11 März 2017, 08:40
‘Die Christen der Ninive-Ebene resignieren nicht’
 
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Solidaritätsbesuch des Bischofs von Carpi, Francesco Cavina, im Nordirak - Erzbischof Warda von Erbil berichtet über dramatisches Ausmaß der Zerstörung von christlichem Eigentum durch IS-Terroristen.

Erbil-Rom (kath.net/ KAP)
"Die Christen der Ninive-Ebene sind Menschen der Hoffnung, die nicht resignieren." Dies betonte der Bischof von Carpi, Francesco Cavina, im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Cavina hatte eine Journalistendelegation der italienischen Sektion des Hilfswerks "Kirche in Not" bei einem Solidaritätsbesuch in den zerstörten Kleinstädten und Dörfern der Ninive-Ebene begleitet. Es war bereits Cavinas dritter Solidaritätsbesuch bei den Christen in der autonomen kurdischen Region des Irak, wie die Stiftung "Pro Oriente" am Freitag berichtete.

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Am 2. April kommt Papst Franziskus nach Carpi, um den beim Erdbeben in der Emilia im Jahr 2012 schwer beschädigten und jetzt wiederhergestellten Dom zu segnen. Auch den Papst will Bischof Cavina über seine Impressionen aus der Ninive-Ebene informieren.

Die Journalistendelegation unter Leitung des italienischen "Kirche in Not"-Nationaldirektors, Alessandro Monteduro, hatte die aus der Hand der IS-Terroristen befreiten Orte sowohl im kurdisch besetzten Teil der Ebene als auch im von irakischen Regierungstruppen kontrollierten Teil besucht. Über die Situation im irakisch kontrollierten Teil hatte es zuletzt Besorgnis erregende Berichte über Aktionen der "Al-Hashd ash Sha'abi" (Volksmobilmachung) gegeben, einer von der Regierung in Bagdad geförderten Dachorganisation aus 40 fast ausschließlich schiitischen Milizen.

Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, Bashar Matti Warda, sagte der italienischen Delegation, eine Umfrage unter 1.500 Familien von vertriebenen Christen in Erbil im Vormonat habe düstere Ergebnisse erbracht: 57 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Häuser in der Ninive-Ebene von IS-Terroristen ausgeraubt wurden, 42 Prozent sagten, dass die Wohnstätten auch zerstört oder niedergebrannt worden seien. Von den Kirchengebäuden sind nach Angaben des Erzbischofs 90 Prozent entweder schwer beschädigt oder zerstört worden.

Sehr betroffen waren die Journalisten, als sie in Bartella neben der syrisch-orthodoxen Simeonskirche den Friedhof sahen, auf dem alle Gräber geschändet waren, in einem Grab steckte eine nicht explodierte Rakete. Im Hof der Kirche weist die Statue eines orthodoxen Patriarchen schwere Beschädigungen auf: Die Gesichtszüge wurden sichtlich mit einem Hammer bearbeitet, die Hände abgehackt. Das gleiche Bild der von den islamistischen Terroristen geschändeten Ikonen und Statuen bot sich der Delegation auch in anderen Orten der Ebene. An vielen heiligen Bildern ist sichtbar, dass sie als Zielscheiben für Schießübungen der Terroristen missbraucht worden sind.

Bischof Cavina zelebrierte in den Ruinen der syrisch-katholischen Marienkirche in Karakosch die Heilige Messe. Aus der Ebene stammende Priester konzelebrierten. Einer der Priester, Jalal Yako, sagte, dass er trotz des leidvollen Anblicks der zerstörten Kirche bewusst in die Stadt mitgekommen sei, denn "das ist meine Heimat". Im benachbarten Karamles wurde die sterbliche Hülle einer 82-jährigen Frau auf dem geschändeten Friedhof beigesetzt. Im August 2014 war sie mit ihrer Familie beim Überfall der IS-Terroristen nach Erbil geflüchtet, aber ihr letzter Wille war ausdrücklich die Beisetzung auf dem Heimatfriedhof.

In Karamles verharrte die italienische Delegation im Gebet vor dem Grabmal des am 3. Juni 2007 ermordeten jungen chaldäisch-katholischen Priesters Ragheed Aziz Ganni. Das Grabmal Gannis in der chaldäisch-katholischen Kirche Mar Addai in Karamles ist von den IS-Terroristen während ihrer Herrschaft schwer beschädigt worden, der Gedenkstein wurde in Stücke gehauen. Die Kirchenmauern wurden mit IS-Slogans beschmiert, beispielsweise: "So Gott will, werden wir bald in Rom einmarschieren".

Schließlich fuhr die Gruppe nach Batnaya, das meistzerstörte Städtchen der Ninive-Ebene, sowie nach Telskof, wo mittlerweile einige christliche Familien zurückgekehrt sind. Vor kurzem hatte auch der Linzer Bischof Manfred Scheuer, Präsident der Kardinal-König-Stiftung, mit einer kleinen österreichischen Delegation den beiden Orten im kurdisch kontrollierten Gebiet einen Solidaritätsbesuch abgestattet.

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Foto: (C) KiN







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