02 März 2017, 09:30
Viele DDR-Kinder mussten im Kleinkindalter in Wochenkrippen
 
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„Deutschlandradio“: Bis in die 80er-Jahre hinein ist „die Bindungstheorie in der DDR unterdrückt“ worden, auch über Formen des Hospitalismus durfte nach dem Mauerbau nicht mehr geschrieben werden – Betroffene arbeiten heute psychische Folgen auf

Berlin (kath.net) „Viele DDR-Kinder verbrachten ihre Kindheit in Wochenkrippen, mit oft weitreichenden Folgen. Forschungsergebnisse, die auf die Nachteile für die Entwicklung der Kinder hinwiesen, unterdrückte die DDR. Heute arbeiten Betroffene und Forscher die Folgen auf.“ Darüber informiert ein aktueller Beitrag von Lotta Wieden im öffentlich-rechtlichen Hörfunksender „Deutschlandradio“. Die DDR hatte bereits in den 50er Jahren die Gleichberechtigung der Frauen eingeführt und damit praktisch die Sechstagewoche auch für Mütter, was besonders für alleinerziehende Mütter zum Problem wurde. Ein massiver Ausbau von Kindergartenplätzen sowie Wochenkrippen für Säuglinge und Kleinstkinder begann, „Begleitet wird der Ausbau von einer massiven Werbekampagne. Bis Mitte der 60iger Jahre werden Wochenkrippen als gleichwertige, wenn nicht bessere Alternative zur familiären Betreuung gepriesen“, informiert der Bericht des „Deutschlandradios“.

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Gleichzeitig habe Mitte der 50er-Jahre „die Ostberliner Humboldt-Universität mit den ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zur Entwicklung von Krippenkindern in der DDR“ begonnen, „die Entwicklung von mehr als 1.700 Kindern zwischen null und drei Jahren“ wurde dokumentiert, darunter „auch 440 Wochenkrippen-Kinder. Untersucht wird, wie gut sich die Kinder im Raum orientieren und bewegen können und wie weit ihr Sprachvermögen und Sozialverhalten entwickelt ist. Die Ergebnisse dieser Untersuchung offenbaren gravierende Defizite bei den Wochenkrippenkindern - in allen getesteten Bereichen“.

Doch „nur wenige Jahre später sind solche Interpretationen fast vollständig aus der DDR-Forschungsliteratur verschwunden“, so die Darstellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders. „Auch über Formen des Hospitalismus: ausdruckslos vor sich hinstarrende Kleinkinder, die ihren Oberkörper vorwärts und rückwärts schaukeln oder ihren Kopf im Gitterbett immer wieder hin und herdrehen, darf nach dem Mauerbau nicht mehr geschrieben werden.“

Bis in die 80er-Jahre hinein sei „die Bindungstheorie in der DDR unterdrückt“ worden. Diese Theorie gehe davon aus, „dass jedes Kind ein angeborenes Bedürfnis nach intensiver, emotionaler Nähe hat. Und sich ohne eine solche Nähe, nicht optimal entwickeln kann. Immerhin wird die direkte Werbung für die Wochenkrippe in der DDR ab Mitte der 60iger Jahre deutlich zurückgefahren. Was bleibt ist das Idealbild der Vollberufstätigkeit beider Eltern und die Doppelbelastungen für Frauen.“

Dabei seien DDR-Eltern nicht „herzlos“ gewesen, sondern „moderne Frauen, die nicht von vornherein auf einen Platz in der Gesellschaft verzichten wollten, gingen - anders als im Westen - selbstverständlich arbeiten“. Auch habe man auf „optimale Entwicklungschancen“ für das Kind gehofft, „der Rest war Ideologie“.

Link zum Artikel in voller Länge im „Deutschlandradio“: Alltag in der DDR – Die Wochenkrippen-Kinder

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