04 April 2017, 09:00
Keine Offenbarung Gottes
 
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Ein muslimischer Forscher über die Entstehung des Herzstückes des Islam: den Koran / Von Günther Klempnauer / Vision 2000

Wien (kath.net/Vision2000)
Zum Tode verurteilt, steht er unter dauerndem Polizeischutz, denn seine Untersuchungen er­gaben, dass der Koran keine wörtliche Offenbarung Gottes sei, sondern ein von Menschen gemachtes Buch. Inter­view mit dem Islamkritiker und Muslim Hamed Abdel-Samad:

Wir sprechen über den Koran. Sagen Sie etwas über seine Entstehung und endgültige Autorisierung.

Hamed Abdel-Samad: Das heilige Buch der Muslime besteht aus 114 unterschiedlich langen Suren, die nicht chronologisch, sondern der Länge nach aneinander gereiht worden sind. Jeder gläubige Muslim geht davon aus, dass der Koran Mohammed direkt durch den Erzengel Gabriel offenbart wurde. Der Koran erzählt weder die Geschichte Mohammeds noch die Geschichte der Welt. Es handelt sich eher um Momentaufnahmen von vorwiegend entstellten fragmentarischen Prophetengeschichten und Gleichnissen des Alten und Neuen Testaments, um Aufrufe zum Monotheismus, Warnungen vor der Hölle und Beschreibungen des Paradieses. Debatten über Juden und Christen und Kriegsprotokolle. Die Suren wurden mündlich überliefert. Erst Jahrzehnte nach dem Tod des Propheten wurde der Koran als kanonischer Text geheiligt und zur Grundlage politischen und juristischen Handelns. Die Herrscher, die nach Mohammed regierten, suchten nach Legitimation für ihre Macht und für ihre Eroberungszüge und fanden im Koran die perfekte Vorlage dafür. Vor 1000 Jahren einigten sich die islamischen Gelehrten darauf, dass allein ihre Auslegungen des Korans und der Hadith gelten sollten. Seitdem ist der Text ein perfektes, in sich geschlossenes Manifest, das jenseits von Zeit und Raum bis heute allgemein gültig ist.

In Ihrem neuesten Buch „Der Koran Botschaft der Liebe und Botschaft des Hasses“ widmen Sie sich dem Herzstück des Islam. Denn der Koran ist das mächtigste Buch der Welt, das als das letzte Wort Gottes gilt. Es beinhaltet eine Gesellschafts- und Rechtsordnung, die für viele Muslime bindend ist und das weltpolitische Geschehen der Gegenwart nach wie vor beeinflusst. Was beabsichtigen Sie mit diesem Buch, das sich mit der Koranforschung beschäftigt?

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Abdel-Samad: Bisher gab es keine Veröffentlichungen in der Koranforschung, welche die relevanten Passagen sammelt und sie historisch-kritisch beleuchtet und einordnet. Als ich mich mit der Entstehungsgeschichte des Korans und seinen Quellen beschäftigte, war mir klar: Das Buch ist nicht vom Himmel gefallen. Wir können das Agieren und Reagieren von Mohammed und seiner Gemeinschaft sowie die Antworten, die auf die Bedürfnisse dieser Gemeinschaft zugeschnitten sind, nachvollziehen. Innerhalb von 23 Jahren hat der Koran seine Haltung mehrfach verändert. Deshalb ist es unverständlich, wie dann nach 1400 Jahren noch heute in unserer Gesellschaft mit andern Bedürfnissen und Herausforderungen der Koran noch gültig sein soll.

Sie vergleichen den Koran mit einem Supermarkt, auf dem man alles kaufen kann.

Abdel-Samad: Tatsächlich ist der Koran ein Supermarkt mit vielen Produkten, und jeder kann sich darin bedienen, wie er möchte. Allerdings sind dort die Beschriftungen, die Zutaten und das Verfallsdatum nicht klar gekennzeichnet, und die Regale sind durcheinander. Die friedlichen Muslime suchen im Koran die friedlichen Passagen und finden sie. Die gewaltbereiten Muslime suchen die gewaltbejahenden Passagen und finden sie auch. Und das mit der gleichen Legitimation, denn es ist ja vermeintlich das Wort Gottes. Wenn wir das Ganze vermenschlichen und die Geschichte mit Gottes Offenbarung beiseite legen, dann können wir sagen, dass das Buch insgesamt eine menschliche Erfahrung beschreibt und die Entwicklung einer Gemeinschaft innerhalb von 23 Jahren protokolliert. Dazu gehören auch Emotionen, Prinzipien und Verfehlungen. Deshalb ist es relativ ausgeglichen.

Für Sie ist der Koran also ein menschengemachtes Buch, in dem Mohammed die Entwicklung der Gemeinde 23 Jahre lang dokumentiert hat. Darauf beziehen sich sowohl Moslems, die in Toleranz leben, als auch die IS-Terroristen, die damit ihre mörderischen Taten legitimieren. Beides beinhaltet der Koran, die Botschaft der Liebe und die Botschaft des Hasses. Wie ist das möglich?

Abdel-Samad: In meinem Buch gebe ich zunächst einen Überblick über die Entstehungsgeschichte. In einem Abgleich der Koransuren mit Mohammeds biographischen Stationen stelle ich dann fest, dass der Prophet immer genau das verkündet, was ihm in seiner jeweiligen Lebenssituation dienlich war. Die sich widersprechenden Suren des Korans sind ein Indiz dafür, dass der Koran kein heiliges, von Gott selbst geoffenbarter Text sein kann, sondern ein Spiegel menschlicher Befindlichkeiten und Defizite.

In Mekka, wo Mohammed geboren wurde, gab es eine jüdische und eine christliche Gemeinde. Hier kam er auch mit dem Alten und Neuen Testament in Berührung. Im Koran stehen viele Geschichten aus der Bibel, von Abraham über Moses, Noah, den Propheten und Jesus und Maria. Aber er hat diese Geschichten so umgeformt und gedreht, dass sie zu seiner Situation passten. In Mekka gründete er seine erste Gemeinde, die anfangs sehr klein war und auf schwachen Füßen stand. Deshalb stand zunächst die Botschaft der Liebe im Vordergrund: Nächstenliebe, Vergebung und Toleranz, weil er auf Toleranz angewiesen war.

Wie hat Mohammed das Alte und Neue Testament bewertet?

Abdel-Samad: Zunächst hat er die heiligen Bücher der Juden und Christen als göttliche Schriften beschrieben, von Gott direkt offenbart, die die absolute Wahrheit beinhalten. Die Juden waren für ihn die Hüter des Gesetzes. Als sie seine Zuneigung nicht erwiderten, bezeichnete er sie als Verfälscher und Verräter des Wortes Gottes. Nach seiner Flucht von Mekka nach Medina suchte er zunächst die Gunst der relativ großen christlichen Gemeinde. Die Christen werden zunächst als barmherzig und gütig beschrieben. So wie Jesus auferstanden ist und in den Himmel erhoben wurde, so wurden auch die Christen im Koran wohlwollend als Gläubige bezeichnet, die am Jüngsten Tag auf die Gnade Gottes hoffen dürfen.
Die biblische Vorstellung von einem Schöpfergott hat Mohammed beeindruckt. Aber die zentrale Rolle Jesu als Menschen- und Gottessohn passte nicht in sein Konzept, weil er Ihn als Konkurrenten betrachtete. Wie hat er dieses Problem gelöst?

Abdel-Samad: Mohammed war von den Jesus-Geschichten im Neuen Testament beeindruckt und hat sie, wenn auch verfälscht, in seinem Sinne in den Koran aufgenommen. Für ihn ist Jesus ein Prophet, der Wunder getan und auch eine Himmelfahrt erlebt hat. Aber seine Erlösungsbotschaft als Gottessohn verwarf er. Die Prophezeiung Jesu, dass nach ihm einer kommen wird, der größer sei als er, bezieht Mohammed wunschgemäß auf sich selber. Jesus aber meinte den Heiligen Geist. Als die Christen den Größenwahn Mohammeds ablehnten und der Widerstand gegen ihn wuchs, wurden die Christen seine Feinde.

Der von Juden und Christen abgelehnte Religionsstifter baute in Medina eine siegreiche Armee auf. Als siegreicher Feldherr kehrte Mohammed in seine Heimatstadt Mekka zurück. Wie verhielt er sich gegenüber seinen Landsleuten?

Abdel-Samad: Es wurde ein Rachefeldzug. Er kannte keine Gnade. Außerdem zerstörte seine Armee alle Kultstätten, so wie heute auch der IS-Staat in Syrien oder im Irak es nach dem Vorbild Mohammeds getan hat. Er schrieb in seinem Sinne die biblische Abraham-Geschichte um, indem er den Stammvater Abraham mit einer Axt alle Götzenbilder in Mekka zerstören ließ. Auf diese Sure beriefen sich sowohl der IS-Staat als auch die Taliban, die in Afghanistan die jahrtausendalten Buddhastatuen vernichteten.

Je mächtiger und siegreicher Mohammed wurde, desto häufiger führte er Kriege. Wie begründete er dieses grausame Vorgehen?

Abdel-Samad: Als siegreicher Staatsführer dominierte nun die Botschaft des Hasses. Der Krieg gegen Ungläubige, Juden und Christen wurde verherrlicht und zu einer heiligen Mission erhoben, sogar zu einem Gottesdienst mystifiziert. Den Engeln gibt Allah Anweisung, wie genau sie die Ungläubigen in der Schlacht töten sollen. So nehmen die IS-Kämpfer nicht nur den Propheten zum Vorbild, wenn sie die Ungläubigen enthaupten, sondern auch die von Allah gesandten Engel. In dem Momente, wo Allah selbst in den Kampf eingreift und tötet, ist die Teilnahme am Kampf nicht mehr nur ein zweifelhaftes Mittel der Politik, sondern wird zum Gottesdienst. Allah ermutigte die Gläubigen, aktiv in den Kampf zu ziehen und dort auch zu sterben.

Auf diesem Hintergrund versteht man den Märtyrerkult der Islamisten und die Faszination junger Männer, sich in die Luft sprengen.

Abdel-Samad: Genauso ist es egal, wie der Kampf ausgeht. Gewinnen die Islamisten die Schlacht, gibt es Landgewinn, Kriegsbeute und schöne Sex­sklavinnen. Fällt man im Kampf als Märtyrer, kommt man direkt ins Paradies, das im Koran 66 Mal erwähnt wird. Im Paradies gibt es alles, was sich der Mann in der Wüste wünscht. Es ist ein prächtiger Ort sinnlicher Genüsse mit Fleisch und Wein. Vor allem Jungfrauen mit wohlgeformten Brüsten. Militante Islamisten werben für den Dschihad. Sie locken junge frustrierte Männer mit der Verheißung, sie könnten sich den direkten Weg ins ewige Glück freibomben. Wer als Märtyrer stirbt, hat einen dauerhaften Platz im Paradies sicher.

Es ist nicht nur das soziale Elend, das die jungen Leute veranlasst, IS-Kämpfer zu werden. Es sind auch viele studierte, intellektuelle Leute und Ingenieure dabei. Heute gibt es weltweit 35 andere Kriege, in denen derartige Gräueltaten wie im IS-Staat in dieser massiven Form nicht vorkommen. Beim IS-Terror-Regime handelt es sich um ein ideologisches Problem. Der Sprengstoff ist die Macht des Korans mit dieser göttlichen Botschaft des Hasses. Wer das ignorieren will, tut dem Frieden keinen Gefallen. Seit dem 11. September 2001 wird uns eingetrichtert, der Islam sei die Botschaft des Friedens, und die Islamisten würden den Koran missbrauchen. Wahr ist, dass die Botschaft des Hasses im Koran festgeschrieben ist.

Chronologisch gesehen gilt die allerletzte Sure 9 als Vermächtnis des Propheten, in der noch einmal erklärt wird, wie er mit den Ungläubigen, mit Juden und Christen, aber auch mit Sündern und Zweiflern unter den Muslimen umgehen soll. Was steht da?

Abdel-Samad: Sie beginnt mit der Aufkündigung aller Friedensverträge. Muslime dürfen nicht zum Frieden aufrufen, solange sie die bessere Ausgangslage haben. Sind sie aber bedrängt, können sie kurzfristig Friedensabkommen schließen. Erschlagt die Götzendiener, wo ihr sie findet und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch bereuen und das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen, lasst sie ihres Weges ziehen. Allah ist verzeihend.

Wenn man den historischen Kontext und die Lebenssituation des Propheten berücksichtigt, werden selbst Koranverse, die scheinbar friedlich und harmonisch gemeint sind, preisgegeben. Können Sie dazu ein Beispiel geben?

Abdel-Samad: Im Koran steht: „Wenn sie, die Ungläubigen, zum Frieden neigen, dann sei ihm auch du zugeneigt oder schließ mit ihnen Frieden ab.“ Das verstehen viele Muslime, Imame und Dialog-Profis als Aufruf zum Frieden. Aber es gibt eine spätere Passage, die sagt: „Und rufe nicht zum Frieden auf, wenn du die obere Hand hast.“ Das ist ein klarer Beweis, dass es sich hier nicht um allgemeine Prinzipien von Frieden und Krieg handelt, sondern nur um strategische Optionen. Das zeigt die menschliche Dimension, das ist Pragmatismus, teilweise sogar Machiavellismus. Um die Macht zu behalten und auszudehnen, ist Mohammed jedes Mittel recht gewesen. Er hat Gesetze und Moral verändert und sie als Gesetze Allahs ausgegeben. Denn das garantierte die Gefolgschaft. Denn wer kann schon Gott widersprechen? Ein Dilemma, das den Islam bis heute begleitet. Unter der Prämisse, dass es Gott selbst sei, der keine Fragen dulde und keinen Zweifel zulasse, könne sich keine Kultur des kritischen Denkens entwickeln.

Wenn moderate Muslime in Talkshows die Botschaft der Liebe im Koran hervorheben wollen, zitieren sie gerne Sure 5,32: „Wer eine Seele ermordet, ohne dass er einen Mord im Lande begangen hat, soll sein wie einer, der die die ganze Menschheit ermordet hat. Und wer einen am Leben erhält, soll sein, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten.“ Das klingt doch sehr überzeugend.

Abdel-Samad: Diese Sure beginnt aber mit den Worten: „Aus diesem Grunde haben wir den Kindern Israels verordnet, dass wer….“ Leider wird der Anfang dieses Verses weggelassen, um den Eindruck zu erwecken, es handle sich um ein islamisches Gebot. Tatsächlich ist es ein Zitat aus dem Talmud, welches das jüdische Tötungsgebot „Du sollst nicht töten“ untermauert.

Die islamische Haltung zum Töten steht bereits im darauf folgenden Vers in der gleichen Sure: „Siehe, der Lohn derer, welche Allah und seinen Gesandten befehden und Verderben auf der Erde betreiben, ist nur der, der sie getötet und gekreuzigt oder an Händen und Füßen wechselseitig verstümmelt oder aus dem Land vertrieben werden.. Das ist ihr Lohn hienieden und im Jenseits wird ihnen schmerzliche Strafe zuteil.“ (Sure 5,33)

Worin sehen Sie den entscheidenden Unterschied im Gottesbild zwischen Islam und Christentum?

Abdel-Samad: Für mich liegt der entscheidende Unterschied in der Opfergeschichte. Im Christentum ist Gott Mensch geworden und opfert sich durch seinen Kreuzestod für die schuldig gewordene Menschheit. Im Koran fordert Allah von den Gläubigen, dass sie sich für ihn opfern sollen. Allah fordert Menschenopfer. Und das war für Mohamed sehr wichtig. Er brauchte eine starke Armee. Dadurch konnte er die Leute instrumentalisieren. Der Mensch ist verloren, es sei denn, er kämpft für die Sache Gottes.

Das Gespräch hat Günther Klempnauer geführt.







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