14 März 2017, 11:45
Niederländische Bischöfe präsentieren Fragenkatalog zur Parlamentswahl
 
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Allererster Punkt im Brief der römisch-katholischen Bischöfe der Niederlande: Das menschliche Leben besitzt unantastbare Würde besitzt und verdient Schutz vom Zeitpunkt der Empfängnis bis zum natürlichen Tod

Amsterdam (kath.net) kath.net dokumentiert den Brief der römisch-katholischen Bischöfe der Niederlande anlässlich der Wahlen zur Zweiten Kammer [des niederländischen Parlaments] am 15. März 2017 in voller Länge. Übersetzt aus dem Niederländischen von Matthias Caspers - Copyright der Übersetzung: © kath.net

Gemeinsam für das Allgemeinwohl Verantwortung tragen – „Prüfe genau die Vorschläge, bete und wähle entsprechend deinem Gewissen!“

Am 15. März dieses Jahres werden wir die Mitglieder der Zweiten Kammer wählen. Es ist von großer Wichtigkeit, dass wir an der Wahl teilnehmen. Da wir in einer demokratischen Gesellschaft leben, ist die Möglichkeit zur Teilnahme an der Wahl ein Recht und ein Privileg. Es ist jedoch auch eine Pflicht um auf diese Weise einen Beitrag zum Allgemeinwohl zu leisten. Mit unserer Wahl können wir ersichtlich machen, was unser Wille für den Menschen und das Zusammenleben der Menschen ist. In diesem Brief wollen wir Ihnen, ausgehend von unserem römisch-katholischen Glauben einige Gedanken mitteilen, die für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Wahlrecht von Wichtigkeit sind.

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Respekt für das Leben

Der Kern unseres Glaubens ist, dass jeder Mensch nach dem Bild uns Gleichnis Gottes geschaffen worden ist und dass wir die Liebe Gottes in Jesus Christus kennen gelernt haben. Hieraus lässt sich in erster Instanz ableiten, dass das menschliche Leben ein Geschenk ist, eine unantastbare Würde besitzt und Schutz vom Zeitpunkt der Empfängnis bis zum natürlichen Tod verdient. Diese Schutzwürdigkeit gilt auch für die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau und für die Familie, die von Gott in seiner Schöpfungsordnung als Urgrund neuen menschlichen Lebens bestimmt wurden. Die Idee, dass die geschlechtliche Identität nicht essentiell in unserer biologischen Sexualität verwurzelt ist, ist unvereinbar mit der christlichen Sicht des menschlichen Lebens. Papst Franziskus hat in ‚Amoris Laetitia‘ gesagt, dass wir berufen sind unser Menschsein zu behüten, und dass dies vor allem bedeutet, es so zu akzeptieren und zu respektieren, wie es erschaffen worden ist. (Vgl. Amoris Laetitia, Nr. 56)

Gleich an Würde
Die menschliche Würde und die damit verbundenen Rechte gelten für jeden, ohne jede Ausnahme, weil alle nach dem Bild und Gleichnis Gottes erschaffen worden sind: vor allem auch für Kinder, Senioren, jene, die in Armut leben, Kranke, Flüchtlinge und andere, die in Gefahr sind. Alle Menschen sind gleich an Würde. Es ist deshalb inakzeptabel, dass viele, ob weit weg oder nah bei, in ihrer Würde verletzt werden durch entwürdigende Lebensumstände, wie Armut, Unterdrückung, Diskriminierung, fehlende oder mangelhafte Bildung und Fürsorge, sozialen Ausschluss, Gewalt, Terrorismus und Krieg. Sind wir betroffen wegen unserem Mitmenschen, dessen Würde – ganz gleich, ob nah bei oder weit weg – verletzt wird?

Ein Mitmensch sein

Jeder Mensch ist ein soziales Wesen, der für sein Leben die Gemeinschaft braucht. Es gibt jedoch noch mehr dazu zu sagen: in der katholischen Sichtweise auf Mensch und Gesellschaft ist der Mensch nicht in erster Linie ein Individuum, sondern eine Person. Jemand der in Gemeinschaft mit anderen frei und verantwortungsvoll handeln soll und als Mitmensch seinen Nächsten lieben soll und damit einen Beitrag zu einem menschenwürdigen Zusammenleben leisten soll. Menschen, die alt und einsam sind und durch den Rückgang ihrer körperlichen und teilweise auch geistigen Kräfte weniger leicht an der Gesellschaft teilhaben können, ist keine Möglichkeit zur Sterbehilfe anzubieten. Wir haben die Pflicht in Liebe und Solidarität tatsächlich unsere Verantwortung zu zeigen, eine helfende Hand und menschliche Nähe anzubieten. Die Legalisierung der Sterbehilfe wegen eines sogenannten ‚vollendeten Lebens‘ ist mit der Lehrer der römisch-katholischen Kirche absolut unvereinbar.
Solidarität, in Nächstenliebe verwurzelt In einer Gesellschaft, in der Respekt für die menschliche Würde Vorrang hat, entscheiden sich die Menschen aus Solidarität dafür der Nächste für den andern zu sein. Solidarität wird oftmals als die vergesellschafftende Streuung von Risiken verstanden um dem aufgeklärten Eigeninteresse zu dienen. Solidarität im christlichen Sinn geht jedoch wesentlich weiter als das, weil sie in der selbstlosen Liebe für den Nächsten ohne Ansehen der Person verwurzelt ist, wie Jesus uns im Gleichnis des barmherzigen Samariters darlegt. Nicht die Tagesthemen oder eine politische Ideologie inspirieren einen Christen sich für seinen Nächsten einzusetzen, sondern der Glaube, dass Gott uns in Jesus Christus bedingungslos liebt und dass sein Evangelium uns einlädt Gottes Liebe und Barmherzigkeit zu leben und vorzuleben. Dies betrifft den Einsatz jedes einzelnen Mitglieds der Gesellschaft persönlich, ist jedoch auch richtunggebend für die Politiker, die für die Organisation der Gesellschaft eine besondere Verantwortung tragen.

Gemeinsam verantwortlich

Wir alle gemeinsam, aber vor allem unsere Politiker tragen Verantwortung für das Allgemeinwohl, den Aufbau einer friedlichen, gerechten und beständigen Gesellschaft auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. In Hinblick auf letzteres sprechen wir uns für eine Aufwertung der – auch christlichen – Werte aus, welche die Grundlage des europäischen Projektes bilden als notwendiges Fundament für die gemeinschaftliche Erörterung und Lösung der Probleme. Zu dieser gemeinsamen Verantwortung gehört auch, wie Papst Franziskus in der Enzyklika ‚Laudato Si‘ erklärt hat auch ein Lebensstil, der das rechte Maß in Hinblick auf eine verantwortlich wirtschaftliche Entwicklung und den Schutz der Natur und der Umwelt beinhaltet.

Zusammen aufbauen

Die Politiker sollen nicht an die Angst, oder an die Mentalität des jeder für sich und des Eigennutzes, oder an dasjenige, was uns auseinanderdividiert, appellieren, sondern an das, was uns verbindet, an die Sorge füreinander und die Solidarität untereinander. Der Zeitgeist betont leider viel stärker die Verschiedenheit und die Uneinigkeit als das Streben nach Verbundenheit und Einheit. Passen wir davor auf in Wut, Intoleranz, Gleichgültigkeit und Polarisierung zu verfallen. Diese Dinge würden unseren Einsatz für das Allgemeinwohl nur lähmen. In der Wahlkabine stehen wir vor der Frage, wie wir, im Licht des Evangeliums, mit unserer Stimme kurz- und längerfristig zu einer Gesellschaft beitragen können, die auf das Fundament der menschlichen Würde, der Solidarität, von Grundrechten, wie die Religionsfreiheit und Schulfreiheit, der sozialen Gerechtigkeit, der Subsidiarität, von Toleranz und Frieden zwischen Religionen und Kulturen aufbaut. Die Religionsfreiheit und die Freiheit des Glaubens sind Grundwerte unserer Kultur.

Verantwortlich eine Stimme abgeben

Mit der Abgabe unserer Stimme können wir einen Beitrag zum Allgemeinwohl leisten. Die Politiker tragen dafür eine besondere Verantwortung. Bei der Wahl einer bestimmten Partei ist die entscheidende Frage: in welchem Umfang trägt diese Partei in Übereinstimmung mit den Grundsätzen des römisch-katholischen Glaubens zum Allgemeinwohl bei? Unterstützt sie die Beschützung des menschlichen Lebens von der Befruchtung bis zum natürlichen Tod? Wird die Bildung neuer Familien unterstützt? Wie sieht es mit der Unterstützung häuslicher Pflege, ehrenamtlicher Tätigkeiten und der Aufnahme von Migranten aus? Die Barmherzigkeit für die Armen erschöpft sich jedoch nicht in der Aufnahme von Flüchtlingen. Welche anderen Initiativen unterstützt eine Partei somit, um die Solidarität mit den Leidenden in der Welt zu gestalten? Unterstützt die Partei aus vollem Herzen die Religionsfreiheit, die Bekämpfung der Armut, den Zugang zu guter Bildung, eine hohe Qualität der Krankenpflege, die korrekte Betreuung von Tieren, Sicherheit, Beständigkeit und Entwicklungshilfe? Papst Franziskus gibt uns in dieser Wahlkampfzeit eine weise Empfehlung für unsere Beschäftigung mit Politikern, die uns bitte sie zu wählen: „Prüfe genau die Vorschläge, bete und wähle entsprechend deinem Gewissen!“ (Rückreise aus Georgien und Aserbaidschan, 2. Oktober 2016).

Utrecht, 28. Februar 2017
Die römisch-katholischen Bischöfe der Niederlande

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