19 Februar 2017, 12:15
Die höhere Verwirklichung der Gerechtigkeit
 
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Franziskus: Die christliche Revolution - der Christ antwortet auf die Leere des Bösen mit der Fülle des Guten. Appell und Gebet für die Demokratische Republik Kongo, Pakistan und Irak. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Die christliche Revolution - „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde!“ – Angelus am siebten Sonntag im Jahreskreis. Papst Franziskus ging in seiner Ansprache vor dem Mittagsgebet am Petersplatz vom Tagesevangelium aus (Mt 5,38-48), das Teil der sogenannten Bergpredigt ist, welche die Kapitel 5, 6 und 7 des Matthäusevangeliums umfasst.

Jesus zeige den Weg der wahren Gerechtigkeit durch das Gesetz der Liebe, welches das Gesetz des „Auge für Auge und Zahn für Zahn“ überwinde. Jesus fordere von seinen Jüngern nicht, das Böse zu erleiden, sondern mit dem Guten auf das Böse zu reagieren. Auf diese Weise werde die Kette des Bösen gebrochen. Das Böse nämlich sei eine „Leere“, eine Leere, die nicht mit einer anderen Leere erfüllt werden könne. Es bedürfe der „Fülle“, das heißt des Guten.

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Für Jesus könne die Ablehnung von Gewalt auch den Verzicht auf ein legitimes Recht mit sich bringen: „Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.
Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab“ (V. 39-42).

Dieser Verzicht aber bedeute nicht, dass die Erfordernisse der Gerechtigkeit ignoriert würden. Die christliche Liebe, die sich besonders in der Barmherzigkeit zeige, repräsentiere vielmehr eine höhere Verwirklichung der Gerechtigkeit. Jesus wolle den klaren Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Rache lehren. Unsere Pflicht sei es, Gerechtigkeit zu üben. Verboten seien Rache oder das Anstiften zum Rachenehmen, da dies Ausdruck von Hass und Gewalt sei.

Jesus schlage das neue Gebot und keine neue zivile Ordnung vor: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (V. 44). Dies bedeute die Einladung zu einer höheren Perspektive, die der des Vaters im Himmel ähnlich sei: „damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (V. 45). Auch der Feind nämlich sei eine menschliche Person und als solche nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen, auch wenn dieses durch ein unwürdiges Verhalten getrübt sei.

Der Begriff „Feind“ beziehe sich auf nichts Fernes. Auch wir könnten mit dem Nächsten in Konflikt geraten, bisweilen auch mit den Familienangehörigen: „Feinde sind die, die schlecht über uns reden, die uns verleumden und Unrecht tun“. So sei der Christ dazu aufgerufen, all dem mit dem Guten zu entgegnen, das seine von der Liebe inspirierten Strategien habe.

Nach dem Angelus betete der Papst für die Demokratische Republik Kongo und die Bevölkerung von Zentral-Kasai, die unter schweren und brutalen Unruhen leidet. Besonders die Kindersoldaten seien eine Tragödie. Franziskus rief die lokalen Autoritäten und die internationale Gemeinschaft auf, angemessene und schnelle Entscheidungen zu treffen. Der Papst gedachte auch der Terroranschläge der letzten Tage in Pakistan und im Irak: „Wir wollen innig beten, dass sich jedes durch Hass verhärtete Herz nach dem Willen Gottes zum Frieden bekehre“.

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