27 März 2014, 11:00
Kriminologe fordert von EKD Aufarbeitung von Luthers Judenfeindschaft
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Luther'
Der evangelische Kriminologe Christian Pfeiffer: Luthers Spätschriften konnten „über Jahrhunderte hinweg bei der Begründung und Fortentwicklung judenfeindlicher Einstellungen und Verhaltensweisen eine wichtige Rolle spielen“.

Hannover (kath.net) Eine Aufarbeitung der einflussreichen judenfeindlichen Schriften des Reformators Martin Luther forderte der Kriminologe Christian Pfeiffer von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Pfeiffer, der selbst evangelisch ist, sprach in einem Beitrag in der politischen Zeitschrift „Cicero“ von einer „schweren Erblast“, die innerhalb der 2017 endenden Lutherdekade kritisch betrachtet werden müsse.

Werbung
gebetsanliegen


Pfeiffer untersuchte in seinem Cicero-Beitrag die Wirkung der Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543) und anderen einschlägigen Spätschriften. Luther habe bereits hier gefordert, was dann knapp 400 Jahre später in der Reichspogromnacht umgesetzt worden sei: Das Anzünden jüdischer Gebäude. Diese Schriften konnten „über Jahrhunderte hinweg bei der Begründung und Fortentwicklung judenfeindlicher Einstellungen und Verhaltensweisen eine wichtige Rolle spielen. Die Nationalsozialisten erkannten das sehr früh und nutzten die eigentlich theologisch begründeten antijudaistischen Schriften Luthers für ihren rassistisch orientierten Antisemitismus.“

Die Aufarbeitung dieser Aussagen Luthers sei dringend nötig, beispielsweise durch Einsetzung einer Historikerkommission oder durch ein Symposium, so Pfeiffer. Maßgebliche Vertreter der evangelischen Kirche gerieten sonst in unglaubwürdige Abwehrhaltung, wenn sie sich weiterhin wie Denkmalschützer vor den Reformator stellten.

In derselben Ausgabe des „Cicero“ bekennt auch die EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum, Margot Käßmann: „Wir können uns von der Schuld nicht freisprechen, dass im Protestantismus ein starker Antijudaismus vorhanden war. Insofern gibt es eine Schuldgeschichte.“ Die Lutherschrift von 1543 sei „furchtbar“, so Käßmann wörtlich, doch habe man dazugelernt und heute sei in der evangelischen Kirche eine solche Judenfeindschaft undenkbar.

Foto Martin-Luther-Denkmal (c) EKD







kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.

Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

Vatikanexperte Pentin: ‚Die Zeichen für einen Bruch sind da’ (43)

Malteser: Boeselager verliert in entscheidendem Punkt vor Gericht (30)

'Eine Schande, wie mit Benedikt XVI. in Deutschland umgegangen wurde' (26)

Südtiroler Bischof stellt Diözese auf völlig neues Firmkonzept um (26)

Kardinal Sarah unterstreicht Vorrang Gottes in der Liturgie (26)

Papst Franziskus gründet neues Institut für Ehe und Familie (23)

Wenn der Zulehner-Freundeskreis gegen Sebastian Kurz polemisiert (23)

Homoehe im Lichte der Biologie (23)

'Sollten Sie gegen mich juristisch vorgehen, ist mir das lieb' (22)

Betet für die Regierenden! Es nicht zu tun, ist Sünde (19)

Das journalistische Lager ist nach links gerutscht (18)

Papst gesteht eigenen Fehler bei Umgang mit Missbrauchstäter ein (16)

'Das Ehe-Öffnungsgesetz ist verfassungswidrig!' (14)

Durch Nichtbeteiligung an einer Wahl gewinnen wir nichts (13)

Geschlechtsneutrale Kinder-Kleidung löst Sturm der Entrüstung aus (12)