andere Unterscheidung spricht von den sakramentalen Gnaden einerseits und den „alltäglichen“ Gnaden, wenn ich sie einmal so nennen darf. All dessen müssen wir uns bewusst sein, wenn wir uns nun die Frage stellen, wie wir diese Gnadenwirkungen erkennen.

Dann aber wird uns bald einmal klar, weshalb dieser Diskussionsteilnehmer vom „Hulderweis Gottes gegenüber dem gläubigen Menschen“ schreibt. Nur der gläubige Mensch kann die Gnade Gottes erkennen, was nicht heißt, dass der ungläubige vom Gnadenwirken Gottes ausgeschlossen ist. „Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“, sagt die Bibel. (Mt 5,45) Die Zuwendung Gottes uns gegenüber, sein Handeln an uns und in der ganzen Schöpfung aber bewusst erkennen kann nur der gläubige Mensch. Nur der Glaube, im Verein mit der Hoffnung und der Liebe, öffnet uns einen Zugang zum unergründlichen Geheimnis Gottes und damit zum unergründlichen Geheimnis seiner Gnade. Und dabei ist schon der Glaube, die Fähigkeit des Menschen in eine persönliche Beziehung zu diesem personalen Gott zu treten, eine Gnade.

Wenn wir dann dabei nicht vergessen, dass jede echte Beziehung auf Gegenseitigkeit beruht, so erschließt sich noch ein weiterer Aspekt. Um die Gnade Gottes als solche zu erkennen müssen wir auf sie, das heißt auf die Zuneigung, den Anruf Gottes an uns, antworten, womit nun unsere Frage beantwortet ist: Der Mensch erkennt das Gnadenwirken Gottes indem er mit Glaube, Hoffnung und Liebe darauf antwortet.

Abendstimmung




Foto oben (c) kath.net/Petra Lorleberg







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