03 März 2017, 12:00
Leer werden - Gedanken zur Fastenzeit'
 
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Ist das zu fassen? Gott nimmt mein kleines Opfer an und schreibt Geschichte - BeneDicta am Freitag mit Inka Hammond

Linz (kath.net)
Die Fastenzeit hat begonnen. Ich habe in den Tagen vorher deutlich mehr gegessen. Als naive Vorsorge für die karge Zeit. Abends lag ich tatsächlich mit Magenschmerzen im Bett und habe ich mich gefragt, warum ich auf die bevorstehende Fastenzeit so reagiere. Warum habe ich den Drang, für mich selbst zu 'sorgen', Vorräte anzulegen? Warum gehe ich nicht voller Freude in den Verzicht? Warum bäumt sich in mir alles auf, weil ich etwas aufgeben muss, das mir doch so gut tut, was ich scheinbar unbedingt brauche?

Fasten leert mich von mir selber. Ich lasse die Sicherheiten los, die mich im Alltag festhalten. Das Stück Schokolade als Belohnung. Die Likes auf Facebook als Bestätigung. Den Kaffee als Kraftgeber. Das Frühstück als guten Start in den Tag. Ich lasse los und während ich loslasse, merke ich, wie wenig ich bin. Wie klein, wie schwach, wie unsicher, wie orientierungslos. Das Fasten erschüttert meine Fundamente, die sonst so solide scheinen und offenbart, wie wackelig mein Leben doch im Grunde ist. Und meine Reaktion im Vorfeld? Das 'Anlegen von Vorräten'? Das ist das Kind in mir, das noch nicht begriffen hat, dass es einen guten, liebenden Vater hat. Und dass es aus dem Überfluss schöpfen darf.

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Ein Waisenkind, das jahrelang auf der Straße gelebt hat und schließlich in einem Waisenheim aufgenommen wird, in dem ein Genug von allem herrscht, wird noch lange heimlich das Brot horten. Es wird noch lange das Essen zu schnell in sich hineinstopfen, weil es Angst hat, es könnte ihm weggenommen werden. Es wird am Essenstisch hektisch nach links und nach rechts schauen und Genuss wird noch lange ein Fremdwort bleiben. Das Fasten offenbart diesen Geist in mir. Ich habe Angst zu kurz zu kommen. Ich habe Angst etwas aufzugeben, was mir Sicherheiten verleiht. Ich habe noch nicht wirklich verstanden, dass der Herr mein Versorger ist und dass er mir mehr geben möchte, als ich mir jemals träumen könnte. Fasten birgt die Chance in sich, gerade im Verzicht, im Loslassen, zu erfahren, dass da mehr ist für mich. Schätze des Himmels, die ich im durchgetakteten, übervollen Alltag übersehe. Und ich lerne, dass Fasten die normale Reaktion eines geliebten, angenommenen Kindes ist - nicht die erzwungene, mürrische Leistung eines Waisenkindes.

Fasten macht mich leer, nicht nur meinen Magen, auch meine Seele. Verborgene Wunden kommen an die Oberfläche und können Heilung erfahren. Der gehetzte Blick kommt zur Ruhe und ankert sich in der Herrlichkeit Gottes. Unwichtiges wird entlarvt und seinem Platz zugewiesen und das wirklich Wichtige, das Ewige, nimmt Raum ein in uns. Wir kommen an einen fast unwirklichen Ort zwischen Himmel und Erde und begreifen unsere wahre Berufung als Kinder Gottes. Neues wächst auf dem Boden des Verzichts, Zartes keimt auf inmitten von freiwilligem Mangel.

Aber Fasten ist mehr als nur innerliches Loslassen, Fasten ist auch eine mächtige geistliche Waffe. Und wieder ein Paradox: in gewollter, gezielter Schwachheit kämpfen wir unsere größten Kämpfe. Jesus ging vor seinem geistlichen Dienst auf dieser Erde 40 Tage in die Wüste um zu fasten. Wenn selbst er diese Zeit der Dürre, des Ausgeliefertseins vor Gott gebraucht hat, wieviel mehr wir?

Wir brauchen diese geistliche Erfahrung der Leere und des Triumphes, der darauf folgt. Wenn wir fasten und uns zurückziehen um zu beten, dann steht die Armee des Himmels auf und tritt für uns ein. In Jesaja 59 können wir nachlesen, was für uns bereit gehalten wird, wenn wir gottgefällig fasten: 'Wenn du so handelst, wird dein Licht aufleuchten wie die Morgenröte. Deine Heilung wird schnelle Fortschritte machen. Deine Gerechtigkeit geht dir dann voraus und die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Du wirst um Hilfe schreien und er wird dir antworten: 'Hier bin ich.'' (Verse 8-9) Fasten bringt uns geistlich voran, Fasten gibt uns neue geistliche Autorität. Unser Fasten berührt das Herz des Vaters im Himmel. Wenn wir uns demütig vor ihm beugen, erhöht er uns zur rechten Zeit.

Ich habe immer wieder das Bild vor mir vom Weinstock und den Reben. Keine Rebe der Welt würde auf die Idee kommen, ihre eigenen Trauben zu loben, sich zu brüsten mit der Ernte. Die Rebe hängt vollkommen abhängig vom Weinstock und vom Gärtner an einem dünnen Zweig und kann nicht anders, als zu wachsen und Frucht zu bringen. Nicht aus sich heraus, sondern einfach weil sie da hängt und weil die Sonne scheint und es ab und an regnet und die Zweige immer wieder beschnitten werden.

So ist das auch mit dem Fasten. Es kommt nicht aus mir selber heraus, ich werde gedrängt vom Heiligen Geist in eine Zeit des Verzichts hinein, damit später mehr Frucht durch mich hervorkommen kann. Fasten zeigt mir, dass ich nichts weiter bin als eine Rebe, die aus sich heraus überhaupt nichts tun kann. Wir müssen uns an Jesus hängen, denn ohne ihn sind wir nichts...auch und besonders in der Fastenzeit.

Nicht zuletzt verbindet mich das Fasten, wie kaum ein anderes Erleben, mit dem Leiden Jesu. Ich gebe mich ihm in besonderer Weise hin, weil er sich mir zuerst hingegeben hat und nichts zurückgehalten hat. Und so wie ich für ihn die Freude war, als er dort am Kreuz hing, so ist er meine Freude und mein Ziel, wenn ich faste. Mein ganzes Sein richtet sich aus auf meinen Erlöser, der voller Angst im Garten Gethsemane kniete, der gegeißelt wurde, der die Dornenkrone trug, der schließlich den qualvollen Tod am Kreuz starb. Für mich, für mich. Ein Lied aus meiner Kindheit treibt mir noch heute die Tränen in die Augen: 'Für mich gingst du nach Golgatha, für mich hast du das Kreuz getragen. Für mich ertrugst du Spott und Hohn, für mich hast du dich lassen schlagen. Herr, deine Liebe ist so groß, dass ich sie nie begreifen kann, doch danken will ich dir dafür. Herr, deine Liebe ist so groß, dass ich sie nie begreifen kann - ich bete dich an.' Mein Fasten wird zu einer tiefen, hingegebenen, authentischen Anbetung, weil ich wieder ein Stück mehr begreifen will, was mein Herr auf sich genommen hat, damit ich frei und erlöst sein kann. Mein Körper, Seele und Geist vereinen sich, wie sonst kaum, und neigen sich vor dem Lamm Gottes und streben nach dem ersten und wichtigsten Gebot: Gott zu lieben.

Und so gehe ich in diese Tage mit einem heiligen, inneren Beben. Wohl wissend, dass ich es aus mir selbst heraus nicht tun kann. Voller Erwartung, dass der Herr mir in dieser Zeit des Mangels begegnet, weil er alles ist, was ich brauche. Voller Hoffnung, dass ich innerlich ruhiger werde, dass Ängste vertrieben werden, dass Siege über persönliche Abgründe errungen werden. Und voller Gewissheit, dass auch mein Umfeld verändert werden wird, dass geistliche Durchbrüche passieren in meiner Familie, in meiner Nachbarschaft, in meinem Land, in ganz Europa.

Ist das zu fassen? Gott nimmt mein kleines Opfer an und schreibt Geschichte.







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